08. Februar 2016

Fehlende Umsicht in der Klinik: So vermeiden Sie menschenunwürdige Zustände

Ein typisches Problem im Krankenhaus: Lange Wartezeiten für Patienten in den Diagnostik-Bereichen. Häufige Gründe sind zu enge Personalkapazitäten im Patiententransportdienst sowie schlecht organisierte Abläufe. Erfahren Sie hier, zu welchem menschenunwürdigen Zustand diese Faktoren in einer Klinik geführt haben.

Dieser Artikel basiert auf dem im Januar 2016 vorgestellten Fall des Monats des Krankenhausnetzwerks CIRS-Berlin und wurde aufbereitet von Dr. Katrin Marquardt, coliquio-Redaktion.

Patienten sitzen fröstelnd im Nachthemd in der Radiologie

Nicht immer läuft im Klinikalltag alles rund. Insbesondere, wenn viele Berufsgruppen, Abteilungen und Dienstleister involviert sind, und geeignete Lösungen zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs fehlen, kann es schnell zu folgender Situation kommen:1Zwei hochbetagte Patienten (81 und 90 Jahre) sitzen im Rollstuhl fröstelnd beim Röntgen. Auf dem Flur ist es kalt, es hat 16 Grad, es zieht. Die Patienten tragen lediglich ein dünnes Nachthemd, haben Gänsehaut und fühlen sich eiskalt an. Einem der Patienten fließen vor Verzweiflung bereits die Tränen über die Wangen. Ein fürsorglicher Mitarbeiter bemerkt die Patienten und bringt sie auf ihre Station zurück. Nach dem Vorfall wird das Personal über Pneumonieprophylaxen und allgemeine Verhaltensregeln aufgeklärt.1

Kein Einzelfall. Laut Autor treten solche Ereignisse wöchentlich auf, wenn auch selten in dieser extremen Ausprägung. Schuld an der Misere ist das komplexe Zusammenspiel folgender Faktoren:

  • Persönliche Faktoren der Mitarbeiter (Müdigkeit, Gesundheit, Motivation)
  • Teamfaktoren (Zusammenarbeit, Vertrauen, Kultur, Führung)
  • Organisation (zu wenig Personal, Standards, Arbeitsbelastung, Abläufe)

Tipps für einen reibungslosen Patiententransport

Durch eng bemessene Personalressourcen im Transportdienst, besetzte Fahrstühle und die gleichzeitige Einbestellung mehrerer Patienten kommt es zu langen Warteschlangen in den Diagnostik-Einheiten. Mit diesen bewährten Systemen bauen Sie Wartezeiten beim Patiententransport trotz dünner Personaldecke ab:1

Logbuch

Mit der elektronische Krankenhauslogistik-Software erhalten Transportmitarbeiter Untersuchungsort, Termin, Patientendaten und Zustand des Patienten direkt auf ihr Mobiltelefon. So werden Transporte transparent und Leerläufe vermieden. Änderungen im Betriebsablauf erhalten alle Beteiligten in Echtzeit auf das Handy – zeitaufwendige persönliche Absprachen entfallen.1,2

Transportbuch

Patiententransporte werden mittels Buch koordiniert und von zuvor festgelegtem Personal ausgeführt. Flexible Transportkräfte, sogenannte Springer, übernehmen Transporte, die neben geplanten Gängen anfallen, und gewährleisten einen verzögerungsfreien Ablauf.1

Transportmitarbeiter für einzelne Diagnostik-Einheiten

Wartzeiten sind hier gering, da die Transporteure den zeitlichen Ablauf ihres Diagnostik-Bereiches gut überblicken und zeitnah agieren können.

Vorbereitung, Übergabe und Betreuung des Patienten vor Ort

Was sich vorab regeln lässt, spart erfahrungsgemäß am Ende Zeit. Deshalb gilt es bei der Vorbereitung, Übergabe und Betreuung des Patienten folgende Punkte zu beachten:
# Bereiten Sie den Patienten bereits auf der Station auf:
** die jeweilige Untersuchung und
** räumliche (zugiger Krankenhausflur) und zeitliche Gegebenheiten (Wartezeit) des Diagnostikbereichs vor.
# Halten Sie bei der Übergabe zwischen Stationen, Transporteuren und Personal des Diagnostikbereichs, klare Vorgaben und Verantwortlichkeiten ein, wie:
** Wer übergibt an wen, wie und wann?
** Welche Informationen und Unterlagen werden benötigt?
** Wie erfolgt die Patientenidentifikation?
# Informieren Sie den Patienten darüber:
** wie lange er voraussichtlich warten muss und
** an wen er sich wie während der Wartezeit wenden kann

Wichtig: Patienten müssen auch während der Wartezeit auf einm Flur betreut sein. Da dies personaltechnisch meist schwierig zu lösen ist, sind hier individuelle Lösungen gefragt.

  1. Netzwerk CIRS-Berlin: Fall des Monats Januar
  2. SALK Patiententransport: Salzburger Landeskliniken, Universitätsklinikum Salzburg: Leitstellen koordinieren abgestimmt Patiententransporte und Transportlogistik

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653