08. September 2021

Notfall des Monats

Weiterer Verlauf und Auflösung des Falls

Erfahren Sie, wie es dem Patienten erging und mehr über das Vorgehen der Ärzte.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Bericht wurde als “Fall des Monats” bei der Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen (AGNNW) veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung. 1

Versorgung durch den Notarzt

Unter Berücksichtigung der symptomatischen paroxysmal aufgetretenen Tachykardie bei leider unzureichenden Angaben zur kardialen Anamnese Entschluss des Notarztes zur titrierenden Gabe eines Betablockers und i.v- Applikation eines Benzodiazepins zum Abschwächen der aktuell bestehenden vegetativen Begleitsymptomatik.

Nach titrierender Gabe von 3 mg Midazolam und 2,5 mg Metoprolol intravenös kann während des Transports in die kardiologische Klinik nun das folgende EKG abgeleitet werden:

Sofort tritt eine deutliche Besserung der vorher beklagten Stenokardien des Patienten auf. Der Blutdruck liegt bei 120/80 mmHg. Die Herzfrequenz bei 70/min. Sauerstoffsättigung bei 98%.

Der Patient wird daraufhin komplikationslos in die kardiologische Abteilung der Zielklinik transportiert.

Rätsel um Schrittmacher

Bei späterer Rückfrage zum Fall wird von einem wahrscheinlich stattgehabten atypischen Vorhofflattern des Patienten berichtet. Der implantierte Schrittmacher konnte als DDD-Schrittmacher identifiziert werden.

Bei stationär nun festgestellter Batterieermüdung ist im aktuellen Fall eine bekannte einstellbare Funktion des DDD-Schrittmachers nicht nachvollziehbar gewesen. Das sogenannte „mode switching “.

Spezialfunktionen wie der automatische Moduswechsel (AMS) gehören zu den Merkmalen moderner Zweikammer-Schrittmachersysteme.

Sollte also bei DDD-Schrittmacherpatienten mit anamnestisch paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern eine relevante Vorhoftachykardie über der im Schrittmacher programmierten Frequenzgrenze auftreten, so können fast alle der heute eingesetzten Schrittmacher vom DDD-Modus automatisch in den DDI- oder VDI-Modus wechseln („mode switching“). Bei Beendigung der Tachykardie wird dann – ebenfalls automatisch – die ursprüngliche Betriebsart wiederhergestellt.

Unter der Betablocker-Medikation konnte die Vorhoffrequenz im aktuellen Fall wohl ausreichend reduziert werden, so dass anschließend der voreingestellte Modus (DDD) wieder erkennbar wurde.

Im Rahmen des stationären Aufenthaltes erfolgte ein Wechsel der Schrittmacherbatterie. Der Versicherte konnte nach 4-tägigem stationären Aufenthalt in stabilem Allgemeinzustand aus der Klinik entlassen werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGNNW) vereint seit 1983 die in Nordrhein-Westfalen tätigen Ärzte des organisierten Rettungswesens. Mit aktuell ca. 2500 Mitgliedern, ist die AGNNW eine kompetente Informationsquelle bei notarztrelevanten Gesetzesänderungen.
In ihrem Wirkungsbereich sollen die bestmöglichen Voraussetzungen für eine Optimierung des organisierten Rettungswesens geschaffen werden. Hierzu gehören neben der Etablierung geeigneter Einsatzbedingungen insbesondere das Angebot an Fortbildungsveranstaltungen.

  1. Müntefering G. Fall des Monats Februar 2021. AGNNW

Bildquelle: © gettyImages/SEBASTIAN KAULITZKI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

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