15. Dezember 2020

DIVI-Kongress 2020

Publizieren, aber richtig: Fake Journals

Normalerweise verlassen wir uns darauf, dass in Fachzeitschriften veröffentlichte Arbeiten inhaltlich korrekt und von hoher Qualität sind. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Im Rahmen des virtuellen DIVI-Kongresses 2020 informiert der investigative Journalist Peter Hornung zu dem Thema Fake Journals. 1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf dem LIVE-Vortrag des Journalisten Peter Hornung im Rahmen des DIVI-Kongresses 2020 in dem Symposium “Fake Journals und Urheberrechtsverletzungen” (03.12.2020). Redaktion: Dr. Linda Fischer.

Was ist ein Fake Journal?

Fake Journals, oder Raubjournale, sind seit rund zehn Jahren ein Phänomen hauptsächlich im Open Access Bereich. Typischerweise fehlt Fake Journals der wichtige Peer Review-Prozess während des Publikationsvorgangs, oder er wird nur rudimentär durchgeführt. Dabei wird jedoch häufig seitens des Journals behauptet, dass ein solcher Prozess durchgeführt wird, oftmals sogar als „Express-Review“. Fake Journals veröffentlichen oft schlechte, pseudowissenschaftliche oder komplett erfundene Paper und bergen im Veröffentlichungsprozess meist versteckte Gebühren, vor allem für das Zurückziehen von Beiträgen.

Wer publiziert in Fake Journals und wie groß ist dieses Problem?

Häufige Gründe für eine Publikation in Fake Journals sind Unwissenheit und fehlendes Bewusstsein seitens der Publizierenden. Außerdem stehen viele Forschende unter hohem Veröffentlichungsdruck: In dieser Situation wird dann ein Fake Journal als Publisher in Kauf genommen, da der Veröffentlichungsprozess hier schneller und einfacher geht als in renommierten Fachzeitschriften.

Ausgedrückt in konservativen Zahlen haben bereits mehr als 5.000 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Raubverlegern publiziert. Weltweit sind es 400.000. In den vergangenen zehn Jahren hat die Nutzungszahl solcher Journale zugenommen: In den Jahren von 2013 bis 2017 hat sich die Anzahl der deutschen Nutzerinnen und Nutzer von Fake Journals verfünffacht, international hat sie sich verdreifacht. Raubjournale werden oft als Quellen in Publikationen genannt, oder auch in Katalogen von Universitätsbibliotheken, in Hochschul- und Forschungsdatenbanken gelistet.

Zu diesen Fake-Verlegern gehören beispielsweise WASET, OMICS International, SCIENCE DOMAIN international, SCIENCE Publications und SciEP.

Wie erkennt man einen Raubverleger?

Um einen Raubverleger als solchen zu identifizieren, sollten zunächst folgende Punkte überprüft werden:

  • Ist der Publisher in einer der relevanten Datenbanken vertreten? Beispielsweise in PubMed Central, Web of Science, Scimago Journal & Country Rank oder DOAJ? ACHTUNG: Veröffentlichungen, die National-Institutes-of-Health (NIH)-gefördert sind, werden auf jeden Fall von PubMed aufgenommen.
  • Überprüfen Sie, ob das Journal auf einer Blacklist steht, und warum. Bei der Cabell’s List finden Sie beispielsweise Daten zu black- und white gelisteten Journals.
  • Über eine einfache Google-Suche mit der Kombination „(Journalname)“  „predatory“ können Sie herausfinden, ob es zu dem Publisher bereits fragwürdige Inhalte gibt.
  • Darüber hinaus lässt sich die Seriosität des Publishers auch über den Aufbau und Inhalt seiner Internetseite prüfen.

    • Wie sind Sie auf den Publisher aufmerksam geworden? Spam E-Mails sind hier kein gutes Zeichen.
    • Wie ist der allgemeine Eindruck des Internetauftritts? Billig und schlecht oder aufwändig und seriös?
    • Gibt es eine Firma auf der Seite, die verantwortlich ist für deren Inhalt?
    • Existiert der Ort des Firmensitzes überhaupt? Hier empfiehlt sich, die Adresse zu prüfen, beispielsweise über Google Maps und Google Street View.
    • Gibt es geschäftsleitende Personen, die kontaktiert werden können?
    • Gibt es genaue Angaben zum Peer Review-Prozess, außer den Hinweis zu einem „strict peer-review“?
    • Sind die auf der Internetseite verwendeten Logos verifiziert?
    • Ist eine genaue Gebührenstruktur für den Publikationsvorgang angegeben?

Im Zweifelsfall rät Peter Hornung, Open Access Beauftragte um Rat zu fragen. Ob die eigene Klinik in Zusammenhang mit Fake Journals steht, kann über eine einfache Google-Suche nachgeprüft werden.

Wie verschleiern Raubjournale ihren Fake-Charakter?

Eine Verschleierungsstrategie ist die Verwendung ähnlicher Namen zu renommierten Journals. Ein Beispiel hierfür ist das Raubjournal Journal of Biomedical Sciences von Omics versus der renommierten Fachzeitschrift Journal of Biomedical Science von Springer.

Gerne werden auch Büroservices in westlichen Ländern als “Branch Office” genutzt, unter der Angabe von zweier Kontaktadressen auf der Homepage – am Beispiel von SCIENCE DOMAIN international sind das Adressen in West-Bengalen und England. Hinter der englischen Adresse verbirgt sich dann jedoch lediglich ein Virtual Office, von dem aus E-Mails sofort nach Indien weitergeleitet werden. Geläufig ist zudem die Nutzung von westlichen Büroservices unter Angabe von nur einer einzigen westlichen Adresse, um den tatsächlichen Standort des Unternehmens zu verschleiern.

Eine weitere Option ist die Verwendung irrtümlicher Bezeichnungen im Namen des Journals, wie „American“, „British“ oder „European“, die aber nichts mit dem Verleger oder dem Editorial Board zu tun haben. Diese Strategie wendet beispielsweise das British Journal of Medicine & Medical Research von SCIENCE DOMAIN international an.

Um die geringe Qualität der publizierten Studien zu kaschieren werden zudem eigene Impact Faktoren auf fragwürdiger Basis angegeben, die aber nicht vergleichbar sind mit Thomson-Reuters. So haben beispeilsweise Impact Faktoren auf Basis von Google Scholar keinerlei Aussagekraft über die Qualität des Journals.

Welcher Schaden entsteht für die dort Publizierenden?

Wenn eine wissenschaftliche Arbeit in einem fragwürdigen Umfeld mit schlechter oder gar “Fake-Science” publiziert wird, ist sowohl der Name der mitwirkenden Autorinnen und Autoren als auch der Name der Klinik oder Universität dauerhaft mit diesem Raubverleger verbunden und kann unter anderem zu Werbezwecken missbraucht werden. Dies kann wiederum negative Folgen für die eigene Karriere bedeuten.

Es gibt außerdem keine Garantie, dass die eigene Veröffentlichung dauerhaft auffindbar und verfügbar ist. Außerdem können die Paper nicht in renommierten Datenbanken gefunden werden, da Beiträge von Raubverlegern identifiziert und aktiv aus diesen Datenbanken herausgefiltert werden.

Zudem kann die Veröffentlichung oft nur gegen hohe Gebühren zurückgezogen werden. Darüber hinaus werden Gelder und Drittmittel verschwendet – in diesem Kontext ist sogar eine Strafbarkeit der Autorinnen und Autoren nicht ausgeschlossen.

  1. DIVI20Virtuell Symposium „Fake Journals und Urheberrechtsverletzungen“ von Peter Hornung, Virtueller Raum 14  (03.12.2020)

Bildquelle: © Getty Images / pinkomelet

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