03. April 2019

Der Tod in der Klinik: Erfahrungen mit sterbenden Patienten

Über die Hälfte der Todesfälle in Großbritannien ereignen sich in Kliniken. Eine Umfrage unter Klinikärzten hat deren Erfahrungen mit sterbenden Patienten untersucht.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel im Journal of the Royal College of Physicians of Edinburgh, den Christoph Renninger für Sie zusammengefasst hat.1

Fast jeder Arzt hat Patienten verloren

Von den 127 befragten Ärzten einer Akutklinik in Schottland hatten in den vergangenen zwölf Monaten nur acht keinen Umgang mit sterbenden Patienten. 20% hatten mit 2-5 Todesfällen zu tun, 17% betreuten 6-10 sterbende Patienten und die Mehrheit von 55% war bei mehr als zehn verstorbenen Patienten involviert.

Zu den Facharztgruppen, die am häufigsten mit mehr als zehn Todesfälle konfrontiert waren, zählten Allgemeinmediziner, Notfallmediziner, Anästhesisten und Intensivmediziner.

Der Todesfall eines Patienten, der am stärksten im Gedächtnis blieb, war bei 69% der Ärzte ein erwartbarer Tod, bei 23% verstarb der Patient unerwartet. Den Patienten, an dessen Tod sie sich am stärksten erinnern, hatten 8% der Ärzte weniger als eine Stunde gekannt, 29% waren etwa einen Tag mit ihm vertraut und 19% hatten den Patienten über Monate begleitet.

Gespräche über den Tod eine Herausforderung

Fast jeder zweite befragte Arzt empfindet es als schwierig mit Patienten über den Tod zu sprechen. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Ärzten mit mehr oder weniger Arbeitserfahrung (p=0,203).

Ebenso gab ein Drittel an, dass es eine Herausforderung ist mit Hinterbliebenen zu sprechen. Hier konnte jedoch gezeigt werden, dass die Schwierigkeiten mit längerer Tätigkeit als Arzt abnimmt (p=0,036).

Als besondere Herausforderungen beim Umgang mit sterbenden Patienten wurden vor allem die Entscheidung über den Beginn oder das Beenden künstlicher Ernährung und das Aufrechterhalten der kardio-pulmonalen Reanimation genannt.

Unterstützung von Kollegen, Freunden und Familie

Vor allem folgende Situationen empfanden die Ärzte als besonders schwierig und sie wünschten sich Unterstützung:

  • Todesfälle von Kindern und Jugendlichen,
  • Todesfälle von Elternteilen mit kleinen Kindern,
  • Unfall- oder Gewaltopfer.

Fast die Hälfte der Ärzte (47%) gab an keine adäquate Unterstützung in der Situation nach dem Tod eines Patienten erhalten zu haben. In dieser Gruppe waren 43% Ärzte mit mindestens 15 Jahren Berufserfahrung.

Bei der Frage, von wem sie Unterstützung erhielten, gaben die Kliniker am häufigsten Kollegen, Familie, Freunde und Pflegepersonal an. Außerdem wurden Klinikgeistliche, Mitarbeiter der Palliativstation und von einem Kollegen sein Hund genannt.

Demographische Informationen

Ein schriftlicher Fragebogen wurde an 306 Ärzte des Royal Alexandra Hospotal in Paisley, Schottland, verschickt. Davon antworteten 127 Kliniker. Am häufigsten waren Allgemeinmediziner (25,2%), Notfallmediziner (20,5%) und Allgemeinchirurgen (14,2%).

Die am stärksten vertretenen Altersgruppen waren >50 Jahre (22,2%), 25-29 Jahre (21,4%) und 40-50 Jahre (21,4%). Knapp die Hälfte der Befragten (44,4%) hatte mehr als 15 Jahre Berufserfahrung. Über das Geschlecht oder die Position in der Klinik wurden keine Angaben gemacht.

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  1. Gray D et al. Hospital doctors´ experiences of caring for dying patients. J R Coll Physicians Edinb 2018; 48: 299-303.

Bildquelle: © istock.com/sudok1

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