17. März 2020

Corona-Pandemie

Website zur deutschlandweiten Abfrage freier Beatmungsplätze gestartet

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben heute das DIVI Intensivregister freigeschaltet – eine Website, über die freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Online-Register ab sofort live

„Die Möglichkeiten einer maschinellen Beatmung von COVID-19 Patienten hat sich in schwer betroffenen Ländern wie China und Italien als das Nadelöhr in der aktuellen Pandemiesituation gezeigt“, erklärt Professor Christian Karagiannidis, Sprecher der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ und Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim. „So haben wir zur Vernetzung der Krankenhäuser und ihrer Intensivstationen jetzt ein System entwickelt, um deutschlandweit die Kapazitäten auf den Intensivstationen tagesaktuell darzustellen.“

Ab sofort sollen unter www.divi.de/intensivregister erstmals mehr als 1.000 Kliniken aus ganz Deutschland zentral erfasst – und öffentlich einsehbar – sein.

Über die Online-Plattform des DIVI Intensivregisters können Intensivmediziner aller Kliniken in Deutschland unkompliziert Kapazitäten abfragen. Das Register setzt darauf, dass alle Krankenhäuser tagesaktuell ihre Daten in einem geschlossenen Bereich der Datenbank selbstständig einpflegen, um auf dieser Basis eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der COVID-19-Patienten sicherzustellen.

Entsprechend schreibt heute auch die DKG alle Klinikleiter an, um zu einer Zusammenarbeit aufzurufen. Denn auch Dr. Gerald Gaß, Präsident der DKG, ist der Überzeugung: „Durch die neue Plattform werden wir die Versorgungssituation sicherlich verbessern können und hoffen, mögliche Engpässe zu verhindern.“

Die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe wird steigen

„Die weltweite Verbreitung des neuen Coronavirus stellt auch uns in Deutschland vor eine neue Herausforderung,“ sagt Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Institutes. „In den Krankenhäusern ist mit einem steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen zu rechnen. Deshalb ist es wichtig, dass die DIVI und die DKG unterstützt durch das RKI die Kapazitäten der Intensivbetten digital erfassen und so eine bessere Koordinierung ermöglichen. Ich bitte dringend alle Krankenhäuser, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Sie wird helfen, Leben zu retten.“

Beatmungspflichtige Patienten unkompliziert behandelnden Klinik zuweisen

„Es ist unser Ziel, in der aktuellen Situation vorhandene Beatmungskapazitäten effizient zu nutzen, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Abläufe in der Versorgung von Intensivpatienten insgesamt deutlich zu verbessern“, sagt Professor Steffen Weber-Carstens, Sprecher des deutschen ARDS-Netzwerks der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ sowie Sprecher des ARDS-ECMO Centrums an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Wir müssen Betroffene deutschlandweit schneller und unkompliziert einer behandelnden Klinik zuweisen können.“

Einfaches System

Ein einfaches Ampelsystem, angezeigt in Tabellenfunktion, macht die Abfrage von Kapazitäten intuitiv und einfach. Unterschieden wird zwischen freien Kapazitäten von low-care (geringer Betreuungsbedarf), high-care (schwer Kranke) und ECMO (für schwerstkranke Beatmungspatienten). Je nach Fragestellung stehen weitere Filterfunktionen zur Verfügung.

Beratungsfunktion inbegriffen

„Ganz wichtig ist auch die Beratungsfunktion des Registers“, erklärt Menk. Kliniken mit viel Erfahrung in der Beatmung von Patienten sind zusätzlich gekennzeichnet. Die Idee dahinter: „Kollegen, die akute Fragestellungen haben, gerade aus den kleineren Kliniken, die seltener beatmungspflichtige Patienten behandeln, können jetzt mit wenigen Klicks sehen, an welche größere Klinik sie sich telefonisch wenden können.“ Telefonnummer und Ansprechpartner sind in einem zweiten Teil des Registers hinterlegt, für den sich die Kliniken aber erst einloggen müssen.

Jetzt setzen alle Beteiligte auf den Schulterschluss sämtlicher Kliniken in Deutschland. Das DIVI Intensivregister wurde in nur 14 Tagen programmiert. Es darf, muss und soll binnen 14 Stunden von 85 Kliniken auf 1.000 komplettiert werden.

  1. Pressemitteilung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, 17.03.2020

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