08. April 2020

Heinsberg

Symptome und Verlauf bei 50 hospitalisierten stationären Patienten

Im Landkreis Heinsberg kam es im Februar 2020 zu einem ersten Ausbruch von COVID-19. Viele der schwerer betroffenen Patienten wurden in der Uniklinik Aachen aufgenommen. Die ersten 50 dieser Fälle wurden jetzt von Prof. Dr. Michael Dreher von der Klinik für Pneumologie und Internistische Intensivmedizin und seinen Kollegen ausgewertet, um die Charakteristik der Erkrankung besser zu erfassen.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Nach den bisher veröffentlichten Daten aus China liegt die Mortalität von COVID-10 zwischen 0,3 und 3 %, wobei ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufweisen. Die klinische Manifestation ist sehr variabel. Ein Teil der Patienten hat gar keine oder nur sehr geringfügige Symptome, andere erkranken schwer bis hin zu einem schweren Lungenversagen („acute respiratory distress syndrome“, ARDS) und Tod.

Die vorgestellte Fallserie umfasste 50 stationäre Patienten mit COVID-19 (34 % Frauen) zwischen 58 und 76 Jahren (im Mittel 65). 24 Patienten mussten aufgrund eines ARDS intubiert und auf der Intensivstation beatmet werden – 26 spontan atmende Patienten waren auf einer Isolierstation außerhalb der Intensivstation untergebracht und benötigten aber alle Sauerstoff.

Kein Patient ohne Komorbiditäten

Ausnahmslos alle Patienten wiesen Komorbiditäten auf, u.a.:

  • 70 % arterielle Hypertonie
  • 34 % Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2)
  • 28 % Übergewicht (BMI ≥ 25 aber < 30 kg/m2)
  • 58 % Diabetes, 26 % Prädiabetes
  • 50 % respiratorische Vorerkrankungen (u.a. 22 % COPD, 14 % obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, 12 % Asthma
  • 20 % chronische Niereninsuffizienz
  • 14 % Tumorerkrankungen

Patienten mit ARDS hatten im Vergleich zu denen ohne ARDS häufiger respiratorische Vorerkrankungen (58 vs. 39 %) und waren häufiger übergewichtig oder adipös (83 vs. 42 %). Keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zeigten sich in Bezug auf die Vormedikation, Alter, Diabetes oder arterielle Hypertonie. Insgesamt nahmen 58 % der Patienten ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker ein.

Führende initiale Symptome bei den Patienten waren Fieber, Husten und Dyspnoe. Im Mittel dauerte es vier Tage vom Beginn der Symptomatik bis zur stationären Aufnahme.

Sieben Todesfälle

Zum Zeitpunkt der Datenerhebung waren die Patienten im Mittel acht Tage hospitalisiert. Acht Patienten – alle aus der Non-ARDS-Gruppe – konnten nach im Mittel sieben Tagen wieder entlassen werden. Drei Patienten mit ARDS verstarben an Multiorganversagen, vier Patienten  in der Non-ARDS-Gruppe an respiratorischer Insuffizienz. Hier war auf Wunsch der Patienten / Angehörigen auf die intensivmedizinische Behandlung verzichtet worden.

Von den Patienten mit ARDS benötigten 71 % eine komplexe Beatmungstherapie mit Bauchlagerung, 46 % eine Hämodialyse bei akutem Nierenversagen und 33 % eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). 83 % erhielten Antibiotika. Eine pulmonale bakterielle Superinfektion trat aber eher selten auf (3 Patienten mit und einer ohne ARDS)

Länger Fieber und höhere Entzündungsparameter bei ARDS

Beim Vergleich zwischen ARDS- und Non-ARDS-Patienten zeigten sich einige Unterschiede. Im Mittel war die Körpertemperatur bei ARDS-Patienten etwas höher (38,5 vs. 37,9°C) und das Fieber dauerte länger an (19 vs. 7 Tage). Außerdem hatten die ARDS-Patienten im Vergleich zu der nicht beatmeten sauerstoffpflichtigen Gruppe persistierend höhere Werte für Leukozyten, CRP, IL-6, LFH und Kreatinkinase. Unterschiede in der Viruslast waren dabei nicht nachweisbar. Es wurde aber auch deutlich, dass Patienten ohne ARDS in der Regel eine längere Hospitalisierung mit Sauerstoffgabe benötigen.

Die Ergebnisse – insbesondere wenn sie sich in größeren Kollektiven bestätigen – könnten in Zukunft bei der Risikostratefizierung und der Einschätzung des zu erwartenden klinischen Verlaufs helfen, schreiben die Autoren.

  1. Michael Dreher et al; Charakteristik von 50 hospitalisierten COVID-19-Patienten mit und ohne ARDS; Deutsches Ärzteblatt (2020); 117(16): 271-8; DOI: 10.3238/arztebl.2020.0271

Bildquelle: © gettyImages/baytunc

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