11. März 2020

Covid-19

3 Risikofaktoren für tödlichen Verlauf

Das klinische Spektrum von Covid-19 reicht von asymptomatischen und milden Verläufen bis zum tödlichen Ausgang. Forscher haben nun 3 Hinweise auf die Prognose identifiziert: neben dem Alter sind dies der SOFA-Index (Sequential Organ Failure Assessment) und die D-Dimerkonzentration.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag beruht auf einer Publikation in The Lancet.1 Redaktion: Christoph Renninger

Erstmals Risikofaktoren identifiziert

In der retrospektiven Kohortenanalyse von 191 Patienten in 2 chinesischen Krankenhäusern wurden Faktoren analysiert, die mit einer schweren Symptomatik und tödlichem Ausgang von Covid-19 assoziiert waren. 54 der Patienten in der Studie verstarben in der Klinik, die anderen 137 konnten entlassen werden.

Die Patienten waren mittleren Alters (Median: 56 Jahre), mehrheitlich männlich (62%) und knapp die Hälfte litt unter einer chronischen Krankheit (49%), am häufigsten Bluthochdruck (30%) und Diabetes mellitus (19%). Zwischen Krankheitsbeginn und Tod lagen durchschnittlich 18,5 Tage, bis zur Entlassung 22 Tage.

Im Vergleich mit den Überlebenden waren die verstorbenen Patienten älter (Durchschnittsalter 69 Jahre vs. 52 Jahre), hatten einen höheren Wert beim SOFA-Index, einem Test von 6 Organfunktionen, der auf eine Sepsis hinweist, (4,5 vs. 1) und erhöhte Blutwerte von D-Dimeren bei der Einweisung in die Klinik (5,2 µg/l vs. 0,6 µg/l).

Außerdem kamen bestimmte Laborparameter bei fatalen Krankheitsverläufen häufiger vor:

  • Lymphopenie
  • erhöhte Interleukin-6-Werte
  • erhöhte Troponin I-Werte

Sepsis und respiratorische Insuffizienz

Bei allen verstorbenen Patienten kam es zu einer Sepsis (42% der gesund entlassenen Patienten), bei fast allen zu Atemversagen (98% vs. 36%), ebenso kam es häufiger zu sekundären Infektionen (50% vs. 1%). 38 der verstorbenenen Patienten hatten einen septischen Schock (70% vs. 0%), 28 eine Herzinsuffizienz (52% vs. 12%) und bei 50% der Verstorbenen kam es zu einer Koagulopathie (50% vs. 7%).

Fieber trat mit einer medianen Dauer von 12 Tagen bei verstorbenen und genesenen Patienten auf. Die Atemnot ließ bei gesund entlassenen Patienten nach etwa 13 Tagen nach, bei den Verstorbenen bestand diese bis zum Tod. Bei den Überlebenden bestand zu 45% bei der Entlassung noch Husten.

181 der Patienten erhielten Antibiotika, 41 wurden antiviral behandelt (Lopinavir/Ritonavir). Eine nicht-invasive Beatmung war bei 24 der verstorbenen Patienten notwendig, bei 31 eine invasive Beatmung. Bei den Überlebenden war dies nur in 2 bzw. 1 Fall notwendig. Eine ECMO wurde bei 3 der später verstorbenen Patienten durchgeführt und 10 erhielten eine Nierenersatztherapie. Diese Eingriffe waren bei den überlebenden Patienten nicht notwendig.

Neue Daten zur Virusausscheidung

Die Forscher erhoben zudem Daten zur Virusauscheidung und stellten dabei fest, dass diese bei den Überlebenden im Median bei 20 Tagen (8 bis 37 Tage) lag, bei den 54 Todesfällen war das Virus bis zum Tod nachweisbar. Die Autoren geben jedoch zu Bedenken, dass sich alle Patienten der Studie in der Klinik befanden und zwei Drittel von ihnen eine schwere oder kritische Erkrankung hatten.

Prof. Bin Cao, Erstautor der Studie, führt aus, dass die verlängerte Virusausscheidung auch Implikationen für die Handlungsempfehlungen bezüglich der Quarantäne von Covid-19-Patienten haben könne. Er betont jedoch, dass die Maßnahmen für Personen, die möglicherweise Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten, aber keine Symptome zeigen, von der Inkubationszeit abhängen.2

Cao fasst zusammen: „Wir empfehlen, dass negative Tests für SARS-CoV-2 vorliegen müssen, bevor Patienten aus der Klinik entlassen werden. Bei schweren Krankheitsfällen von Influenza hat sich gezeigt, dass eine verzögerte Behandlung die Ausscheidungszeit des Virus verlängert. Diese Faktoren können das Risiko zu versterben für infizierte Patienten erhöhen. Eine effektive antivirale Therapie kann möglicherweise den Ausgang von Covid-19 verbessern. Allerdings sahen wir in unserer Studie keine Verkürzung der Virusausscheidung durch die Behandlung.“

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