19. März 2020

Covid-19

Wirkstoffe in ersten klinischen Studien

Um der weltweiten Ausbreitung von SARS-CoV-2-Infektionen entgegenzuwirken, wird fieberhaft auch nach therapeutischen Ansätzen zur Beherrschung der Virusinfektion gesucht. Erste klinische Studien mit verschiedenen Wirkstoffen sind bereits angelaufen.

Lesedauer: 3 Minuten

Prof. Dr. Rolf Stahlmann und Prof. Dr. Hartmut Lode haben bei Pubmed und klinischen Studien nach möglichen Ansätzen für therapeutische Strategien gesucht und ihre Ergebnisse in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.1 Autorin: Maria Weiß

Zelleintritt verhindern – ACE2 als möglicher Ansatzpunkt

Eine mögliche Zielstruktur zur Bekämpfung von Covid-19 ist das Angiotensin-konvertierende Enzym 2 (ACE2) – dem Gegenspieler des aus der Hochdrucktherapie bekannten ACE. Von den SARS-Viren war bereits bekannt, dass sie ACE2 als Eintrittspforte in die Zellen der Lunge nutzen, indem sie mit den Spikes der Virushülle hier andocken. Es konnte gezeigt werden, dass auch SARS-CoV-2-Viren ACE2 als Rezeptor nutzen. Darüber hinaus wird noch eine Serin-Protease (TMPRSS2 für transmembrane protease serine 2) in den Wirtzellen benötigt, um eine Fusion von Virus und Zelle zu ermöglichen.

Peptide oder kleinmolekulare Substanzen, die ACE2 oder TMPRSS2 ausbremsen, könnten somit mögliche Kandidaten für die Prophylaxe oder Therapie von Covid-19 sein. Verschiedene Ansätze sind hier bereits vorhanden. So gibt es einen Hemmstoff von TMPRSS2 (Camostat), der in Japan bereits zur Behandlung der chronischen Pankreatitis zugelassen ist. Klinische Studien bei Covid-19 stehen aber noch aus. Auch rekombinant gewonnenes lösliches ACE2, das an das Virus bindet, bevor es an die Lungenzellen andockt, könnte die Ausbreitung verlangsamen und wird bereits in klinischen Studien untersucht. Auch Antikörper gegen ACE2 sind denkbar.

Untersucht wird in klinischen Studien auch das Malariamittel Chloroquin, das nach vorläufigen Ergebnissen die terminale Glykosylierung von ACE2 verhindert und zudem den pH-Wert in den ebenfalls an der Virusaufnahme beteiligten Endosomen erhöht.

Auf antivirale Wirkstoffe zurückgreifen

Auch die Suche nach einer spezifischen antiviralen Therapie ist bereits angelaufen. Insgesamt 84 klinische Studien untersuchen verschiedene Wirkstoffe, wobei hier zum Teil auch auf Erfahrenen bei der SARS-Epidemie 2002/2003 zurückgegriffen wird. Hier wurde z.B. das u.a. auch bei chronischer Hepatitis A eingesetzte Nukleosid-Analogon Ribaverin (in Kombination mit Glukokortikoiden) eingesetzt. Klinische Besserungen wurden beobachtet, es gab aber keine Kontrollgruppe, sodass es sich auch um Spontanheilungen gehandelt haben kann. Ähnliches wird über die antiretroviralen HIV-Medikamente Lopinavir und Nelfinavir berichtet.

Auch bei der jetzigen Epidemie hat man in einzelnen Fällen auch schon Therapien mit HIV-Medikamenten versucht. In Singapur wurde z.B. bei fünf Patienten nach klinischer Verschlechterung Lopinavir mit Ritonavir als Booster eingesetzt, was bei drei Patienten zu einer klinischen Besserung führte. Nach einer Untersuchung der Kombination bei 41 Patienten in Wuhan, konnte die Virusausscheidung jedoch nicht reduziert werden.

Klinische Studien mit Remdesivir

Auch veröffentlicht wurde die erfolgreiche Behandlung eines Patienten mit dem noch nicht zugelassen Nukleosid-Analogon Remdesivir – hier wurden im Februar 2020 bereits umfangreiche klinische Studien initiiert. Der Wirkstoff zeigte auch in In-vitro-Experimenten eine relativ hohe Hemmwirkung gegen SARS-CoV-2. Remdesivir wurde als Wirkstoff gegen Ebola-Infektionen entwickelt, die Wirksamkeit beim Menschen war hier aber schwach. Auch Nitazozamid – ein Wirkstoff gegen Protozoen-Infektionen – zeigte eine relativ hohe In-vitro-Aktivität.

Impfstoffentwicklung angelaufen

Ebenfalls auf Hochtouren läuft parallel die Impfstoffentwicklung. Besonders die Spike(S)-Proteine der Virushülle bieten sich hier als mögliches Impfantigen an, da es entscheidend an der Ausbreitung beteiligt ist. Verschiedene Impfstoffe sind in der Entwicklung – bis zur klinischen Anwendbarkeit wird es aber nach Einschätzung der Autoren noch etwas dauern.

Das Fazit der Experten: Keine der genannten Arzneimittel ist bisher zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Auch in der jetzigen Pandemie-Situation müssen die neuen Wirkstoffe erst in klinischen Studien ihre Wirksamkeit und Sicherheit unter Beweis stellen. Bis dahin muss weiter alles darangesetzt werden, die Ausbreitung von Covid-19 mit den jetzigen Maßnahmen so gut wie möglich zu verhindern.

Umfrage zur aktuellen Covid-19-Situation

  1. Stahlmann R et al. Therapie von COVID-19 – erste klinische Studien mit verschiedenen Wirkstoffen. Deutsches Ärzteblatt 2020; 117(13): 213-219.

Bildquelle: © Getty Images/utah778

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