13. Juni 2019

Wie ein Comic besser auf eine OP vorbereitet

Oftmals fühlen sich die Betroffenen vor einer OP aufgrund der Komplexität der Inhalte eher überfordert als gut informiert. Ärzte der Charité haben nun Comics entwickelt, die die Aufklärung unterstützen können.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Die ärztliche Aufklärung soll Patienten bei der selbstbestimmten Entscheidung für oder gegen eine Behandlung unterstützen. Doch insbesondere bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit habe sich beispielsweise gezeigt, dass sie das Grundprinzip einer anstehenden Herzkatheteruntersuchung trotz Aufklärung oft nicht vollständig erfassen können und somit den Nutzen dieser Maßnahme falsch einschätzen, so die Beobachtung von Medizinern der Charité.

„Nach dem Grundsatz ‚Ein Bild sagt mehr als tausend Worte‘ wollten wir diesen Patientinnen und Patienten mithilfe einer bildlichen Darstellung das Begreifen der Aufklärungsinhalte erleichtern“, erklärt Prof.Dr. Verena Stangl von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie am Campus Charité Mitte. Zusammen mit Kollegin Dr. Anna Brand hat sie die Studie geleitet. Die beiden Kardiologinnen entwickelten ein 15-seitiges Comic, das den häufigsten Eingriff in der Kardiologie veranschaulicht: die Herzkatheteruntersuchung und eine sich gegebenenfalls anschließende Implantation eine Stents. „Wie wir in unserer Pilotstudie jetzt zeigen konnten, eignet sich dieses Comic tatsächlich dazu, die Betroffenen besser auf den Eingriff vorzubereiten“, freut sich Prof. Stangl.

4 Medizin-Comics zur Aufklärung

Quelle Grafiken: Brand, Gao, Hamann, Martineck, Stangl/Charité

Patienten zufriedener mit Aufklärung

Anfangs gab es auch Unsicherheiten: Würden sich gerade ältere Patienten nicht richtig ernst genommen fühlen, wenn man ihnen einen Comic in die Hand drückt? Die Rückmeldungen seien aber positiv gewesen, sagt Stangl. In einer kürzlich publizierten Studie mit Daten von rund 120 Patienten belegten ihr Team und sie einige Vorteile: Probanden, die zusätzlich auch die Bildergeschichte erhielten, hatten weniger Angst vor dem Eingriff und konnten mehr Fragen dazu richtig beantworten als Teilnehmer nach der Standard-Aufklärung mit Gespräch und Infobogen. Auch war die Comic-Gruppe laut der im Fachblatt “Annals of Internal Medicine” veröffentlichten Studie zufriedener mit der Aufklärung. 2

Stangl sagte, auch für andere kardiologische Eingriffe sollen nun Comics erarbeitet werden. Die Version zur Herzkatheteruntersuchung wolle die Uniklinik demnach standardmäßig einsetzen. Auch andere Kliniken hätten Interesse signalisiert, so die Medizinerin.

Skepsis seitens Deutscher Chirurgen

„Wenn der Patient nicht versteht, was mit ihm passiert, ist er auch nicht bereit mitzuarbeiten”, sagte Jörg-Andreas Rüggeberg vom Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Er ist aber etwas skeptisch, was Medizin-Comics im Allgemeinen anbelangt: Schriftliche Maßnahmen seien immer standardisiert, wichtiger sei es, im Gespräch auf den einzelnen Patienten einzugehen. Nach Rüggebergs Erfahrung hat die Wissbegierde von Patienten ohnehin auch Grenzen, etwa wenn es um technische Details von OPs geht. „Manche sagen, sie wollen es lieber gar nicht so genau wissen.”

“Persönliche Aufklärung ist nicht zu ersetzen”

„Wir müssen alles tun, um falsche Angespanntheit zu vermeiden, aber die persönliche Aufklärung ist nicht zu ersetzen”, sagte der Vorstandschef der Deutschen Herzstiftung, Dietrich Andresen. 3 Als Kardiologe verdeutliche er Patienten die Abläufe einer OP jedes Mal aufs Neue etwa mit Zeichnungen auf Papier und versuche auch sprachlich, sich auf sein Gegenüber einzulassen. Zum Beispiel mit Begriffen aus dessen Berufsfeld, ergänzend zur Fachsprache. Die Zeit müssten sich Ärzte auch im Klinikalltag nehmen.

1. Charité – Universitätsmedizin Berlin, 09.04.2019: Warum ein Comic Patienten besser auf eine OP vorbereitet

2. Brand A et al., Medical Graphic Narratives to Improve Patient Comprehension and Periprocedural Anxiety Before Coronary Angiography and Percutaneous Coronary Intervention: A Randomized Trial. Ann Intern Med. 2019 Apr 9. doi: 10.7326/M18-2976

3. Deutsche Presseagentur, 29.05.2019

Titelbild: © iStock.com/Eva-Katalin

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