14. August 2018

Blutarmut vor der OP: Eisen oder Epo?

Niedrige Hämoglobinwerte vor einem operativen Eingriff sind ein Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit. Im Rahmen des Patient Blood Management können Eisen, Erythropoeitin (Epo) oder beide Substanzen verabreicht werden. Doch was empfehlen die Fachgesellschaften?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Risikopatienten identifizieren und Blut anreichern

Eine präoperative Anämie kann durch chronische Blutungen, Eisenmangel, Nieren- oder Krebserkrankungen verursacht werden und erhöht das Risiko, nach einer Operation zu versterben. Um dieses Risiko zu vermindern und auch den Bedarf an Blutkonserven zu reduzieren, haben internationale Fachgesellschaften auf einer Konsensuskonferenz über das Patient Blood Management (PBM) diskutiert.2,3

Dabei kamen die Experten nach Sichtung der Studienlage zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Evidenz nicht ausreicht, um präoperative Blutarmut für Komplikationen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen verantwortlich zu machen. Doch trotz der unzureichenden Daten sollen vor einer Operation Patienten mit einer Anämie identifiziert werden.

Als Therapieoptionen zur Verbesserung der Hämoglobinwerte stehen Eisen, Epo oder Kombinationen zur Verfügung. Die Art der Behandlung hängt von mehreren Faktoren ab, wie Alter, Begleiterkrankungen, Hämoglobinwert, Dauer der Anämie und Art der Operation. Eine länger bestehende Anämie muss anders behandelt werden als eine spontan auftretende. Auch muss bei älteren Patienten unter Umständen früher eingegriffen werden.

Noch keine wissenschaftliche Grundlage zur Therapieentscheidung

Allerdings sind die Vor- und Nachteile der Präparate aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht abschließend geklärt. „Auch Eisenpräparate sind nicht gänzlich ohne Nebenwirkungen. So kann z. B. die intravenöse Eisengabe Infektionen begünstigen und Allergien hervorrufen, Erythropoeitin weist laut Angaben der Hersteller potentiell eine Reihe von Nebenwirkungen auf, so kann es z. B. auch Thrombosen begünstigen“, erklärt Prof. Dr. Erhard Seifried, Präsident der Konsensuskonferenz.

Nach der Analyse der Studienlage kamen die Konferenzteilnehmer zu dem Ergebnis, dass es nicht ausreichend hochqualitative Studien gibt, um die Frage nach der passenden Therapie bei präoperativer Anämie abschließend zu beantworten.

Einig sind sich die Experten im Bezug auf eine vorsorgliche Bluttransfusion. Bisher gibt es hierzu noch keine Studien und es kann daher keine Empfehlung ausgesprochen werden.

Problematische Definition von Anämie

Ein weiterer Diskussionspunkt auf der Konferenz war, dass ein niedriger Hämoglobinwert allein nicht ausreicht, um zu entscheiden, ob eine Therapie mit Eisen oder Epo notwendig ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird eine Änamie durch einen Hämoglobinwert von <12 g/dl bei Frauen und <13 g/dl bei Männern definiert.

„Ein Wert, der vor 50 Jahren festgelegt wurde und auf Daten von nur fünf Studien basiert – daraus können wir heute keine Schlussfolgerungen mehr ziehen“, sagt Seifried. 

  1. Blutarmut vor der OP: Wie sinnvoll sind Eisen und Epo? Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), 09.05.2018
  2. International Consensus Conference on patient blood management. 24. & 25.04. Frankfurt/Main
  3. Über Evidenz zum Konsens: Die Konsens Development Conference.

Bildquelle: © istock.com/spawns

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