03. Dezember 2018

Behandlungsfehler! Was tun?

Fehler bei Operationen oder anderen medizinischen Behandlungen können jederzeit passieren. Wie sollten sich Ärzte in solchen Fällen verhalten und wie teilt man das Problem dem Patienten mit?

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift "Journal für ästhetische Chirurgie", den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Operationsfehler häufiger als gedacht

Ein Tupfer, ein Bauchtuch oder gar ein Instrument bleiben versehentlich im Patienten zurück – der Alptraum eines jeden Operateurs. Allein in Deutschland muss man davon ausgehen, dass jedes Jahr bis zu 3000 Fremdkörper im Operationsgebiet verbleiben.2

Oft handelt es sich um Systemfehler

Wird ein solcher Fehler festgestellt, beispielsweise durch eine Infektion oder andere Komplikationen, sollte nicht ein einzelner Arzt als Schuldiger gesucht werden. Vielmehr handelt es sich oft um Systemfehler.

Um Lösungen zu finden und derartige Fehler in Zukunft zu vermeiden, können anonyme Meldesysteme (z.B. das Critical Incident Reporting-System (CIRS)) genutzt werden. Die Meldungen und darausfolgende Konsequenzen können unter den Mitarbeitern verbreitet und diskutiert werden.

Wer muss Bescheid wissen?

Im Falle eines Fehlers sollten der Vorgesetzte und die Geschäftsführung der Klinik informiert werden, gegebenenfalls auch die Rechtsabteilung. Es sollte geklärt werden, wer die Gespräche mit den Patienten und möglicherweise der Polizei und Presse führt.

Die Aufklärung von Patienten und Angehörigen sollte nach Ansicht des Medizinanwalts Johannes Jaklin "Chefsache" sein. Dabei spielt eine aktive und offene Kommunikation eine wichtige Rolle, ebenso Wertschätzung und Empathie. Keinesfalls sollte der Vorfall bagatellisiert oder gar vertuscht werden.

Keine Scheu vor dem Gespräch mit den Betroffenen

Aus Angst vor juristischen Konsequenzen oder einer Gefährdung des Versicherungsschutzes scheuen Ärzte oftmals das Gespräch mit den betroffenen Patienten. Die Gefahr, versehentlich eine juristisch verbindliche Anerkenntnis abzugeben, ist gering. Die Tatsachen darzustellen und die medizinischen Hintergründe zu erläutern, fällt nicht darunter. Es müsste ein direktes Schuldeingeständnis und eine Verpflichtung auf Schadensersatz erfolgen.

Das berüchtigte "Anerkenntnisverbot" existiert nicht mehr, eine Zustimmung des Versicherers ist bei der Anerkennung eines Haftpflichtanspruch nicht mehr notwendig.

Der Jurist betont, dass Reden von größter Bedeutung sei. Denn wenn ein Patient sich ernstgenommen fühlt und nicht vom Arzt abgewiesen wird, ist es unwahrscheinlicher, dass er den Weg über Gerichte sucht. Auch für den Arzt kann ein klärendes Gespräch befreiend sein, da ein schwerwiegender Fehler eine enorme psychische Belastung darstellt.

Instragram, medicaltalks
Instragram, medicaltalks

Die Folgen eines Behandlungsfehlers können jedoch auch erst spät festgestellt werden. So in diesem Fall einer OP-Klemme, die nach der Operation versehentlich im Patienten blieb und erst 37 Jahre später zufällig entdeckt wurde. Erfahren Sie mehr über den Fall "OP-Klemme 37 Jahre im Körper".3

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  1. Oberhofer E. Operationsfehler: Wie sag ich´s dem Patienten? J Ästhet Chir 2018; 11: 158-159.
  2. Siebert H. Unbeabsichtigt vergessene Fremdkörper im Operationsgebiet. Rechtsmedizin 2015; 25(3): 194-200.
  3. OP-Klemme 37 Jahre im Körper. coliquio, 03.10.2018

Bildquelle: © istock.com/LukaszPanek (Symbolbild)

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