17. März 2021

Erfolgschancen alternativer Reanimationsverfahren

Präkordialer Faustschlag, Percussion-Stimulation & Husten-Technik: Eine systematische Übersichtsarbeit hat erstmals den Nutzen dreier alternativer Reanimationsverfahren bei Herzstillstand untersucht.

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling

Drei alternative Reanimationsverfahren untersucht

Als Alternativen zur klassischen kardiopulmonalen Reanimation (CPR) mit Herzdruckmassage werden der präkordiale Faustschlag, die Percussion-Stimulation und die Husten-Technik beschrieben. Dee et al. haben in einer systematischen Übersichtsarbeit untersucht, ob diese Techniken die klinische Prognose von Patienten nach einem Herzstillstand im Vergleich zur klassischen CPR verbessern können. Die Autoren haben dafür 23 Studien in ihre Untersuchungen eingeschlossen. Vier Studien befassten sich mit der Husten-Technik, vier mit der Percussion-Stimulation und 16 mit dem präkordialen Schlag. Eine Studie untersuchte dabei zwei Techniken. Insgesamt konnten nur zwei Studien (beide zum präkordialen Schlag) eine Vergleichsgruppe (standardisierte Herz-Lungen-Wiederbelebung) aufweisen. Des Weiteren gaben Autoren an, dass ein Großteil der untersuchten Studien nicht aktuell und die Wahrscheinlichkeit eines Publikationsbias hoch ist.

Der präkordiale Schlag: Erhöhtes Risiko für Patienten?

Ein einzelner feste Schlag mit der Faust aus etwa 20 cm Entfernung auf den unteren Teil des Brustbeins soll bei einem Patienten mit Reentry-Tachykardie das Herz wieder in einen regelmäßig schlagenden Rhythmus versetzen. Durch die mechanische Kraft des Schlages sollen die durch Dehnung aktivierbaren Ionenkanäle im Myokard direkt stimuliert werden und einen elektrischen Impuls erzeugen. Die Studienergebnisse deuten jedoch daraufhin, dass der präkordiale Schlag bei einem Herzstillstand die klinische Prognose im Vergleich zur CPR nicht verbessert. Darüber hinaus werden Einzelfälle beschrieben, in denen sich durch den Schlag das Rhythmusbild verschlechtert hat. Die Autoren halten es daher für vernünftig, den präkordialen Schlag zu unterlassen.

Percussion-Stimulation: Wie effektiv ist die Trommeltechnik?

Weniger kraftvoll als der präkordiale Schlag, dafür aber mit rhythmischen Wiederholungen wirkt die Percussion-Stimulation mechanisch auf den linken Rand des Sternums ein. Ziel ist es, mit jedem Schlag einen elektrischen Komplex auszulösen. Die untersuchten Studien beschränkten sich auf Fallserien von Patienten mit Asystolie oder extremer Bradyarrhythmie. Die Autoren weisen darauf hin, dass keine der herangezogenen Studien die Percussion-Stimulation mit einer Standard-CPR vergleicht. Wenn ein Patient zu Beginn der Arrhythmie überwacht wird, gibt es Hinweise darauf, dass eine sehr schnell eingesetzte Percussion-Stimulation die Herzleistung aufrecht erhalten kann. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass diese Methode besser ist als die Einleitung einer Herzdruckmassage.
Die Autoren beschreiben die verfügbare Evidenz insgesamt als zu gering, um Aussagen über das klinische Outcome der Patienten zu treffen.

Wachheit während einer Reanimation: Am Frankfurter Flughafen kollabiert ein 49-Jähriger. Die Reanimation kann schnell beginnen. Allerdings ist der Mann dabei zunächst bei Bewusstsein. Dies führt zur Frage nach dem Selbstverständnis einer generellen Sedierung von Patienten während einer Reanimation. Zum Beitrag >>

Husten-Technik: Letzte Rettung vor dem Zusammenbruch?

Kräftiges und rhythmisches Husten nach einem tiefen Atemzug soll – wie es die „Husten-Reanimation“ vorsieht – den Herzrhythmus stabilisieren, wenn eine Person kurz vor dem Zusammenbruch steht. Durch die Technik soll der Druck in der Aorta, dem linken Vorhof und der linken Ventrikelkammer erhöht werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Patient den Beginn einer Arrhythmie erkennt und reagiert, bevor er das Bewusstsein verliert. Berichte in sozialen Medien, die die Methode anpreisen, verwechseln den Autoren zufolge allerdings hierbei die Begriffe Herzstillstand und Herzinfarkt. Der korrektere Begriff für das Verfahren wäre demnach eine „Husten-Stimulation“.

Deel et al. fanden keine Hinweise darauf, dass die Husten-Technik die klinische Prognose verbessert. Es erscheint unwahrscheinlich, dass ungeschulte Patienten einen Herzstillstand erkennen und das Husten rechtzeitig einleiten. Bei stationär überwachten Patienten hingegen kann die Technik bei Beginn einer Arrhythmie in Betracht gezogen werden, wenn andere Maßnahmen, wie Thoraxkompression und Defibrillation, dadurch nicht verzögert werden.

Fazit: Kardiopulmonale Reanimation am wirksamsten

Die Autoren fanden in ihren Untersuchungen keine Hinweise dafür, dass die vorgestellten Methoden die Prognose von Patienten mit außerklinischem Herzstillstand verbessern. Die klassische kardiopulmonale Reanimation sollte sowohl von medizinischem Personal als auch von Laien immer priorisiert werden, um keine wertvolle Zeit durch den Einsatz anderer Techniken verstreichen zu lassen. Im stationär überwachten Setting kann die Hustentechnik oder die Percussion-Stimulation bei Auftreten einer Arrhythmie versucht werden, wenn die Standard-Reanimationsmaßnahmen dadurch nicht verzögert werden.

1. Schmidt, Joana: Drei Mythen über Reanimation bei Herzstillstand. Springer Medizin;
2. Dee R et al. The effect of alternative methods of cardiopulmonary resuscitation – cough CPR, percussion pacing or precordial thump – on outcomes following cardiac arrest. A systematic review. Resuscitation 2021; https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2021.01.027

Titelbild: © Getty Images/PeopleImages

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