07. Dezember 2015

Ärzte und Schwestern versagen beim Infektionsschutz

Ärzte und Schwestern versagen beim Infektionsschutz Beim An- und Ablegen von Schutzhandschuhen und -kitteln kontaminiert sich jeder zweite Klinikmitarbeiter. Dies lässt sich durch ein gezieltes Training vermeiden.

Dieser Beitrag von Thomas Müller erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf Springer Medizin – AINS.

Spätestens seit dem Ebola-Ausbruch in Westafrika dürfte klar geworden sein, dass auch die beste Schutzkleidung nichts nützt, wenn man sie nicht richtig an- und auszieht. Durch Fehler beim An- und Auskleiden haben sich offenbar einige hundert Ärzte und Helfer während der Epidemie infiziert und den Tod geholt.

Infektiologen aus vier Kliniken in Cleveland haben dies zum Anlass genommen, in ihren Krankenhäusern die Sicherheit beim Umgang mit Schutzkleidung zu prüfen. Das Ergebnis ist überraschend: Nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter schaffte es, einen Handschuh sauber an- und abzuziehen. Nach einem ausführlichen Training misslang dies nur noch jedem Sechsten.

Ärzte um Dr. Myreen Tomas haben in einem Vorexperiment zunächst 50 Klinikmitarbeiter gebeten, sich Handschuhe anzuziehen und eine Lösung mit Fluoreszenzfarbstoff und Bakteriophagen zwischen den Händen zu verreiben. Anschließend sollten sie in gewohn­ter Weise die Handschuhe ausziehen. Kontakt mit der Fluoreszenzlösung wurde per UV-Licht nachgewiesen. Um den Phagen auf die Spur zu kommen, tupften die Ärzte Hände und Handgelenke mit einem Gaze-Tuch ab und analysierten dies mikrobiologisch. Bei 58% der Testpersonen konnten sie anschließend eine Kontamination mit der Lösung, bei 52% mit den Phagen nachweisen. Da der Unterschied nicht signifikant war, aber der Nachweis einer Kontamination mit der Lösung wesentlich einfacher gelingt, verwendeten sie für das eigentliche Experiment nur die Lösung.

Schutzanzug über den Kopf gezogen

Für dieses durften dann Mitarbeiter der vier Kliniken während 435 Tests Handschuhe und Schutzanzüge mit der Fluoreszenzlösung einschmieren. 57% der Versuche absolvierten Krankenschwestern, 17% Ärzte, die übrigen stammten vom restlichen Gesundheits­personal. Die Studienautoren prüften bei den Tests anhand eines Protokolls der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), ob die Probanden beim An- und Ablegen der Schutzkleidung Fehler machten.

Wie sich herausstellte, leuchteten bei 53% der Personen nach dem Ablegen der Hand­schuhe Spuren des Testmittels am Körper auf, bei 38% war dies nach dem Ablegen des Schutzanzugs der Fall. Diese Raten waren bei den Mitarbeitern in allen vier Kliniken ähnlich hoch, wobei die Krankenschwestern am besten und die Ärzte am schlechtesten abschnitten. Fehler nach dem CDC-Protokoll wurden bei 40% der Simulationen beo­bachtet. Am häufigsten bedeckten dabei die Handschuhe nicht das Handgelenk (117-mal), 44-mal wurde der Schutzanzug über den Kopf abgezogen, 33-mal zogen die Testpersonen die Handschuhe vor dem Schutzanzug an, 31-mal berührten sie die kontaminierte Außen­seite der Handschuhe beim Ausziehen. Passierten solche Fehler, dann trat zu 70% eine Kontamination auf, ohne derartige Fehler zu 30%.

80% der Ärzte mit Kontaminationen

In einer der vier Kliniken wurden die Mitarbeiter nun speziell geschult. Sie durften ein Video zum richtigen An- und Ablegen der Kleidung ansehen und danach unter Anleitung von geschultem Personal mithilfe der Fluoreszenzlösung so lange üben, bis sie die richtige Technik beherrschten. Vor der Schulung hatten sich 60% über die Handschuhe kontaminiert, von den Ärzten sogar 80%. Direkt nach der Schulung waren es noch 18% aller Klinikmitarbeiter, drei Monate später nur noch 12%. Und bei den Ärzten klappte es jetzt sogar genauso gut wie bei den Krankenschwestern.

  1. Thomas Müller: springermedizin.de
  2. Tomas ME et al.; JAMA Intern Med 2015, online 12. Oktober; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.4535: „Contamination of Health Care Personnel During Removal of Personal Protective Equipment“

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