13. Juli 2015

Zwei Stunden nach Extubation stehen Patienten wieder sicher

Wie lange es dauert, bis Patienten nach einem ambulanten operativen Eingriff in Vollnarkose wieder sicher auf den Beinen stehen, haben dänische Mediziner untersucht.

Dieser Beitrag von Robert Bublak erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf Springer Medizin – AINS.

Patienten nach einer Operation früh zu mobilisieren und nach Hause zu entlassen, bringt einige Vorteile mit sich. Unter anderem sinkt das Risiko für respiratorische Komplikationen, tiefe Venenthrombosen und Harnwegsinfekte. Speziell bei ambulanten Eingriffen stellt sich hier freilich die Frage, wie bald die Betreffenden wieder die nötige Standsicher­heit und Balance erreichen, um sich auf die Straße begeben zu können.

Posturografische Messungen

Ein Wissenschaftlerteam um die Anästhesistin Katrine Eskildsen von der Universitätsklinik Kopenhagen hat sich diesem Problem in einer Studie mit 25 sonst gesunden Patientinnen gewidmet, die sich einer laparoskopischen gynäkologischen Operation in Allgemeinanästhesie unterziehen mussten. Vor der Operation, 30 Minuten nach der Extubation und zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Aufwachraum wurden sie mithilfe einer Messplattform posturografisch untersucht.

Eine halbe Stunde nach der Extubation zeigten die Patientinnen noch deutliche Balancedefizite, und zwar sowohl mit geschlossenen als auch mit offenen Augen: Die Schwankfläche und die mittlere Auslenkung waren gegenüber dem Zustand vor der Operation signifikant erhöht. Bei der Entlassung aus der anästhesistischen Überwachung hatten sich die Werte wieder normalisiert, die Verhältnisse entsprachen dann wieder den vor dem Eingriff gemessenen.

Nachwirkung der Anästhesie

Eskildsen und Kollegen führen die Veränderungen in den Schwankparametern nach 30 Minuten auf Resteffekte der Allgemeinanästhesie zurück, in diesem Fall auf Nachwir­kungen von Propofol und Fentanyl. Die Halbwertszeiten betragen hier circa eine bzw. 4,5 Stunden. (Die relaxierenden Effekte des zusätzlich verabreichten Rocuroniums mussten schon vor der Extubation weitgehend abgeklungen sein [Train-of-Four > 0,9]).

Die Patientinnen konnten den Aufwachraum im Mittel rund zwei Stunden (Spanne: 81–130 Minuten) nach dem Eingriff verlassen. Voraussetzung dafür waren eine weitgehende Normalisierung von Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Temperatur, Urinproduktion, motorischer Funktion, Wachheitsgrad und der subjektiven Parameter Schmerz und Übelkeit. „Waren diese Kriterien erfüllt, ließen sich keine signifikanten Beeinträchtigungen der Haltungsstabilität mehr feststellen“, schreiben Eskildsen und ihr Team. Im Prinzip könnten die Patienten – sofern sie, wie in der Studie, relativ gesund seien – dann gefahrlos entlassen werden.

  1. Robert Bublak: springermedizin.de
  2. Eskildsen KZ et al.; Acta Anaesthesiol Scand 2015, online 1. Mai; doi: 10.1111/aas.12540 : „Impaired postural stability after laparoscopic surgery“

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