14. Januar 2018

Aus dem Kollegenkreis

Eingriffe an der Wirbelsäule: Simulator bietet Hilfe für schwierige Fälle

Bei Wirbelsäulen-Eingriffen sind manche Gelenke im Röntgenbild schlecht einsehbar und z.B. für Infiltration nur schwer zugänglich. Der Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Simon Weidert erklärt hier, wie Simulatoren bei besonders schwierigen Eingriffen helfen können. (Lesedauer: 2 Minuten)

Der folgende Beitrag wird vertreten durch Dr. med. Simon Weidert, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Redaktion: Manon Krüger. Video: Marina Urbanietz und Andrea Keller, coliquio-Redaktion.

Simulationstraining: Nicht nur für Anfänger interessant

Simulatoren sind dort am besten geeignet, wo sie den Patienten als Lernmodell ersetzen. Dabei ist das Training am Simulator nicht nur für Anfänger interessant, auch Experten können ihre Kompetenzen erweitern. Abseits des OP-Saals kann an komplexen und außergewöhnlichen Pathologien ohne Gefährdung der eigenen Gesundheit durch Röntgenstrahlung oder der des Patienten geübt werden.

Hybrid-Simulatoren kommen echten Patienten erstaunlich nahe

Besonders bei chirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule sind Trainings an Simulatoren begehrt. Dr. med. Simon Weidert mit seinem Start-up Medability entwickelt neuartige Hybrid-Simulatoren mit denen perkutane, Bildwandler-gestützte Eingriffe im Bereich der Wirbelsäule trainiert werden können. Die Simulatoren kommen dem OP-Setting sehr nahe, da nicht nur das synthetische Patientenmodell einem echten Patienten von der Haptik und dem Aussehen sehr ähnelt, sondern auch die medizinische Bildgebung realistisch nachempfunden wird.

Von Infiltrationen bis zu Kyphoplastien

Kernstück des Simulators ist eine ultrapräzise virtuelle Bildgebung, mit der in Echtzeit zwischen dem CT- und Röntgenbild und der 3D-Ansicht gewechselt werden kann. So lässt sich beispielsweise bei Infiltrationsübungen die Nadel aus verschiedenen Perspektiven in Relation zum Gelenk darstellen. Wie dies genau funktioniert, zeigt Dr. med. Weidert im folgenden 2-minütigen Video. Außerdem erfahren Sie, wo und welche Eingriffe Sie an den Simulatoren üben können.

Videodauer: ca. 2 Minuten.

Am Modell fühlen und sehen lernen

Manche Gelenke, wie das Iliosakralgelenk, sind im Röntgenbild nur schlecht einsehbar und z.B. für diagnostische Infiltration schwer zugänglich. Auch Dr. med. Weidert hat die richtige Technik erst durch das Training an seinem Simulator gelernt: „Als ich den Simulator das erste Mal benutzt habe, habe ich mir das Iliosakralgelenk in verschiedenen Winkeln bei Dauerbeleuchtung angeschaut. Dabei habe ich erst einmal gemerkt, dass ich mit der Infiltrationsnadel gar nicht da war, wo ich eigentlich dachte“, sagt er.

Am Patienten weiß man erst bei der Injektion des Kontrastmittels, ob man an der richtigen Stelle im Gelenk ist. Das Röntgenbild kann einen dabei fehlleiten. Dort werden primär die gut sklerotisierten Gelenkteile sichtbar. Wechselt man mit dem Bildwandler zur CT-Ansicht, werden dann auch die weniger prominenten Anteile sichtbar und der Injektionswinkel wird greifbar. Zusätzlich kann man im Simulator den Knochen direkt mit der Nadel spüren. „Das Zusammenspiel zwischen dem, was man fühlt und dem, was man im Röntgenbild und CT sieht, hilft dabei Kompetenz aufzubauen“, erzählt Dr. Simon Weidert. „Durch das Simulationstraining habe ich die Anatomie noch einmal neu gelernt.“

Dr. med Simon Weidert ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Er ist Gründungsmitglied von Medability und leitet in Kooperation mit der TU München die Forschungsgruppe „Computer Aided Surgery and Simulation“. Folgen Sie Dr. med. Weidert hier.

Medability wurde im Jahr 2012 als Spin-off der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet und wird seit 2016 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Die Vision von Medability ist es, die Ausbildung medizinischer Fachkräfte durch computergestützte Simulationsumgebungen zu verbessern und kostengünstig zu gestalten. Weitere Informationen auf www.medability.de

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Bildquelle: © Besjunior – istockphoto.com

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