18. April 2018

Toxische Alkohole: Die Maßnahmen im Notfall

Die klinischen Anzeichen einer Vergiftung mit Alkoholen wie Methanol, Ethylenglykol oder Diethylenglykol sind häufig unspezifisch. Erfahren Sie mehr über die Symptome und therapeutischen Maßnahmen.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Übersichtsartikel im New England Journal of Medicine, den Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Wo lauert die Gefahr einer Intoxikation?

Vergiftungen mit Alkoholen können durch verschiedene Quellen verursacht werden. Die auftretenden Symptome sind jedoch häufig unspezifisch und treten mit einer Verzögerung von mehreren Stunden auf. (Tab.1)

Art des AlkoholsVerwendungKlinische Symptome
Ethylenglycol (Glykol)Frostschutzmittel, Enteisungsmittel, KühlflüssigkeitRausch, akutes Nierenversagen
MethanolKraftstoff, Gaskocher, gefälschtes EthanolSehverlust bis zur Blindheit, Bauchschmerzen, Rausch, selten Parkinson-ähnliche Symptome
PropylenglycolLösungsmittel, NebelmaschinenNieren- und Leberschäden
DiethylenglycolLösungsmittel, Frostschutzmittel, BremsflüssigkeitBauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, akutes Nierenversagen, akute Pankreatitis
IsopropanolLösungsmittel, Fettlöser, DesinfektionsmittelRausch, verminderte Sinneswahrnehmung, Bauchschmerzen

Die toxische Wirkung wird in den meisten Fällen durch Metabolite ausgelöst. Entscheidendes Enzym ist hierbei die Alkolholdehydrogenase. Der gleichzeitige Konsum von Ethanol verzögert aufgrund der kompetitiven Hemmung daher die Effekte.

Wie kann die Intoxikation erkannt werden?

Die klinischen Anzeichen einer Vergiftung mit Alkoholen sind häufig unspezifisch. Laborparameter, die darauf hinweisen können, sind eine metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke oder eine große osmotische Lücke. Die Akkumulationen der Alkohole und ihrer Metaboliten erhöht die Serumosmolalität.

Wichtig für die Diagnose ist zudem die Anamnese und die Frage, ob es bereits in der Vergangenheit zu Intoxikationen mit Alkoholen gekommen ist. Da eine Therapieverzögerung das Outcome verschlechtert, sollte bereits bei einem begründeten Verdacht oder einer metabolischen Azidose unklarer Ursache behandelt werden.

Welche therapeutischen Maßnahmen sollten ergriffen werden?

Da Alkohole rasch absorbiert werden, ist eine Magenspülung in den meisten Fällen nicht hilfreich. Die Therapie besteht bei Methanol, Ethylenglycol und Diethylenglycol daher aus der Verhinderung der Metabolisierung. Mittel der Wahl ist Fomepizol, ein starker Inhibitor der Alkoholdehydrogenase. Eine Alternative stellt Ethanol dar. Zudem können der Alkohol und seine Zwischenprodukte über eine Dialyse aus dem Körper entfernt werden.

Bei Isopropanol und Propylenglycol sind supportive Maßnahmen meist ausreichend. Nur beim Auftreten einer Laktatazidose wird eine Hämodialyse empfohlen. Die Behandlung von Kindern ist mit der von Erwachsenen vergleichbar.

Algorithmus zur Diagnose und Therapie von Alkohol-Intoxikationen

Mehr über einen konkreten Patientenfall und das Vorgehen der Ärzte lesen Sie im Beitrag “Komatöser Patient mit Azidose”.

  1. Kraut JA & Mullins ME. Toxic Alcohols. N Engl J Med 2018; 378(3): 270-280.

Bildquelle: ©iStock.com/kittimages

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