07. April 2017

Thoraxschmerz nach lautem Singen?

Die Ursachen für einen Thoraxschmerz sind breit gefächert, dabei handelt es sich meist um eine muskuloskelettale Genese. Nicht so in diesem Fall, mit dem Ärzte des Kantonsspitals Winterthur vor einigen Monaten konfrontiert wurden.

Folgender Patientenfall wurde im Schweizerischen Medizin-Forum 2016, 16 (34): 690-693 publiziert.1 coliquio-Redakteurin Marina Urbanietz fasst die wichtigsten Details für Sie zusammen.

Bei der Musikfestwoche Winterthur laut gesungen

Ein 19-jähriger Patient stellt sich wegen atemabhängiger Brustschmerzen in der Notaufnahme vor. Er gibt an, an einem Festival im Rahmen der Musikfestwoche Winterthur lautstark gesungen zu haben. Er berichtet von einem plötzlichen starken Schmerz und einem Druckgefühl im Nacken- und Halsbereich, der anschließend in den Brustkorb gewandert ist.

Gelegentlicher Marihuana-Konsum als Grund für die Symptome?

Der 19-Jährige kann sich weder an ein Trauma erinnern, noch ist ein Asthma bronchiale oder eine andere chronische Lungenerkrankung bekannt. Er gibt jedoch an, drei Bier getrunken zu haben. Im Übrigen raucht er 10 bis 15 Zigaretten pro Tag und konsumiert gelegentlich Marihuana (letzter Konsum vor etwa einer Woche).

Es zeigt sich keine Halsvenenstauung und die Herztöne sind rein. Habitus und Vitalparameter sind ebenfalls unauffällig:

  • Blutdruck 140/70 mm Hg
  • Puls 95/min
  • SaO2 95% mit 2 Liter O2/min
  • Atemfrequenz 20/min

Röntgenthorax zeigt einen unerwarteten Befund

Bei der körperlichen Untersuchung ist ein subkutanes Weichteilemphysem mit Krepitationen auffällig. Die Laboranalyse zeigt eine Leukozytose von 19,5 G/l ohne CRP-Erhöhung und normale Herzenzyme. Das Thoraxröntgenbild zeigt interessanterweise in beiden Ebenen ein ausgedehntes Mediastinalemphysem mit Ausbreitung in die zervikalen Weichteile. Es bestehen jedoch keine Hinweise auf einen Pneumothorax.

CT bestätigt die Diagnose

Die anschließend durchgeführte Computertomographie (CT) bestätigt die Diagnose Mediastinalemphysem mit Ausbreitung in die zervikalen Weichteile. Es gibt jedoch keine Hinweise auf einen Pleuraerguss, eine signifikante Atelektase oder eine Verletzung eines Bronchus, der Trachea oder des Ösophagus.

Woher kommt das mediastinale Emphysem?

Wählen Sie in unserer Kurzumfrage Ihre vermutete Diagnose aus und erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags, wie es bei dem 19-Jährigen zu einem mediastinalen Emphysem kam und wie es für den Patienten weiterging.

1. Ivanova Z. et al. Thoraxschmerz nach lautstarkem Singen. Schweizerisches Medizin-Forum 2016, 16 (34): 690-693.

Titelbild: iStock. Bildnachweis: kbwills.

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