16. September 2017

5 häufige sexuell übertragbare Krankheitsbilder

Diagnostik und Therapie

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) manifestieren sich nicht nur anogenital. Auch andere Körperregionen können betroffen sein, weshalb STI oft fehlinterpretiert oder zu spät bemerkt werden. Sehen Sie hier eine Auswahl bebilderter Fälle.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 07. März 2019 aktualisiert.

Der folgende Beitrag basiert auf den Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von sexuell übertragbaren Infektionen des Robert Koch-Instituts (RKI) 1 sowie auf einem bei Medscape-Artikel. 2 Zusammenfassung: Marina Urbanietz

Gonorrhö: Keine zuverlässigen Zahlen für Deutschland

Die Gonorrhö (GO) wird durch eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae hervorgerufen. Da die Gonorrhö in Deutschland seit dem Jahr 2000 nicht mehr meldepflichtig ist, gibt es aktuell keine zuverlässigen Daten über die Häufigkeit der Erkrankung. Die Übertragung erfolgt beim vaginalen, analen und oralen Verkehr oder aber auch perinatal auf das Neugeborene.

Die häufigsten Symptome einer Gonorrhö in der Übersicht:

Abb. 1: Peniler Ausfluss bei zugleich pyodermaler Läsion an der Glans penis. 4

Männer: Bei Männern erzeugt die Gonokokkeninfektion eine anteriore Urethritis, die meist zur Dysurie und zum penilen Ausfluss führt (Abb. 1). Zudem kann die Gonokokkenpharyngitis Halsschmerzen auslösen. Die meisten Fälle mit Gonokokken-Pharyngitis verlaufen jedoch asymptomatisch, weshalb bei jedem STI-Patienten routinemäßig ein Rachenabstrich, entnommen von der hinteren Rachenwand und den Tonsillen, zu fordern ist. Die rektale Gonokokkeninfektion kann in seltenen Fällen eine Proktitis mit Juckreiz, Blutung, Analausfluss und Tenesmen verursachen, verläuft jedoch meist ohne Beschwerden.

Frauen: Gonokokkeninfektionen verlaufen bei Frauen in ca. 50 Prozent der Fälle asymptomatisch. Wenn Beschwerden auftreten, handelt es sich meist um eine Begleiturethritis und eine Dysurie. Menorrhagie und Zwischenblutungen weisen auf eine Mitbeteiligung des Endometriums hin.

Kinder: Auch bei Kindern können alle Anteile des Harn- und Geschlechtsapparats in die Infektion einbezogen werden. Beim Nachweis einer Gonorrhö bei Kindern muss der dringende Verdacht auf sexuellen Missbrauch geäußert werden. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im coliquio-Beitrag “Verdacht auf Kindesmisshandlung: Wie reagieren Sie richtig?”

Abb. 2: Ophthalmia neonatorum verursacht durch eine Gonokokken-Infektion. 5

Neugeborene: Die Gonokokken-Konjunktivitis des Neugeborenen kann durch intrauterine Infektion oder durch Ansteckung unter der Geburt hervorgerufen werden. Erscheinungen einer akuten purulenten Konjunktivitis treten ca. 5 Tage nach der Geburt auf (Abb. 2). Bei Verdacht sollte eine postpartale Prophylaxe mit 0,5%iger Erythromycin- oder einer 1%igen Tetrazyklin-haltigen Augensalbe als einmalige Anwendung erfolgen. Betroffene Neugeborene sollten auch auf andere STI untersucht werden.

Update: Antibiotika-Resistenzen bei Gonorrhoe

In den letzten Jahren haben sich Einzelfallberichte gehäuft, in denen N. gonorrhoea verminderte Empfindlichkeit bis hin zu einer vollständigen Resistenz gegen Ceftriaxon und Azithromycin zeigte. Die Erreger persistierten dabei besonders im Rachen. Im Rahmen der Diagnose sollte daher immer auch eine Resistenztestung mit einer konventionellen Kultur in Auftrag gegeben werden. 11

Mehr Informationen zu Diagnostik und Therapie von Gonorrhö finden Sie auf der Webseite des RKI.

Humanes Papillomvirus (HPV)

In Deutschland stecken sich etwa 80 Prozent aller sexuell aktiven Personen mit HPV an. Während eine Infektion In den meisten Fällen harmlos verläuft, können die sogenannten onkogenen HPV-Typen zu gut- oder bösartigen Tumoren führen, wie beispielsweise Condylomata acuminata (Abb. 3), bowenoide Papulose, Zervixkarzinom und Analkarzinom. Auch gibt es Hinweise, dass eine Infektion mit dem HPV-Typ 16, neben HPV 18 einer der meist verbreiteten onkogenen Untertypen, das Risiko für Kopf- und Halstumoren steigert, etwa wenn die Viren über die Ausübung von Oralsex in Mund und Rachen gelangen.

Abb. 4: Eine 42-jährige Frau mit einem Condyloma acuminatum im Genitalbereich (Größe 25 auf 5 cm). 7

Papillomwarzen werden meist an den äußeren Genitalien, am Perineum und in der Perianalregion nachgewiesen. Dabei können die blumenkohlartigen Läsionen eine Größe von einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern aufweisen. (Abb. 4) Ihre Farbe kann fleischfarben, dunkelbraun oder weiß sein. Oft sind sie in feuchter Genitalschleimhautumgebung mazeriert.

STIKO-Impfempfehlungen: Die STIKO empfiehlt für alle Mädchen eine Impfung gegen humane Papillomviren. Das empfohlene Impfalter ist 9 bis 14 Jahre. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Die Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Die STIKO empfiehlt auch die Impfung von Jungen zwischen 9-14 Jahren. 12

Die aktuellen Empfehlungen zur HPV-Impfung finden Sie auf der Webseite des RKI.

Molluscum contagiosum: Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen

Beim Molluscum contagiosum handelt es sich um eine selbstlimitierende Virusinfektion der Haut, die von einem Pockenvirus ausgelöst wird und vor allem bei Kindern verbreitet ist. Bei Erwachsenen kann es sich dabei um eine sexuell übertragbare Infektion handeln.

Abb. 5: Molluscum contagiosum auf männlichen (a) und weiblichen (b) Genitalien. 8

Die Erkrankung manifestiert sich durch kuppelförmige, fleischfarbene oder rötliche Papeln mit zentraler Delle (Abb. 5). Die Behandlung erfolgt aus kosmetischen Gründen und zur Verhinderung einer Übertragung gewöhnlich mit lokal destruierenden Substanzen wie Cantharidin, Salicylat und Trichloressigsäure oder per Kryotherapie.

Verbreitung: Die Erkrankung ist in vielen Entwicklungsländern endemisch, kommt jedoch hierzulande selten vor. Dabei sind Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen. Da diese Erkrankung einen Risikofaktor für die Übertragung von HIV darstellt und die Koinfektionen mit der Syphilis möglich sind, gehört sie zu jedem Screening auf sexuell übertragbare Erkrankungen.

Mehr zur Diagnostik von Pockenviruserkrankungen finden Sie auf der Webseite des RKI.

Granuloma Inguinale: Übertragung auch ohne sexuellen Kontakt

Granuloma inguinale (auch: Granuloma pudendi tropicum) ist eine in tropischen und subtropischen Ländern (speziell Indien, Zentral- und Nordaustralien, Papua-Neuguinea, Vietnam; aber auch in Lateinamerika, den Karibischen Inseln und Zentral-, Ost- und Südafrika) endemisch vorkommende, sexuell übertragene Erkrankung. Das Granuloma inguinale zählt zwar zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen, kann jedoch auch ohne sexuellen Kontakt durch kontaminiertes Material weitergegeben werden.

Abb. 6: Manifestationen von Granuloma inguinale mit einer Schwellung des Penisschaftes mit begleitenden bilateralen subkutanen Granulomen im Leistenbereich. 9

Charakteristisch für die Erkrankung sind Papeln oder Knötchen in der Genitalregion, die sich zu schmerzlosen, fleischroten Ulzera entwickeln (Abb. 6). In schweren Fällen kann das Granuloma inguinale auch ein Lymphödem auslösen und eine hämatogene Aussaat in Milz, Lunge, Leber, Knochen und Augenhöhlen mit sich bringen. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis der Donovan-Körperchen, die als intrazelluläre Bakterien in Proben aus betroffenem Gewebe mikroskopisch nachgewiesen werden.

Therapie: Als Therapie werden Doxycyclin, Azithromycin, Ciprofloxacin und Erythromycin Base empfohlen (Behandlungsdauer 21 Tage bzw. bis zum vollständigen Abheilen der Läsionen). Zudem können auch chirurgische Eingriffe notwendig sein (Wunddébridement, Exzisionen).

Weitere Informationen zu Granuloma Inguinale finden Sie in den „Steckbriefen seltener und importierter Infektionskrankheiten“ des RKI.

Lymphogranuloma venereum: Vor allem Homosexuelle betroffen

Das Lymphogranuloma venereum (LGV) wird meist von Chlamydia trachomatis ausgelöst und tritt vorwiegend in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas auf. In Europa kommt die Erkrankung bei homosexuellen Männern vor.

Abb. 7: Lymphknotenschwellungen der Leisten bei Lymphogranuloma venereum. 10

Am Infektionsort entsteht nach 3 bis 12 Tagen zunächst ein schmerzloses Bläschen, dann ein oberflächliches Geschwür (Primärläsion). Nach 10 bis 30 Tagen kommt es zu schmerzhaften Schwellungen der regionären Lymphknoten (Bubo), die aufbrechen können (Abb. 7). Die Abheilung erfolgt unter Bildung bindegewebiger Narben, Verlegung der Lymphgefäße mit nachfolgenden Abflussstörungen.

Nach einer Infektion beim Analverkehr kann es auch zu einer massiven ulcerösen Proktitis mit schleimigem oder blutigem Ausfluss, Tenesmen und Fieber oder zu perirektalen Abszessen und Fisteln kommen. In der Folge können sich narbige Strikturen und Stenosen bilden, die unter Umständen chirurgisch therapiert werden müssen.

Diagnostik und Therapie: Größere Krankheitsausbrüche sind bei homosexuellen Männern beschrieben. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch eine Testung auf Nukleinsäuren von Chlamydia trachomatis ergänzt. Eine Differenzierung der Unterstämme erfolgt durch weitere molekularchemische Untersuchungen. Als Therapie wird eine 3-wöchige Doxycyclin-Kur empfohlen.

Update: Therapie abhängig vom Serovar

Aktuellen Empfehlungen zufolge sollte auch bei einer Chlamydien-Proktitis eine weitere Typisierung der Serovare erfolgen. Wenn das Ergebnis die Serovare L1-L3 liefert, sollte die Therapie mit Doxycyclin von ansonsten 7 Tagen auf 21 Tage ausgeweitet werden. 11

Mehr Informationen zu Diagnostik und Therapie von Lymphogranuloma venereum finden Sie auf der Webseite des RKI.

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1. Sexuell übertragbare Infektionen (STI). Robert Koch Institut.

2. Dina Strachan, MD; Raffi Kapitanyan, MD. Gemeine Souvenirs an den Urlaubsflirt: 20 typische Merkmale sexuell übertragbarer Krankheiten. Medscape Deutschland, August 3, 2017.

3. Titelbild: iStock. Bildnachweis: oneinchpunch.
4. Abb. 1: Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
5. Abb. 2: Baiyeroju A. et al. Managing eye health in young children. Community Eye Health 2010 Mar; 23(72): 4–11.
6. Abb. 3: Puri N. A study on the use of imiquimod for the treatment of genital molluscum contagiosum and genital warts in female patients. Indian J Sex Transm Dis. 2009 Jul-Dec; 30(2): 84–88.
7. Abb. 4: Aminimoghaddam S. et al. An unusual, giant and benign condyloma acuminatum lesion on the genital area for more than a decade. Med J Islam Repub Iran. 2014; 28: 55.
8. Abb. 5: Hassan I. et al. Pattern of sexually transmitted infections in a Muslim majority region of North India. Indian J Sex Transm Dis. 2015 Jan-Jun; 36(1): 30–34.
9. Abb. 6: Centers for Disease Control and Prevention (CDC)/ Joe Miller; Jim Pledger, VD.
10. Abb. 7: Hendrik A. van DijkHerbert L. Fred, MD, Images of Memorable Cases: Case 10. OpenStax CNX. 4. Dez. 2008 http://cnx.org/contents/ff5e3a2c-7b30-4b47-8306-41d07f41e599@4.

11. Rieg S et al.: “Aktuelles zu sexuell übertragbaren Infektionen“, Dtsch Med Wochenschr 2019; 144:165 -170
12. Ständige Impfkommission (STIKO), AG HPV: “Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren.“ Epid Bull 2018; 26: 233-250

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