13. Juni 2018

Erhöhtes Krebsrisiko durch Schichtdienst

Wechselnde Arbeitsschichten und vor allem Nachtdienste können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Zwei aktuelle Studien untersuchen das Krebsrisiko für Männer und Frauen.

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Brustkrebs: Die Hormone sind entscheidend

Für Frauen nach der Menopause besteht kein erhöhtes Brustkrebsrisiko, wenn sie in Nachtschichten arbeiten. Bei prämenopausalen Frauen wirken sich die Arbeitszeiten jedoch auf das Risiko aus, an Brustkrebs zu erkranken.

Eine Analyse im European Journal of Epidemiology mit über 6000 Frauen zeigte, dass Nachtschichten (mindestens drei Stunden zwischen 0 und 5 Uhr) irgendwann im Leben das Brustkrebsrisiko um 26% erhöhen.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko noch weiter:

  • Nachtdienste über zehn Stunden (um 36% erhöhtes Risiko)
  • mehr als 3 Nächte pro Woche (um 80% erhöhtes Risiko)
  • Arbeitszeit (>10 Stunden) und Häufigkeit (>3/Woche) (um 155% erhöhtes Risiko)

Brustkrebs kommt häufiger bei Frauen vor, die momentan oder noch vor kurzem nachts gearbeitet haben, im Vergleich zu Frauen, die seit mehr als zwei Jahren keine Nachtdienste übernehmen.

Das erhöhte Risiko bezieht sich ausschließlich auf hormonempfindliche Tumore (Östrogenrezeptor-positiv, ER+), insbesondere wenn zudem HER2-Rezeptoren stark exprimiert werden.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und der Krebserkrankung kann nicht gezeigt werden. Es wird aber vermutet, dass über eine Veränderung der Melatonin-Ausschüttung der Östrogenhaushalt verändert wird.1

Prostatakrebs: Risiko mehr als verdoppelt

In der Heinz-Nixodrf-Recall-Studie, einer Kohortenstudie über zehn Jahre mit über 1700 Männern, die zuvor keinen Prostatakrebs erlitten hatten, zeigte sich, dass das Tumorrisiko mit der Arbeit in Schicht- oder Nachtdiensten ansteigt.

Das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken war um 129% erhöht, wenn Männer im Schichtbetrieb arbeiteten und um 127%, wenn Nachtarbeit nachgegangen wird.

Je mehr Jahre in Schicht- oder Nachtdiensten gearbeitet wird, desto höher das Risiko. Besonders stark ausgeprägt war das Risiko für Personen, die sich als Frühtypen (Lerchen) einschätzen, im Vergleich zu Männern, die bevorzugt eher spät schlafen gehen (Eulen).2

Welche Auswirkungen Schichtarbeit auf Schlafstörungen, kardiovaskuläre Krankheiten und den Stoffwechsel haben kann, lesen Sie im Beitrag “Schichtdienst in der Klinik: 5 potenzielle Gesundheitsrisiken”.

  1. Cordina-Duverger E et al. Night shift work and breast cancer: a pooled analysis of population-based case–control studies with complete work history. European Journal of Epidemiology 2018; 33(4): 369-379.
  2. Behrens T et al. Shift work and the incidence of prostate cancer: a 10-year follow-up of a German population-based cohort study. Scand J Work Environ Health 2017; 43(6): 560-568.

Bildquelle: © istock.com/PRImagefactory

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