05. Oktober 2016

Patientenverwechslung vermeiden: So geht´s

Eine sichere Identifikation von Patienten ist grundlegende Voraussetzung für die richtige Behandlung. Was banal klingt, kann bei desorientierten Patienten im Notfall schnell zur Herausforderung werden. Das Krankenhaus-CIRS-Netz schildert einen Fall, bei dem infolge einer Patientenverwechslung eine Todesbescheinigung auf eine noch lebende Patientin ausgestellt wurde. Lesen Sie hier, welche Fehler gemacht wurden und mit welchen Maßnahmen eine Verwechslung hätte vermieden werden können.

Patientenverwechslung: CIRS-Fall des Monats September

Patientin A mit häufig vorkommenden Vor- und Nachnamen wurde vom Hausarzt in die zentrale Notaufnahme einer Klinik eingewiesen. Als Anschrift wurde anstelle der eigentlichen Adresse von Patientin A die Adresse eines Seniorenzentrums angegeben, in welchem sie sich in Kurzzeitpflege befand. Bei der stationären Aufnahme war die Patientin in schlechtem Allgemeinzustand und desorientiert. Bei Registrierung der eingelieferten Patientin im Krankenhaus-Informationssystem kam es zur Verwechslung mit Patientin B, die mit Patienten A für kurze Zeit im gleichen Seniorenzentrum wohnte und den gleichen Namen trägt. Bevor die Verwechslung bemerkt wurde, verstarb Patientin A am folgenden Tag. Sowohl Todesbescheinigung als auch Sterbeurkunde wurden jedoch auf die noch lebende Heimbewohnerin ausgestellt. Nachträglich mussten Vorgänge sowie behördliche Dokumente mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand seitens der Mitarbeiter des Klinikums und der Behörden korrigiert werden.

Nachlässige Patientenidentifikation: Diese Fehler wurden gemacht

  • Bei Aufnahme in der Notaufnahme wurden die Personalien von Patienten A, die sich in einem desorientierten Zustand befand, nicht sorgfältig überprüft (z.B. Geburtsdatum).
  • Während des stationären Aufenthalts erfolgte kein Abgleich der Patientendaten.
  • Die Patientenidentität wurde im Rahmen der Todesfeststellung und der Ausstellung der Todesbescheinigung nur unzureichend überprüft.
  • Hilfsmittel wie Einweisungsschein des Hausarztes, Versichertenkarte oder Personalausweis wurden nicht zur Identifikation herangezogen.

APS: 6 Empfehlungen zur sicheren Patientenidentifikation

Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit APS rät in seinen „Handlungsempfehlungen zur sicheren Patientenidentifikation“ zu folgenden Maßnahmen:

  • Ordnen Sie bei stationärer Aufnahme jedem Patienten die Identität anhand von Identifikationsmerkmalen zu und vergeben Sie eine Identifikationsnummer.
  • Achten Sie auf einen Kerndatensatz mit mindestens folgenden Identifizierungsmerkmalen:

  • Familienname (ggf. Geburtsname, Titel, Namenszusätze)
  • Vorname
  • Geburtsdatum
  • Identifikationsnummer (Patientennummer oder Fallnummer)

Achtung: Verzichten Sie auf Abkürzungen, verwenden Sie Blockbuchstaben (bei handschriftlicher Erfassung) und definieren Sie die Schreibweise der Umlaute. Bei Neugeborenen sollten zusätzlich Familienname und Vorname der Mutter angegeben werden.

  • Prüfen Sie die Identität anhand eines ausweisenden Dokuments, wie Personalausweis oder Versichertenkarte.
  • Gleichen Sie bei bereits registrierten Patienten den Kerndatensatz auf Stimmigkeit ab.
  • Befragen Sie Patienten aktiv nach ihren personenbezogenen Angaben (z.B. Vor- und Nachname und Geburtsdatum). Achtung: Vermeiden Sie unbedingt Suggestiv-Fragen wie „Sind Sie Frau/Herr …?“.
  • Werden bei stationärer Aufnahme oder ambulanten operativen Eingriffen zur Identifikation Patientenarmbänder verwendet, achten Sie darauf, dass:

  • diese den Kerndatensatz enthalten,
  • maschinell bedruckt, kratz- sowie wischfest sind,
  • elektronisch lesbar sind,
  • diese nach dem Ausdruck bei der Aufnahme des Patienten inhaltlich überprüft und dann sofort fest angelegt werden.

Daneben gilt es alle Mitarbeiter für die Thematik der Patientenverwechslung zu sensibilisieren und den Patienten vor jeder Behandlung und Untersuchung sicher zu identifizieren

Feststellung des Todes: Identität anhand von Ausweis prüfen

Bei Todesfeststellung beziehungsweise der Erstellung der Todesbescheinigung muss laut Gesetz die Identität gegebenenfalls anhand von personenbezogenen Dokumenten wie Personalausweis oder Reisepass geprüft werden. In der Todesbescheinigung sind die personenbezogenen Daten zu dokumentieren und es muss angegeben werden, wie die Identifizierung des Toten erfolgte:

  • Durch eigene Kenntnis der Person
  • Durch Personalausweis/Reisepass
  • Durch Angaben von Angehörigen

Übrigens: Für Demenzkranke stehen stehen vorgefertigte Notfallmappen für die Einweisung ins Krankenhaus der päritätischen Gesellschaft für soziale Projekte zur Verfügung. Die Mappe enthält Vordrucke eines Patienten-Informationsbogens (Persönliche Daten, Anschrift Angehörige), einer Medikationsliste und für Krankenhausaufenthalte, die im Notfall die Identifizierung erleichtern.

  1. KH-CIRS-Netz Deutschland: Fälle des Monats – September 2015
  2. Aktionsbündnis Patientensicherheit: Handlungsempfehlung zur sicheren Patientenidentifikation
  3. Madea B. und Dettmeyer R. Dtsch. Arztebl. 2003; 100(48): A-3161-3179: Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung. Kompetente Durchführung trotz unterschiedlicher Gesetzgebung der Länder
  4. Menschen mit Demenz im Krankenhaus – ein Wegweiser: Der Paritätische – Gesellschaft für soziale Projekte

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