30. November 2018

CIRSmedical Anästhesiologie

Operateur hält grundlegende Hygienestandards nicht ein

Ein Patient mit bekannter ausgeheilter Hepatitis C wird am Auge operiert. Bei der folgenden Operation an einem weiteren Patienten fällt Kollegen auf, dass der Operateur sowohl die bereits benutzten Instrumente als auch die verschmutzen Handschuhe weiterverwendet. Wie verhalten sich Kollegen, damit sie sich nicht strafbar machen?

Lesedauer: 2 Minuten

Folgender Fall wurde dem Meldesystem CIRSmedical Anästhesiologie (CIRS-AINS) berichtet und von verschiedenen Experten kommentiert.1 Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Der Fall: Ein Patient kommt zur ambulanten augenärztlichen Operation. Im Prämedikationsprotokoll ist unter Vorerkrankungen unter anderem eine "ausgeheilte Hepatitis C" notiert. Der Assistenzarzt der Anästhesiologie informiert das OP-Team vor der Einleitung der Analgosedierung darüber. Die Operation wird komplikationslos und regelhaft unter Analgosedierung mit Dormicum/Propofol durchgeführt, der Patient hiernach in den Aufwachbereich entlassen. Der darauffolgende Patient wird in den OP-Saal gebracht und soll ebenfalls vom gleichen Arzt operiert werden.

Operateur lässt verschmutzte Handschuhe an

Der operierende Arzt hat OP-Handschuhe und -Kittel an. Zu Beginn des Eingriffs fällt auf, dass er dasselbe bereits benutzte Instrument verwendet, sowie die ebenfalls bereits benutzten Handschuhe und OP-Kittel trägt. Zudem begrüßt er mit den verschmutzen OP-Handschuhen den nächsten Patienten per Handschlag und schreibt damit seinen OP-Bericht auf seinem Laptop im OP-Saal. Erst danach kleidet er sich um und führt eine chirurgische Händedesinfektion durch.

Abschließend gibt der Melder an, dass sich ein solcher Vorfall jede Woche ereignet – es handelte sich demnach um keinen Ausrutscher.

Experten-Kommentar: „Es besteht dringender Handlungsbedarf“

Zwei Anästhesisten kommentieren den Vorfall. Aus Sicht beider Experten ist das Verhalten des Operateurs als grob fahrlässig zu bezeichnen. Es berge ein hohes Keimübertragungsrisiko, unabhängig von einer bekannten Infektion.  Da es sich offensichtlich um keinen einmaligen Ausrutscher handelte, bestehe dringender Handlungsbedarf.

Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der Hygiene?
In diesem Punkt weichen die Ansichten der beiden Fachleute voneinander ab. Während der erste Anästhesist die sterile OP-Pflegekraft im OP für die Einhaltung der Hygiene verantwortlich sieht, schreibt der zweite Autor: „Hier ist grundsätzlich jeder verantwortlich, der unter hygienischen Kautelen arbeitet.“ Darüber hinaus verpflichte diese Verantwortung nicht nur, sondern legitimiere auch jeden Protagonisten im OP, unabhängig von Status und Hierarchie zum Hinweis.

Doch nicht immer lässt sich Kritik so einfach äußern, gibt der Experte auch zu bedenken. So bestehe etwa im ambulanten Bereich eine wirtschaftliche Abhängigkeit des Anästhesisten von seinem „Kunden“ (Operateur). Hier rät der Experte dazu, bereits zu Beginn der Zusammenarbeit die Regeln der Kooperation auf Augenhöhe zu definieren. Denn bei einer möglichen hygienebedingten Infektion des Patienten muss sich auch der Anästhesist unter Umständen den Vorwurf einer Mitschuld gefallen lassen.

Juristische Konsequenzen – auch für Mitwisser

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, wie aus juristischer Sicht das Verhalten des Augenarztes einzuordnen ist und in welchen Fällen auch dessen kooperierende Kollegen zur Verantwortung gezogen werden können.

1. CIRSmedical Anästhesiologie, Fall des Monats September 2018: Operateur hält grundlegende Hygienestandards nicht ein

Titelbild: © iStock.com/ShutterOK

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