07. Februar 2018

Aus dem Kollegenkreis

Nadelstichverletzungen: So handeln Sie im Ernstfall  

Nadelstichverletzungen zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen in Klinik und Praxis. Was im Ernstfall zu tun ist, erläutert Prof. Dr. Dr. Sabine Wicker, Arbeitsmedizinerin und Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes am Uniklinikum Frankfurt. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Redaktionelle Umsetzung: Dr. Nina Mörsch

Als Nadelstichverletzung wird jede Stich-, Schnitt- und Kratzverletzung der Haut durch stechende oder schneidende Instrumente bezeichnet, die mit Patientenmaterial verunreinigt sind. Dabei spielt es nicht zwangsläufig eine Rolle, ob die Wunde blutet oder nicht. Auch durch Blut- oder Sekretspritzer in Auge und Mund kann infektiöses Material übertragen werden.

Am häufigsten trifft es Ärzte oder Pflegekräfte, aber auch Reinigungskräfte und Angehörige anderer Berufsgruppen der Ver- und Entsorgung können mit falsch entsorgten Kanülen in Kontakt kommen. Die Hauptrisiken einer Nadelstichverletzung liegen in der möglichen Übertragung von Hepatitis B-Virus (HBV), Hepatitis C-Virus (HCV) und Humanem Immundefizienz-Virus (HIV).

Vorbeugende Maßnahmen: Gefahren minimieren

Bei möglichem Kontakt mit potenziell infektiösem Material ist das Tragen von flüssigkeitsdichten medizinischen Handschuhen das A und O. Bei bestimmten invasiven Eingriffen kann zudem das Tragen von doppelten Handschuhen sinnvoll sein. Weitere wichtige Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten im Gesundheitswesen sind durch die „Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege TRBA 250“ geregelt und beinhalten folgende Punkte:

1. Spitze und scharfe Instrumente sind, soweit technisch möglich, durch solche zu ersetzen, von denen keine Stich- oder Schnittgefahr ausgeht.  Als sicher gelten Instrumente mit einer integrierten Schutzvorrichtung, wie zum Beispiel Rückzugsmechanismen oder Kanülen-Schutzschilde, die direkt nach Verwendung mit einer Hand auszulösen sind. Mittlerweile verboten (Ausnahme Zahnarztpraxis) ist indes das Zurückstecken gebrauchter Kanülen in die Schutzkappe („Recapping“).

2. Gebrauchte Instrumente, auch solche mit Schutzvorrichtungen, müssen in Abwurfbehältern entsorgt werden. Diese sollten in unmittelbarer Reichweite stehen und rechtzeitig gewechselt werden, bevor die Füllungsgrenze erreicht wird.

3. Alle Beschäftigten sollten über die Risiken und den Umgang mit Kanülen aufgeklärt werden.

Erste Hilfe nach dem Pieks: Schnell handeln

Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer Nadelstichverletzung kommt, gilt es sofort zu reagieren. So sollten Betroffene umgehend zu der in ihrer Einrichtung zuständigen Stelle gehen und den Vorfall als Arbeitsunfall melden, erklärt die Arbeitsmedizinerin Prof. Sabine Wicker. Dies können Betriebsarzt, Notaufnahme, Durchgangsarzt oder auch der Praxisinhaber sein.

Tipps von Prof. Wicker zum Vorgehen nach einer Blutexposition

  • Der verletzungsbedingte Blutfluss sollte nicht unterbunden werden, weil dadurch potenziell infektiöses Material ausgespült wird.
  • Im Verletzungsbereich keine Manipulationen vornehmen – insbes. kein Quetschen oder Ausdrücken direkt im Einstichbereich.
  • Spülen der Wunde mit Wasser und Seife bzw. mit einem Händedesinfektionsmittel oder Hautantiseptikum.
  • Bei einer Kontamination des Auges unverzüglich reichliches Ausspülen des Auges mit Leitungswasser oder physiologischer Kochsalzlösung.
  • Bei einer Aufnahme in die Mundhöhle sollte das ausgenommene Material sofort ausgespuckt werden. Danach mehrfaches Spülen der Mundhöhle mit Wasser.
  • Bei Exposition von geschädigter oder entzündlich veränderter Haut gründliches Waschen mit Wasser und Seife; danach wird das kontaminierte Hautareal mit einem mit Hautantiseptikum satt getränkten Tupfer vorsichtig abgerieben.

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1. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege: Risiko Nadelstich
2. Himmelreich H, Rabenau HF, Rindermann M, Stephan C, Bickel M, Marzi I, Wicker S. Management von Nadelstichverletzungen. Dtsch Arztebl Int 2013; 110:61-67

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: YakobchukOlena

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