24. Juni 2016

Musik bei psychischen Erkrankungen: Neue Forschungsergebnisse in der Übersicht

Musik spielt im Alltag von Menschen mit psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Doch je nach Diagnosegruppe geben sich unterschiedliche Muster der Emotions­modulationen. Eine deutsche Forschergruppe hat nun empirische Untersuchungen vorgenommen um herauszufinden, welche Strategien Patienten je nach psychischer Störung nutzen, um ihre Affekte zu modulieren.1 Dr. Stefan Gebhardt, Oberarzt an der Klinik für Allgemeinpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik II des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch schildert die aktuellen Forschungsergebnisse.

Musik im Alltag gesunder vs. psychisch kranker Menschen

Laut empirischen Untersuchungen der Forschergruppe um Dr. Stefan Gebhardt und Dr. Richard von Georgi, die am Universitätsklinikum Marburg vorgenommen wurden, gehen Menschen mit psychischen Erkrankungen mit Musik anders um als gesunde Menschen. Hier sind die wichtigsten Studienergebnisse:

  • Menschen mit psychischen Erkrankungen bevorzugen vor allem die reflexive und komplexe Musik (insbesondere klassische Musik).
  • Die Verbindungen zwischen musikalischen Vorlieben und emotionalen Modulationsmuster bei der Verwendung von Musik im Alltag waren wesentlich differenzierter in der allgemeinen Bevölkerung als in der psychiatrischen Kohorte.
  • Menschen ohne psychische Erkrankungen genießen Musik, um Freude zu haben.
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen nutzen Musik, um in ihrem Alltag zu Recht zu kommen, negative Emotionszustände abzubauen, Spannungszustände zu reduzieren und Probleme zu lösen. In diesem Zusammenhang wird Musik als hilfreich empfunden.
  • Es wurde nur bei wenigen Menschen beobachtet, dass sie mit Beginn der Erkrankung keinen Zugang zur Musik finden konnten und so ganz aufhörten Musik zu hören.

Muster der Emotionsmodulationen nach Diagnosegruppen:

  • Menschen mit Persönlichkeitsstörungen können durch Musik Anspannungsgefühle reduzieren.
  • Menschen mit Depression haben einen sehr körperlichen Zugang zur Musik: sie entspannen vor allem mit Musik. Es müssen allerdings individuelle Musikstrategien entwickelt werden um in jedem einzelnen Fall positive Ergebnisse erzielen zu können.

Mehr zu der Studie erfahren Sie im Videovortrag „Musik und Emotion bei psychischen Erkrankungen“ von Dr. Stefan Gebhardt (Gesamtdauer: 15 Minuten), der im Rahmen der 2. Virtuellen Fach- und Karrieremesse der Zentren für Psychiatrie Baden-Württemberg (ZfP) vorgestellt wurde.


Dieser Beitrag wird vertreten durch Dr. med. Stefan Gebhardt, Oberarzt an der Klinik für Allgemeinpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik II des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN). Die Einrichtung zählt mehr als 1600 Mitarbeiter an fünf Standorten (Wiesloch, Bruchsal, Neckar-Odenwald, Schwetzingen und Weinheim) und bietet psychiatrische Beratung und Betreuung für Erwachsene in allgemeiner Psychiatrie, Psychosomatik, Alterspsychiatrie, Suchttherapie sowie forensischer Therapie.

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