30. November 2017

Mobbing in der Klinik: 10 Verhaltenstipps für Betroffene

Hohe Arbeitsdichte, Personalmangel und Stress sind ein guter Nährboden für Konflikte. Beschäftigte im Gesundheitswesen werden deshalb besonders häufig gemobbt. Wie können sich Opfer wehren und was können Kollegen und Vorgesetzte tun? (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Meinungsverschiedenheiten, “Flurtratsch” oder die schlechte Laune des Chefs trüben zwar das Betriebsklima, sind aus Expertensicht jedoch kein Mobbing. Als Mobbing gilt vielmehr, wenn

  • einzelne Personen am Arbeitsplatz systematisch und wiederholt über einen längeren Zeitraum schikaniert, drangsaliert, benachteiligt, ausgegrenzt, mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht werden und in dieser Situation unterlegen sind.

Nach Erfahrungen des Vereins gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) e.V. ist das Risiko, gemobbt zu werden, im Sozial- und Gesundheitswesen besonders hoch.1,2

Meistens Frauen betroffen

Grundsätzlich kann jeder zum Opfer werden. Gleichwohl sind Frauen stärker von Mobbing betroffen, da sie erheblich häufiger in nachgeordneten Bereichen und weniger in Führungspositionen tätig sind. 2

Dass auch Sexismus in Kliniken und Praxen eine Rolle spielen kann, zeigt die immense Resonanz auf unsere Frage “Sexismus in deutschen Kliniken und Praxen?”.

Der VPSM weist zudem daraufhin, dass viele der Mobbing-Opfer nicht selten ihre ausgeprägte Loyalität jahrelang unter Beweis gestellt haben und sich als besonders kreativ, innovativ und leistungsorientiert erwiesen haben.

Ursachen: Defizite der Führung

Die Ursachen für Mobbing liegen aus Sicht der Mobbing-Beratungsstelle in Defiziten in den Bereichen der Arbeitsorganisation, der Leitung und Supervision der Arbeit und in der Sozial- und Handlungsdynamik der Gruppen. Auch Personalabbau und -veränderungen wirken begünstigend. Daneben spielen Persönlichkeitsanteile aller Beteiligten und auch die allgemeine Zunahme der Gewaltbereitschaft eine Rolle.1

Mobbing-Handlungen: Häufige Erscheinungsformen in der Klinik

Zahlreiche Erfahrungsberichte zeigen auf, welchen Mobbing-Formen Ärzte in der Klinik ausgesetzt sind. Einige Beispiele:3

  • Erniedrigungen im Beisein anderer
  • Übertragung sinnloser Arbeitsaufgaben
  • Isolierung
  • Vorenthalten von wichtigen Informationen
  • Schlechtmachen durch andere
  • Sexuelle Belästigungen

10 Verhaltenstipps für Mobbingopfer

Experten raten Betroffenen dazu, Attacken nicht einfach ohne Gegenwehr über sich ergehen zu lassen. Folgende Ratschläge können helfen, aus dem Teufelskreis auszubrechen:

  1. Wehren Sie sich frühzeitig und lassen Sie sich bereits kleine Sticheleien nicht gefallen.
  2. Klären Sie Missverständnisse und suchen Sie früh die Aussprache mit dem “Täter”.
  3. Suchen Sie Verbündete unter Kollegen, die sich nicht am Mobbing beteiligt haben. Dies führt aus der Isolation. Auch können Zeugen bei einem arbeitsrechtlichen Prozess von Bedeutung sein.
  4. Dokumentieren Sie alle Mobbing-Vorfälle und halten Sie Datum, Ort und mögliche Zeugen schriftlich fest. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Überprüfung berufsrechtlicher Verstöße durch die Ärztekammer. Möglich wäre es auch, mit einem Mobiltelefon Gespräche und Situationen aufzunehmen.5
  5. Setzen Sie Ihren Vorgesetzten in Kenntnis: Informieren Sie ihn sachlich und bitten Sie ihn um Unterstützung. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zu intervenieren.
  6. Schalten Sie innerbetriebliche Bezugspersonen ein, wie Betriebs- oder Personalrat, Betriebsärzte, Psychologen oder Frauenbeauftragte.
  7. Informieren Sie die Personal- oder Geschäftsleitung über die Vorgänge. Handelt es sich beim Mobber um den Vorgesetzen, können Sie sich auch gemeinsam mit Betriebs- oder Personalrat an den nächsthöheren Vorgesetzten oder direkt an die Personalleitung wenden.
  8. Holen Sie sich außerhalb der Klinik Unterstützung. Neben der Familie, bieten sich Hausarzt, Psychologen, Beratungsstellen (VPSM , mobbing-net.de) oder Rechtsanwälte und die Ärztekammern an. Ein Adressverzeichnis der Ansprechpartner der Landesärztekammern finden Sie hier.
  9. Zeigen Sie selbst Zivilcourage, wenn andere gemobbt werden und ergreifen Sie Partei für Schwächere. So mobilisieren Sie unter Umständen auch andere Zeugen und ersticken so Mobbingversuche bereits im Keim.
  10. Trainieren Sie schützende Verhaltensweisen, wie etwa das “Nein-Sagen”. Hilfreich sind hierfür eine Therapie oder ein Coaching. Auch wenn Mobbing jeden treffen kann, gibt es prädisponierende Merkmale.

Lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags, welche juristischen Möglichkeiten Mobbingopfer haben und was Vorgesetzte tun können, um Mobbing zu vermeiden.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

  1. Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V: Mobbing erkennen und begegnen
  2. Heilmann Monika, Thieme-Verlag: Wenn der Arbeitsplatz zur Hölle wird
  3. Deutsches Ärzteblatt 2001; 98 (18): A-1170 / B-997 / C-934: Mobbing im Krankenhaus: Stich ins Wespennest
  4. Lösch Karin M. Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht: Mobbing am Arbeitsplatz: Welche Rechte haben Sie?

Bildnachweis: istockphoto.com, SIphotography

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