28. Oktober 2017

Aus dem Kollegenkreis

Mentale Stärke in der Medizin: 5 Techniken für mehr Gelassenheit

Stress in der Notaufnahme, Konflikte mit Kollegen oder schwierige Patienten – und trotzdem bleiben Sie konzentriert und reagieren souverän? Wie dies mit Mentaltraining tatsächlich gelingen kann, erläuterten die Diplom-Psychologin Isa Schlott und der Chefarzt für Anästhesie Dr. Martin J. Schlott auf dem HAI-Kongress in Berlin 1. coliquio-Redaktion hat die Mentalcoaches getroffen. (Lesedauer: 3 Minuten)

Interview und Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Marina Urbanietz.

Die Folgen von Stress und hoher Arbeitsbelastung in Klinik und Praxis sind deutlich spürbar: Rund ein Drittel der Ärzte leidet einer Befragung zufolge unter körperlichen Symptomen, mehr als ein Fünftel berichtet über regelmäßige psychische Beschwerden. 2 Nicht selten führen Dauerstress und Leistungsdruck zu Depressionen, Burn-Out oder sogar suizidalen Gedanken.

Umso weniger überraschend war die große Anzahl an Ärzten, die sich noch zu später Stunde zu dem Vortrag “Mentale Stärke” auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress der DGAI für Anästhesie und Intensivtherapie eingefunden hat.1

Mentale Stärke: Die innere Haltung verändern

“Wenn wir Stress nicht verringern und äußere Bedingungen nicht verändern können, müssen wir den Umgang damit neu erlernen”, erläutert Isa Schlott zu Beginn des Vortrags. Mental starke Menschen können sich auch in schwierigen Situationen auf das Ziel und ihre Aufgabe konzentrieren. Rückschläge und Niederlagen führen bei ihnen nicht so schnell zur Frustration.

Die Diplom-Psychologin betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Martin Schlott eine Mentalcoaching Akademie, in der die Teilnehmer Techniken erlernen, um ähnlich wie Spitzensportler, Entspannung und Höchstleistung auf den Punkt abzurufen. Hierzu zählen folgende Übungen:

1. Übung: In 2-Minuten den Kopf frei kriegen

Schließen Sie die Augen und nehmen Sie 3 Dinge wahr, die Sie hören. Halten Sie weiterhin die Augen geschlossen und nehmen Sie 5 Dinge wahr, die Sie jetzt spüren. “Wenn Sie diese Übung zweimal am Tag durchführen, haben Sie schon etwas, wie einen Kurzurlaub für Ihr Gehirn erlebt“, so die Psychologin.

2. Übung: Auf das Wesentliche fokussieren

Als Chefarzt für Anästhesie und Operative Intensivmedizin kennt Martin Schlott die täglichen Herausforderungen des klinischen Alltags: “Um entspannt und souverän sich selbst, Kollegen, Vorgesetzten und Patienten begegnen zu können, müssen wir das Bewusstsein für die Realität schärfen. Häufig fokussieren wir uns nur auf Fehler oder die Dinge, die wir nicht können”. Es gilt, so der Arzt weiter, die innere Haltung anhand folgender Fragen zu überprüfen:

  • Was ist eigentlich mein Ziel? Weshalb bin ich Arzt geworden?
  • Worauf richte ich meine Gedanken tatsächlich aus?

Wichtig sei außerdem zu hinterfragen, inwieweit man selbstbestimmt agiert: Sitze ich noch am Steuer oder halten andere das Steuer?

3. Übung: Positiv denken

Ergänzend betont Isa Schlott die Bedeutung des positiven Denkens. Man solle bewusst und gezielt Gedanken aufrufen, die einem guttun. Denn daraus ergeben sich positive Gefühle, die wiederum Einfluss auf die Handlung und das Ergebnis haben.

4. Übung: Ereignisse in einem neuen Kontext sehen

Die Technik des “Reframings” bezeichnet den Prozess, Ereignisse in einer neuen Perspektive zu sehen. “Fühle ich mich gestresst, weil ich im Stau stehe, so versuche ich mich nicht darüber zu beklagen, sondern ich mache das Beste aus der Situation. Endlich habe ich mal Zeit, Nachrichten auf meinem Handy zu lesen oder einfach die schöne Umgebung wahrzunehmen”, erläutert Isa Schlott. Die auf diese Weise gespeicherte Energie steht dann für wichtigere Dinge zur Verfügung.

5. Übung: Die eigene Handlung von außen betrachten

Eine ähnliche Technik ist die Dissoziation, bei der die Situation von außen beleuchtet wird. Aus der Metaebene heraus ist es leichter, eine andere Rolle einzunehmen und die eigene Haltung positiv zu verändern. Dies trägt wesentlich zu einem entspannteren Umgang mit Kollegen, Vorgesetzten und Patienten bei.

Dipl.-Psych. Isa Schlott und Dr. Martin Schlott im Gespräch mit coliquio

In diesem 3-minütigen Interview erfahren Sie, warum sich Ärzte für ein Mentalcoaching entscheiden sowie 3 Tipps, wie Sie in Stresssituationen einen kühlen Kopf bewahren.

Videodauer: 3 Minuten

Über die Referenten:

Dipl.-Psych. Isa Schlott, Personalentwicklung – Coaching – Training für die Medizin, Mentalcoaching Akademie Bad Tölz. Kontakt: isa@mentalcoaching-akademie.de

Dr. Martin J. Schlott, Chefarzt für Anästhesie und Operative Intensivmedizin, Asklepios Stadtklinik Bad Tölz, Kontakt: m.schlott@asklepios.com

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1. Vortrag “Mentale Stärke für die Medizin – gewinnen Sie die Freiheit zurück in der Situation gelassen zu reagieren”, 19. Hauptstadtkongress der DGAI Anästhesiologie und Intensivtherapie, 21.-23. September 2017, Berlin

2. Asklepios Kliniken Hamburg GmbH, Juli 2017: Unerfahrene Ärzte leiden am meisten unter Stress

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: spooh.

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