12. Januar 2016

Lungenembolie: Hohe Sterblichkeit schon ab 120 mmHg systolisch

Lungenembolie-Patienten mit Hypotonie haben eine besonders schlechte Prognose. Die Kurzzeit-Mortalität könnte aber schon bei systo­lischen Werten bis 120 mmHg deutlich erhöht sein. Darauf deutet eine Studie der Universität Mainz hin.

Dieser Beitrag von Dr. Beate Schumacher erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf
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Wenn Patienten mit einer akuten Lungenembolie eine Hypotonie entwickeln, dann steigt ihr Risiko, das Ereignis nicht zu überleben – die Mortalitätsrate klettert auf über 15%. Bisher besteht jedoch Uneinigkeit, ab welcher Höhe die Blutdruckwerte als kritisch einzu­stufen sind. Gemäß dem PESI (Pulmonary Embolism Severity Index) zeigen systolische Werte < 100 mmHg eine schlechte Prognose an. Kardiologische Fachgesell­schaften wie die European Society of Cardiology und die American Heart Association sehen erst in einem Wert < 90 mmHg einen Indikator für ein hohes Kurzzeit-Sterberisiko. Ärzte um Karsten Keller von der Universität Mainz, die den Zusammenhang in einer retrospektiven Studie überprüft haben, würden die Schwelle jedoch schon viel früher ansetzen. Selbst Werte ≤ 120 mmHg bedeuten ihrer Analyse nach eine mehr als 20-fach erhöhte Wahrscheinlichkeit, noch im Krankenhaus zu sterben.

20-fach höhere Mortalität

Ausgewertet wurden die Daten von 182 erwachsenen Patienten mit akuter Lungenembolie im mittleren Alter von 69 Jahren. Nur fünf von ihnen (2,7%) waren im Krankenhaus ge­storben. Erwartungsgemäß war die Kurzzeitsterblichkeit deutlich erhöht, wenn der systo­lische Blutdruck ≤ 90 bzw. ≤ 100 mmHg lag (Odds Ratio, OR 22,7 bzw. 16,1). Allerdings galt dies auch für Messwerte ≤ 110 und sogar ≤ 120 mmHg (OR 22,7 bzw. 22,2). Zusätz­lich bestand außerdem eine Korrelation mit dem diastolischen Blutdruck: Bei Werten ≤ 65 mmHg war die Krankenhausmortalität signifikant erhöht (OR 14,7).

Prognose hängt auch vom diastolischen Wert ab

Mithilfe von ROCKurven ermittelten die Studienautoren die Grenzwerte, die den besten Kompromiss aus Richtig und Falsch-Positiv-Rate reprä­sentieren: Cut-off-Werte von systolisch 119,5 bzw. diastolisch 66,5 mmHg sind laut Keller und Kollegen „exzellente“ Prädiktoren für die Krankenhaussterblichkeit. Für den Anteil von Fehlklassifikationen, Sensitivität, Spezifität, positiven und negativen Vorhersagewert ergeben sich bei einem systolischen Druck von maximal 119,5 mmHg Werte von 17,3%, 81,0%, 84,5%, 85,3% und 80,0%. Bei einem diastolischen Druck von maximal 66,5 mmHg lauten die entsprechenden Kennzahlen 11,6%, 100,0%, 81,2%, 76,8% und 100,0%.

Besserer Indikator als Troponin

Blutdruckwerte unter dieser Schwelle hätten in ihrer Untersuchung das Risiko für den Tod im Krankenhaus genauer vorhergesagt als die Höhe des kardialen Troponin I, berichten die Mediziner. Sie empfehlen, daher bei der Risikostratifizierung von Patienten mit akuter Lungenembolie zusätzlich zu kardialem Troponin und rechtsventrikulärer Dysfunktion den systolischen und diastolischen Blutdruck einzubeziehen.

  1. Dr. Beate Schumacher: springermedizin.de
  2. Keller K et al.; Am J Emerg Med 2015; 33: 1617–21: „Blood pressure for outcome prediction and risk stratification in acute pulmonary embolism“

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