27. Juli 2015

Für wen ist Laden-und-fahren die richtige Strategie?

Ob das vornehmlich aus der Traumatologie bekannte Rettungskonzept „Load and Go“ auf die Reanimation von Patienten nach einem Herzstillstand übertragbar ist, haben österreichische Notfallmediziner untersucht.

Dieser Beitrag von Robert Bublak erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie aufSpringer Medizin – AINS.

Ist eine adäquate Versorgung von Patienten am Notfallort nicht möglich, gilt es, sie schnellstmöglich in ein Krankenhaus zu transportieren. Diese „Load and Go“-Strategie ist damit vom „Stay and Play“ zu unterschieden, bei dem so lange an Ort und Stelle behandelt wird, bis der Patient uneingeschränkt transportfähig ist. Notfallmediziner um Michael Poppe von der Medizinischen Universität Wien haben im Zuge einer Studie analysiert, ob Laden-und-fahren auch für Patienten mit Herzstillstand ein taugliches Konzept darstellen könnte.

Fünf Kriterien

Die Wiener Mediziner haben sich dafür retrospektiv die Daten von 864 Patienten aus der Zeit von August 2013 bis Juli 2014 vorgenommen, die einen Herzstillstand im Alltagsumfeld erlitten hatten. Für die Anwendung von „Load and Go“ mit anschließender extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO) auf der Notfallstation legten sie folgende Kriterien zugrunde:

  • Alter unter 75 Jahre
  • Herzstillstand außerhalb klinischer Einrichtungen und unter Zeugen
  • lebensrettende Sofortmaßnahmen eingeleitet
  • Kammerflimmern oder ventrikuläre Tachykardie
  • keine Rückkehr der Spontanzirkulation nach 15-minütiger Anwendung erweiterter lebensrettender Maßnahmen.

55 Patienten (6%) erfüllten die Kriterien. Aber nur 16 (29%) wurden gemäß Load-and-Go in eine Klinik transportiert. Eine ECMO erhielten fünf (9%). Davon überlebte einer die ersten 30 Tage, allerdings in schlechtem neurologischem Zustand. Von den übrigen 50 Patienten, welche die Kriterien erfüllten und die keine ECMO bekamen, überlebten acht, vier davon mit schlechter neurologischer Funktion.

Insgesamt wurden 96 Patienten nach dem Load-and-Go-Konzept behandelt, die Kriterien dafür trafen auf die schon erwähnten 16 zu, auf die übrigen 80 nicht. Eine ECMO erhielten schließlich zwölf, zwei überlebten den ersten Monat, einer in gutem, einer in schlechtem Zustand. 84 blieben ohne ECMO, acht überlebten, vier mit schlechter Neurologie.

Potenzieller ECMO-Nutzen

Zunächst scheinen die Zahlen zu zeigen, dass die Transportbemühungen im Zuge von Load-and-Go mehr oder weniger vergeblich waren. Denn von den 96 Patienten, mit denen auf diese Weise verfahren wurde, erhielten zwölf eine ECMO und zwei von diesen überlebten, davon nur einer in gutem Zustand.

So wollen Poppe und Kollegen ihre Resultate aber nicht verstanden wissen. Sie verweisen darauf, dass von den zwölf ECMO-Patienten nur fünf die Kriterien für Load-and-Go erfüllten, umgekehrt aber von den 55, welche die Kriterien aufgewiesen hatten, nur fünf eine ECMO bekamen. „Die niedrigen Erfolgszahlen gehen vielmehr darauf zurück, dass noch kein Load-and-Go-Protokoll eingeführt worden war“, schreiben die Forscher in ihrem Fazit. Es seien im Wesentlichen die falschen Patienten transportiert worden. Die Studie habe aber gezeigt, dass es Patienten gebe, denen ein Transport zur ECMO unter fortgeführter kardiopulmonaler Reanimation potenziell nütze.

  1. Robert Bublak: springermedizin.de
  2. Poppe M. et al.; Official Journal of the European Resuscitation Council, online June 2015; doi: 10.1016/j.resuscitation.2015.03.003: The incidence of “load&go” out-of-hospital cardiac arrest candidates for emergency department utilization of emergency extracorporeal life support: A one-year review

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