06. Februar 2018

“Krebsvakzine” kann Tumore und Metastasen bei Mäusen heilen

Die lokale Aktivierung von T-Zellen hat im Mausmodell Tumore und Fernmetastasen ausgelöscht, berichten Stanford-Wissenschaftler. Nun werden Patienten für klinische Studien gesucht. (Lesedauer: 1 Minute)

Dieser Beitrag beruht auf einer Pressemitteilung der Stanford University, die Christoph Renninger für Sie zusammenfasst.1

Lokal appliziert, globale Wirkung

Die Injektion geringer Mengen zweier Wirkstoffe, die das Immunsystem stimulieren, in solide Tumore konnte bei Mäusen alle Spuren des Tumors, auch Fernmetastasen, im Tier auslöschen, so das Ergebnis einer Studie, die im Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlicht wurde.2 Der Therapieansatz war bei unterschiedlichen Tumorarten erfolgreich, darunter auch spontan entstehenden Erkrankungen.

Zur Reaktivierung der Tumor-spezifischen T-Zellen werden Mengen im Mikrogramm-Bereich von CpG-Oligonukleotiden (Ligand am TLR-9) und OX40-Antikörpern (gegen die TNF-Rezeptor-Superfamilie) direkt in den Tumor injiziert. Die im Tumor vorhandenen T-Zellen werden aktiviert und können daraufhin im ganzen Körper identische Tumorzellen angreifen.

Bei Mäusen mit transplantierten Lymphomen war die Behandlung äußerst effektiv. 87 von 90 Tieren konnten komplett von Krebszellen geheilt werden, bei drei Tieren trat der Tumor erneut auf, konnte jedoch mit einer zweiten Injektion behandelt werden. Bei Mäusen mit Brust-, Dickdarm- und schwarzem Hautkrebs waren die Ergebnisse ähnlich.

Auch genetisch-modifizerte Tiere, die eine hohe Rate an spontan auftretendem Brustkrebs haben, sprachen gut auf die Therapie an. Die Behandlung des erstmalig aufgetretenen Tumors verhinderte das Entstehen weiterer Tumore und verlängerte die Lebensdauer der Mäuse signifikant.

Gezielter Ansatz, auch beim Menschen

Die Forscher um Prof. Dr. Ronald Levy sind überzeugt, dass die lokale Applikation der Wirkstoffe eine schnelle und relativ günstige Krebstherapie darstellt, ohne die teilweise schweren Nebenwirkungen der körperweiten Immuntherapie.

Derzeit werden etwa 15 Lymphom-Patienten für eine klinische Studie rekrutiert. Einer der Wirkstoffe ist bereits zur Anwendung bei Menschen zugelassen, der andere wurde in mehreren klinischen Studien untersucht.

Der zielgerichtete, präzise Therapieansatz könne laut Levy, bei vielen verschiedenen Tumorarten zum Einsatz kommen, sofern dieser von T-Zellen infiltriert wurde. Nach der Behandlung gehen die Immunzellen spezifisch gegen die Tumorzellen vor, ohne dass zuvor das Antigen bestimmt werden muss.

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  1. Cancer ‘vaccine’ eliminates tumors in mice. Press Release, Stanford Medicine, 31.01.2018
  2. Sagiv-Barfi I et al. Eradication of spontaneous malignancy by local immunotherapy. Science Translational Medicine 2018; 10 (426): eaan4488.

Bildquelle: © man_at_mouse-istockphoto.com

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