05. April 2017

Krank nach lautem Singen

Fachkommentar der Autoren

Das lautstarke forcierte Singen führte zu einer Ruptur eines kleinen Bronchus mit konsekutiver Ausbildung eines mediastinalen Emphysems über den Macklin-Effekt.

Luft, die durch eine Ruptur der Alveolen in der Lunge frei wurde, diffundierte aufgrund der Druckverhältnisse durch das peribronchovaskuläre Interstitium über den Hilus in das Mediastinum und verursachte so ein Pneumomediastinum.

Pneumomediastinum: Die wichtigsten Ursachen

Ein spontanes Pneumomediastinum kann folgende Ursachen haben:

  • Asthmaexarzerbationen
  • Valsava-Manöver (starkes Husten, intensive körperliche Belastung, Gewichtheben, Geburt)
  • Rezidivierendes Erbrechen
  • Barotrauma (Fliegen und Tauchen)
  • Inhalation von Helium aus Party-Ballonen
  • Krampfanfälle
  • Starkes Singen oder Schreien

Alkohol und Drogen: Unter den weiteren bekannten Auslösern sind Alkoholüberkonsum und Inhalation von Drogen (Kokain, Heroin, Marihuana).

Zahnmedizinische Behandlung: Vor allem beim Arbeiten mit luftgetriebenen Turbinen im Unterkiefer ist ein Pneumomediastadium eine bekannte Komplikation, die bereits mehrmals in der Literatur beschrieben wurde.

Wichtig: Die häufigste Komplikation ist ein Spannungspneumothorax, der auf keinen Fall übersehen werden darf. Die wichtigsten Hinweise sind akute respiratorische Verschlechterung, gestaute Halsvenen und Zyanose.

Thoraxschmerz: Bei diesem klinischen Bild kann ein Pneumomediastinum vorliegen

  • Junge, schlanke Patienten mit oder auch ohne Asthma bronchiale
  • akute retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Hals- und Nackenbereich
  • Dyspnoe, ggbfs. mit Dysphonie oder Dysphagie
  • Halsvenenstauung (kann zusätzlich vorliegen)
  • Hamman-Zeichen (kann zusätzlich vorliegen)

Die richtige Vorgehensweise: Die Autoren der Publikation empfehlen in solchen Fällen, die Indikation zur konventionellen Thoraxübersicht auch bei normalem Status großzügig zu stellen, da ein Mediastinalemphysem konventionell-radiologisch bereits sichtbar ist. Zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss eines sekundären Pneumomediastinums ist ein Thorax-CT indiziert.

In folgenden Fällen empfehlen die Autoren eine weitere Abklärung eines sekundären Pneumomediastinums mittels Ösophagogramm mit wasserlöslichem Kontrastmittel:

  • Alter über 40 Jahre
  • Hyperemesis
  • Würgereiz
  • Abdominale Druckdolenzen
  • Leukozytose
  • CT-Nachweis von Pleuraerguss
  • Signifikante Atelektase
  • Pneumoperikard oder Pneumoperitoneum

So ging es mit dem 19-jährigen Patienten weiter

Nach der Diagnosesicherung wurde der Patient sofort stationär aufgenommen und erhielt bedarfsweise 2-4 l/min Sauerstoff über die Nasenbrille sowie eine Analgesie mit Ibuprofen 3 × 600 mg/d, worauf sich die Beschwerden rasch besserten. Am nächsten Tag zeigte auch das Thoraxröntgenbild ein leicht regredientes mediastinales Emphysem. Es bestanden keine Hinweise auf einen Pneumothorax und nach 36 Stunden konnte der Patient in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden.

Anschließend erließen die Ärzte ein Flugverbot für mindestens 2 Wochen und ein Tauchverbot bis zu einer tauchmedizinischen Abklärung.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Unerfahrenem Assistenzarzt unterlaufen 2 Fehler

Während des Routinebetriebs in einer Klinik erhält ein junger Anästhesist die Anweisung, einen Periduralkatheter aufzuspritzen. Doch der unerfahrene Arzt macht zwei Fehler. Zum Beitrag >>

Komatöser Patient mit Azidose – Genese?

Ein 53-Jähriger mit unklarem Koma weist eine Hyperkaliämie und eine metabolische Azidose auf – die Laktatbestimmung ist irreführend. Was steckt dahinter? Zum Beitrag >>

Totenflecke bei einer Lebenden: Woher kommen die Livores?

Bei schwierigen Patientenfällen ist wissenschaftliche Literatur für Ärzte oft eine zuverlässige Stütze. Doch manche Anomalien wurden noch nie beschrieben, wie auch folgender Fall. Zum Beitrag >>

Titelbild: iStock. Bildnachweis: JohnnyGreig.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigter Geschäftsführer:
Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653