21. Dezember 2015

Kohlenmonoxid-Vergiftung: Darauf sollten Sie achten

Ab einer bestimmten Konzentration stellt Kohlenmonoxid (CO) eine tödliche Gefahr dar. Das Gas ist durchsichtig, geruchs- und geschmackslos und so ist bei einem Notfall, insbesondere wenn die CO-Quelle bereits versiegt ist, die Vergiftungsgefahr nicht immer offensichtlich. Neben dem Selbstschutz ist ein schnelles Eingreifen der Rettungskräfte gefragt. Erfahren Sie hier, in welchen Situationen Sie mit einer CO-Vergiftung rechnen sollten, welche Maßnahmen am Einsatzort zu ergreifen sind und worauf es bei Diagnostik und Behandlung einer CO-Vergiftung zu achten gilt.

Insbesondere wenn am Einsatzort Kamin-, Ofen- oder Gasinstallationen oder Feuerstätten betrieben werden, ist mit einer CO-Vergiftung zu rechnen. Auch beim Einsatz in Autowerkstätten, Garagen oder Tunnels sowie nach Bränden ist Vorsicht geboten.2

Maßnahmen am Einsatzort

  • Denken Sie bei der Rettung von Patienten aus der Gas-Atmosphäre unbedingt an Ihren eigenen, sowie an den Schutz Ihres Rettungsteams.
  • Begrenzen Sie die CO-Exposition am Einsatzort, indem Sie die weitere CO-Zufuhr so schnell wie möglich durch Belüftung unterbrechen (Eliminationsdauer in Frischluft: 230-320 min). Sollte dies nicht möglich sein, bringen Sie den Patienten ins Freie.2
  • Ab CO-Konzentrationen > 500 ppm empfiehlt das Giftinformationszentrum Nord den Gefahrenbereich zu verlassen und eine Personenrettung nur nach Absenken der CO-Konzentration oder unter Umluftunabhängigem Atemschutz durchzuführen.3

Diagnostik der Kohlenmonoxid-Vergiftung

  • CO-Vergiftungen manifestieren sich häufig in uncharakteristischen Symptomen2mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit. Bei höheren Konzentrationen können aber Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und Herzrhythmus­störungen auftreten.
  • Betroffene weisen trotz Sauerstoffmangels eine Gesichtsrötung durch Gefäß­erweiterung auf. Achtung: Die „kirschrote“ Hautverfärbung, die auf eine schwere akute Intoxikation hinweist, tritt seltener auf als erwartet. Auch eine Zyanose tritt für gewöhnlich nicht auf.2
  • Führen Sie, wenn möglich, bereits am Einsatzort eine präklinische Schnelldiagnostik mit CO-Hb-Pulsoxymeter durch.3
  • Achten Sie bei der Blutabnahme zur Bestimmung des CO-Hb-Wertes und der Blutgasanalyse darauf, dass diese möglichst vor der Sauerstoffbeatmung erfolgt2und dass hierfür Vakuumröhrchen verwendet werden.

Therapie der CO-Vergiftung

  • Patienten sollten bereits am Einsatzort mit 100% O2 beatmet werden.2
  • Gerade bei hohen CO-Hb-Konzentrationen mit neurologischen Defiziten kann eine hyperbare O2-Therapie/Oxygenierung die Rate neurologischer Spätkomplikationen deutlich senken und hyperbare Folgeschäden wie Cephalgie und Schwindel verhindern.1,2 Kontraindikationen wie etwa ein Pneumothorax sind vorher auszuschließen.
  • Gegebenenfalls kann eine Sedierung, Lungenödemprophylaxe und -therapie oder ein Ausgleichen der Azidose mit Bicarbonat erforderlich sein.2
  • Schätzen Sie eventuelle Folgeschäden durch kardiologische und neurologisch-psychiatrische Untersuchungen ab.2

Detaillierte Handlungsempfehlungen bei CO-Intoxikation enthält zum Beispiel die S1 AWMF-Leitlinie Arbeit unter Einwirkung von Kohlenoxid (Kohlenmonoxid) >>. 
Nähere Informationen zur hyperbaren Oxygenierung sowie lokale Standorte der Überdruckkammern 
finden Sie hier >>.

  1. Thieme, Ärzte in Weiterbildung: Wer war’s – Pizza, Ofen, Wasserpfeife?
  2. S1 AWMF-Leitlinie, Stand: Juni 2011: Arbeit unter Einwirkung von Kohlenoxid (Kohlenmonoxid)
  3. Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen: Hinweise und Empfehlungen zur Handhabung von Kohlenstoffmonoxidwarngeräten im Rettungsdienst

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