20. September 2018

Gehaltsverhandlung: 9 Experten-Tipps für Ärzte

Nach wie vor gibt es erhebliche Gehaltsunterschiede unter Ärzten, die vergleichbare Positionen besetzen. US-Mediziner und Verhandlungsexperten haben nun 9 Tipps zusammengestellt, wie Sie bei Gehaltsverhandlungen bessere Ergebnisse erzielen und Ihre Karriere vorantreiben können.

Lesedauer: 3 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf den Empfehlungen, die kürzlich in Medscape veröffentlicht wurden.1 Marina Urbanietz fasst hier die wichtigsten Tipps für Sie zusammen.

1. Zielgehalt nennen, das im oberen Zielbereich liegt

Es lohnt sich, Ärzte und Ärztinnen mit ähnlicher Berufserfahrung in einem Fachgebiet zu fragen, was sie verdienen. Viele Kollegen möchten Gehalts-Informationen nicht preisgeben, die jüngere Generation scheint jedoch in dieser Beziehung viel offener zu sein, betont Dr. Sara Jo Grethlein, Leiterin der hämatologischen und onkologischen Beratungsstelle am Indiana University Health Simon Cancer Center in Indianapolis.

Nachdem man ermittelt hat, in welcher Verdienstspanne sich das Job-Angebot bewegen könnte, sollte man ein Zielgehalt nennen, welches im oberen Zielbereich liegt, das verbessert die Verhandlungsposition. Der Mindestbetrag, den man bei Gehaltsverhandlungen nennt, sollte auf jeden Fall über dem liegen, was man als untere Grenze akzeptieren würde.

Viele Ärztinnen begehen außerdem den häufigen Fehler, dass sie sich nur nach dem Gehalt von weiblichen Kollegen erkundigen. Laut US-Expertinnen ein völlig falscher Ansatz: viele Frauen erhalten wahrscheinlich nicht das Gehalt, das grundsätzlich in der jeweiligen Position möglich wäre. So verdienen Männer im Schnitt 25% mehr als ihre Kolleginnen.2

2. Finanzielle Lage des Arbeitgebers prüfen

Einer der besten Zeitpunkte, sich nach dem Gehalt zu erkundigen, ist während des Bewerbungsgespräches. Noch vor dem ersten Vorstellungsgespräch sollte man möglichst viele Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse der anvisierten Klinik sammeln. Bei den Verhandlungen über ein höheres Gehalt ist es entscheidend, genau zu wissen, wie das Unternehmen aktuell finanziell dasteht und ob möglicherweise wirtschaftliche Probleme abzusehen sind.

3. Kein Angebot ohne Verhandlung annehmen

Gerade Frauen nehmen oft ein Angebot für ihre erste Stelle als Oberärztin an, ohne zu verhandeln – sie sind von dem Betrag beeindruckt, weil er deutlich höher ist, als das Gehalt, das sie als Assistenzärztinnen verdient haben. Sara Laschever, Verhandlungsexpertin aus den USA, betont, dass Ärzte durchschnittlich 35% mehr verlangen als Ärztinnen.

4. Sich nicht auf mündliche Versprechungen verlassen

Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen, z.B. wenn Ihnen in 6-12 Monaten eine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt wird. Was nicht schriftlich festgelegt ist, kann auch nicht eingefordert werden.

5. Nach Extras fragen

Verhandlungen um das Personal und die Ausstattung einer Position können dabei helfen, erfolgreicher zu arbeiten und ein höheres Gehalt zu erreichen. Dabei sollte man sich bewusst machen, dass im Prinzip alles verhandelbar ist – freie Tage genauso wie z.B. Klinik- oder Laborräume, Büro- oder Laborassistenten oder Geld für Fortbildungsveranstaltungen.

6. Hilfreich: Die „Broken-Record“-Technik

Experten empfehlen, bei Gehalts- und Leistungsverhandlungen die „Broken-Record“-Technik anzuwenden: Wenn Ihr Gegenüber auf eine bestimmte Antwort drängt, wiederholen Sie immer wieder die gleiche Antwort. Wenn ein potenzieller Arbeitgeber z.B. sagt, dass es eine Budgetkrise gibt und er nicht das Geld hat, um die Gehaltswünsche zu erfüllen, beharrt man freundlich und bestimmt auf seiner Position: „Ich verstehe, wie Sie sich fühlen, aber um erfolgreich zu sein, brauche ich Summe X“.

Dabei ist es wichtig, immer ruhig zu bleiben und Ihre Gründe sachlich zu nennen. „Damit ich in dem Job, für den Sie mich einstellen möchten, erfolgreich sein kann, brauche ich diese und jene Mittel.“

7. Auch höhere Positionen in Betracht ziehen

Viele Ärzte bewerben sich für höhere Positionen nicht, weil sie nicht alle in der Stellenausschreibung aufgeführten Qualifikation haben. Sie können nicht in jedem Bereich, der in der Ausschreibung genannt wird, Experte sein. Vieles wird erst am Arbeitsplatz erlernt.

Ärzte, die sich um Führungspositionen bewerben, sollten mit potentiellen Arbeitgebern über die finanzielle Unterstützung für professionelle Weiterbildungsprogramme sprechen, durch die sie ihre Führungsrolle vorantreiben können. In Deutschland werden diverse Programme zum Führungscoaching unter anderem auch von den Ärztekammern und den Ärztevereinigungen angeboten.

8. Das aktuelle Gehalt nicht preisgeben

Die Frage nach dem aktuellen Gehalt sollte man möglichst nicht oder nur sehr vage beantworten. Wenn der Arbeitgeber auf einer Zahl besteht, sollte eher eine Gehaltsspanne angegeben werden.

9. Nicht zu aggressiv fordern

Ein zu aggressives Verhalten kann bei Verhandlungen auch von Nachteil sein. Man sollte versuchen, nicht bedrohlich, rechthaberisch oder allzu fordernd zu wirken. Das Ende der Verhandlungen sollte man möglichst nur riskieren, wenn man schon ein attraktives, anderes Angebot in Aussicht hat.

Gehaltserhöhung bei bestehender Anstellung: Wenn man bei einer Gehaltserhöhung übergangen wurde und mit der persönlichen Leistungsbewertung nicht einverstanden ist, sollte man das äußern. Am besten verfügt man über detaillierte Aufzeichnungen seiner Verdienste und informiert den Arbeitgeber schriftlich über die eigenen Gehaltsvorstellungen in der Zukunft.

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