15. April 2017

Fieber nach Fernreise: Gezielt zur Diagnose

Fernreisen sind sehr beliebt, doch besteht je nach Ziel das Risiko, sich mit exotischen Erregern zu infizieren. Erfahren Sie hier, mit welchen Anamnesefragen Sie wichtige Hinweise auf die Ursache von Fieber bei Reiserückkehrern erhalten.

Dieser Artikel beruht auf einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Lege artis 2016; 6(4): 236-241.1 Christoph Renninger, coliquio-Redaktion, stellt wichtige Punkte daraus zusammen.

Schutzmaßnahmen in der Notaufnahme

Nach internationalen Kurzzeitreisen (≤2 Wochen) zählt Fieber neben Durchfall und Hautveränderungen zu den häufigsten Symptomen.

Reiserückkehrer mit Fieber in der Notaufnahme sollten bis eine infektiöse Erkrankung ausgeschlossen ist, in einem separaten, geeigneten Raum untersucht werden. Zum Eigenschutz von Untersucher und Mitarbeitern empfiehlt es sich, die Anamnese unter Wahrung eines Sicherheitsabstandes (mind. 1 m) und mit Handschuhen und Mundschutz durchzuführen.

Reiseanamnese: 6 nützliche Fragen

Folgende Fragen liefern erste Hinweise auf die Diagnose:

1. Wo hat sich der Patient aufgehalten? (Hinweis auf mögliche Erreger, z.B. hohe Malariaprävalenz in Tansania, keine auf den Malediven)

2. Wie lange war er unterwegs, seit wann ist er wieder zurück? (Krankheiten mit kurzer Inkubationsdauer (<10 Tage), wie Dengue, Gelbfieber oder Chikungunya, können möglicherweise ausgeschlossen werden)

3. Wie sieht der Impfstatus aus? Malariaprophylaxe (schließt eine Erkrankung nicht aus)?

4. Kam es zum Kontakt mit kranken Personen oder Tieren (Tularämie, Leptospirose, Ebola)?

5. Wurde in einem Binnengewässer gebadet (Schistosomiasis) oder Wasser aus offenen Trinksystemen getrunken? (Legionellen)

6. Beinhaltete die Reise den Besuch von Höhlen? (z.B. Ebola über Fledermäuse)

Wichtig: Bei Fieber nach entsprechender Reiseanamnese muss als erstes eine Malaria ausgeschlossen werden!

Fieberverlauf: Hinweis auf mögliche Differenzialdiagnosen

Fiebertypen, modifiziert nach Escher 1
FieberverlaufDifferenzialdiagnosen
PeriodischMalaria, Borrelien
KontinuierlichFleckfieber, Typhus, Brucellose
IntermittierendTuberkulose, Serositis, Cholezystitis
Sattelfieber mit Spitzen am Morgen und AbendLeishmaniose
Zweigipflig, erneut nach FieberfreiheitDengue, Malaria

Weitere Diagnostik in der Übersicht

Bei der klinischen Untersuchung sollten Sie besonders auf Gelenkschwellungen (z.B. Chikungunya), Hepatosplenomegalie (z.B. Schistosomiasis, Brucellose, Leishmaniose) und Hautveränderungen (Petechien bei viral-hämorrhagischem Fieber, Exanthem bei Dengue) achten.

Die weiterführende apparative Diagnostik umfasst ein Differenzial-Blutbild (Thrombozyten, C-reaktives Protein, Kreatinin, Glukose und Leberwerte), sowie Analysen des Urins und Stuhls. Ebenso hilfreich sind eine Röntgenaufnahme des Thorax, ein EKG und eine Sonographie des Abdomens.

Anhand folgender zusätzlicher Symptome und der festgestellten Befunde lässt sich die Diagnose weiter eingrenzen:

  • Durchfall: Diese häufigste Begleiterscheinung kann auf Viren, Bakterien (z.B. Escherichia coli, Salmonella typhi) und Parasiten (z.B. Giardia lamblia, Entamoeba histolytica) hinweisen.
  • Lymphknotenschwellungen: Treten u.a. bei Rickettsiosen (je nach Lokalisation des Biss oder Stiches) und Trypansomiasis (vergrößerte Nackenlymphknoten) auf.
  • Pneumonie: Möglich ist je nach Reiseland eine Infektion mit dem Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV), vor allem nach Kontakt mit Kamelen. Bei Urlaubern, die sich in Mexiko oder Kalifornien aufgehalten haben, kann eine Coccidiomykose die Ursache der Lungenentzündung sein.

Über aktuelle Krankheitsausbrüche gut informiert

Auch wenn sie selten sind: Hochkontagiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen (HKLE) stellen eine Herausforderung dar. Über aktuelle Krankheitsausbrüche weltweit informiert die International Society for Infectious Diseases auf der Seite ProMED-mail.

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  1. Escher M. Der Reiserückkehrer mit Fieber – Gezielte Anamnese und Diagnostik. Lege artis 2016; 6(04): 236-241.

Bildquelle: © littlehenrabi-istockphoto.com

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