13. Juli 2018

Aus dem Kollegenkreis

Der Ertrinkungsunfall – Teil 2

Lesen Sie hier, welche weiteren Maßnahmen bei einem Ertrinkungsunfall im Rahmen der rettungsdienstlichen Versorgung und der intensivmedizinischen Therapie aus Sicht des Notarztes Dr. Tobias Warnecke erfolgen sollten.1

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Beitrag wird vertreten von Dr. med. Tobias Warnecke, Evangelisches Klinikum Niederrhein, Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin. Redaktion: Dr. Nina Mörsch. Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Weitere medizinische Versorgung bei Ertrinkungsunfällen

Im Rahmen der Rettungsdienstlichen Versorgung erfolgt unter CPR die endotracheale Intubation mit anschließender PEEP-Beatmung. Bei spontanatmenden Patienten wird hochdosierter Sauerstoff verabreicht, ggf. auch als Nicht-invasive CPAP-Beatmung. Via Magensonde wird unter CPR der Magen entlastet.

Ein weiterer Fokus liegt im Wärmeerhalt und der Wiedererwärmung hypothermer Patienten. Bei Lagerungsmaßnahmen kann es durch Umverteilung von kaltem Blut aus der Peripherie Richtung Herz, so genannter Afterdrop, zu einem (erneuten) Kreislaufstillstand kommen. Bei  der Gabe von Medikamenten ist ein verzögerter Wirkeintritt bei Hypothermie zu beachten, wobei unter 30°C Körpertemperatur auf die Applikation von Medikamenten verzichtet werden sollte.

Wichtige Maßnahmen des Rettungsdienstes sind:

  • Fortführen der CPR nach ERC-Leitlinien (mindestens bis zum Erreichen einer Normothermie)
  • Gegebenenfalls Defibrillation
  • Endotracheale Intubation / Applikation Sauerstoff / gegebenfalls CPAP-Therapie
  • Immobilisation der HWS/des gesamten Patienten je nach Unfallhergang
  • In Ausnahmefällen (z.B. Hypothermie) erfolgt ein Transport unter laufender Reanimation

Intensivmedizinische Therapie

Im Rahmen der intensivmedizinischen Therapie wird nach Wiederherstellen der Homöostase (Elektrolyte, Blutgase , Gerinnung usw.) vor allem ein mögliches Lungenversagen (ARDS) behandelt. Dieses entsteht unter anderem durch das Auswaschen des Surfactant aus den Alveolen. Gegebenenfalls muss über den Einsatz der Extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) nachgedacht werden. Weiterhin  müssen begleitende Traumata sowie für den Unfall ursächliche Erkrankungen wie z.B. ein akuter Myokardinfarkt therapiert werden.

Insgesamt ist Ertrinken laut WHO ein häufiger Unfalltod, zu dessen Vermeidung eine frühe Rettung und Wiederbelebung durch Ersthelfer essentiell ist.  Im Vordergrund der Hilfsmaßnahmen steht die Beseitigung der Hypothermie.

Zur Person: Dr. med. Tobias Warnecke ist Assistenzarzt im Evangelischen Klinikum Niederrhein – Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Er ist aktiver Notarzt und Instruktor bei den Trauma Kursen des ERC (European Traum Course – ETC). Vor und während seines Medizinstudiums war er lange Jahre im Rettungsdienst der Stadt Köln tätig.

1. Reanimationsleitlinie des European Resuscitation Council (ERC) 2015.

Bild: © iStock.com/no_limit_pictures

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