13. Juli 2018

Aus dem Kollegenkreis

Der Ertrinkungsunfall: 8 wichtige Schritte

Mit Beginn der Badesaison nehmen auch Notfälle rund um die Gewässer zu, so dass jeder Arzt in die Verlegenheit kommen kann, bei einem Ertrinkungsunfall adäquate erste Hilfe leisten zu müssen. Der Notarzt Dr. med. Tobias Warnecke erläutert die wichtigsten Erstmaßnahmen.1

Lesedauer: 2 Minuten

Der folgende Beitrag wird vertreten von Dr. med. Tobias Warnecke, Evangelisches Klinikum Niederrhein, Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin. Redaktion: Dr. Nina Mörsch.

Beim Ertrinkungsnotfall taucht der Verunfallte ganz (Submersion) oder teilweise (Kopf oberhalb des Wasser, Immersion) ein, was im Ergebnis zu einer respiratorischen Beeinträchtigung führt. Weitere Begrifflichkeiten und Definitionen („nasses“ VS „trockenes“ Ertrinken, Beinahe-Ertrinken usw.) haben häufig akademischen Charakter und sind vor allem für die Erste-Hilfe irrelevant.

Erste Hilfe im Ertrinkungsnotfall: 8 Schritte

Unabhängig vom  jeweiligen Notfallszenario gilt es vor allem den Eigenschutz der Helfer zu beachten und wann immer möglich, sollte die verunfallte Person ohne Betreten des Wassers gerettet werden. Muss der Ertrinkende schwimmend gerettet werden, sollte sich der Helfer von hinten nähern, damit sich das Opfer nicht panisch an ihn klammert. Eine bewusstlose Person kann mit beiden Händen am Kinn, im so genannten Kopfschleppgriff an Land gebracht werden. Wichtig ist, dass die Atemwege hierbei über Wasser bleiben. Anschließend soll durch Ersthelfer erst außerhalb des Gewässers mit folgenden Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen werden:

Erste Hilfe: 8 Schritte im Überblick

  1. Prüfung von Bewusstsein und Atmung
  2. Hilfe herbei rufen, Rettungsdienst alarmieren (Tel. 112)
  3. Atemwege öffnen
  4. Fünf initiale Beatmungen durchführen
  5. Kardiopulmonale Reanimation (CPR, Erwachsene 30:2, Kinder 15:2)
  6. Anwendung eines Automatischen externen Defibrillators (AED), falls vorhanden
  7. Bei möglichen Wirbelsäulenverletzungen sollten unnötige Bewegungen vermieden und der Patient schonend/immobilisiert gelagert werden
  8. Entfernen nasser Kleidung, Wärmeerhalt

5 initiale Beatmungen von zentraler Bedeutung

Auch wenn verschiedene Untersuchungen in der Vergangenheit die Effektivität der so genannten Compression-only Reanimation (ohne Beatmung) durch Laien gezeigt haben, ist beim Ertrinkungsunfall auf Grund der asphyktischen Genese die Beatmung von zentraler Bedeutung. Der Ausgleich der Hypoxämie durch die fünf initialen Beatmungen, kann in einigen Fällen schon zum Wiedereinsetzen des Kreislaufs (ROSC) führen.

Abb.1: Esmarch Handgriff
Abb.1: Esmarch Handgriff

Während der Beatmung kommt es häufig zur Regurgitation, Schaumbildung und Aspiration. Trotzdem muss die Beatmung fortgeführt werden. Wenn vorhanden, kann hierbei ein Beatmungsbeutel mit Maske oder durch geübte Helfer ein Supraglottischer Atemweg (SGA) genutzt werden.  Bei ROSC sollten die Atemwege mit dem Esmarch-Handgriff (siehe Abb.1) frei gehalten und der Patient fortwährend überwacht werden, um ein erneutes Kreislaufversagen sofort zu erkennen. Muss der bewusstlose Patient alleine gelassen werden (zum Herbeiholen von Hilfe oder Versorgen weiterer Betroffener), kann er in die Stabile Seitenlage verbracht werden.

Wichtig: Eine laufende Reanimation sollte auf jeden Fall bis zum Erzielen eines ROSC oder dem Eintreffen des Rettungsdienstes fortgeführt werden. Gerade bei Hypothermie (hier Körperkerntemepratur unter 35°C, z.B. nach Einbruch ins Eis) sind Fälle mit gutem neurologischen Outcome auch nach minutenlanger Submersion und langer No-flow-Zeit hinlänglich bekannt. Lesen Sie dazu auch: 19-Jähriger überlebt Beinahe-Ertrinken nach 20 Minuten unter Wasser.

Erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags, welche weiteren wichtige medizinische Maßnahmen im Rahmen der rettungsdienstlichen Versorgung sowie auf der Intensivstation bei einem Ertrinkungsunfall erfolgen sollten.

1. Reanimationsleitlinie des European Resuscitation Council (ERC) 2015.

Titelbild: © iStock.com/alexis84

Abbildung 1: © Urban & Fischer 2003 – Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.

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