14. Februar 2018

Aus dem Kollegenkreis

Drogen-Notfall: Die wichtigsten Erstmaßnahmen

Notärzte werden immer häufiger mit Drogenintoxikationen konfrontiert. In den letzten Jahren rückten dabei neben Cannabis oder Kokain weitaus härtere Substanzen wie Crystal Meth in den Fokus. Der Notarzt Dr. Ingo Blank erläutert hier die wichtigsten medizinischen Erstmaßnahmen. (Lesedauer: 2 Minuten)

Redaktionelle Umsetzung: Dr. Nina Mörsch.

Sogenannte „Partydrogen“ sind keinesfalls als Synonym für ungefährliche Rauschmittel zu verstehen, erläutert Dr. Blank. Die Bezeichnung geht vielmehr darauf zurück, dass die entsprechenden Drogen insbesondere auf Partys oder in Clubs eingenommen werden. Während der Konsum von Cannabis und Kokain in der Party-Szene erheblich abgenommen hat, gelten derzeit aktuell Speed, Ecstasy, LSD, GHB oder das deutlich stärkere Crystal Meth als typische Partydroge. Lesen Sie mehr im Beitrag über neue psychoaktive Substanzen.

Erste Regel am Einsatzort: Eigenschutz beachten!

Wie bei allen Notfalleinsätzen hat am Einsatzort der Selbstschutz des Rettungsteams oberste Priorität.  Wichtig ist ein kurzes Innehalten beim Betreten des Einsatzortes, um mögliche Risiken aktiv zu suchen und entsprechende Bedenken auch zu äußern. Zum Selbstschutz gehören in solchen Situationen besonders:

  • die Einschätzung des Einsatzortes und das Erkennen möglicher Gefahren, beispielsweise durch umherliegende Gegenstände wie gebrauchte Spritzen,
  • das Achten auf möglicherweiße aggressive Drittpersonen sowie
  • die Beurteilung einer zusätzlichen Gefährdung, beispielsweise durch Suizidabsichten des Patienten.

Unter Umständen führt dies zu einer zeitlichen Verzögerung der Patientenversorgung, etwa weil die Polizei zur Sicherung der Situation erforderlich ist. Dies müsse aus Sicht des Arztes im Interesse des Eigenschutzes jedoch in Kauf genommen werden.

Partydrogenkonsumenten: Therapie erfolgt symptomorientert

In den meisten Fällen steht am Einsatzort kein Drogenschnelltest zur Verfügung. Notarzt und Rettungshelfer müssten deshalb möglichst genau erfragen, wann welche Drogen in welcher Menge eingenommen wurden. Nicht selten liegen Mischintoxikationen vor – beispielsweise GHB/GBL mit Alkohol oder Amphetamine mit Marihuana.

Auch müssen die Helfer damit rechnen, dass der Drogenkonsum zunächst verheimlicht wird: „Nicht immer sagen Betroffene oder die Anwesenden gleich die Wahrheit. Manchmal kommt diese erst im Krankenhaus ans Licht,“ erläutert der Notarzt. Aus diesem Grund erfolgt die Therapie in den meisten Fällen symptomorientiert.

Die wichtigsten medizinischen Erstmaßnahmen

Für die präklinische Notfallmedizin sind vor allem Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung von Bedeutung. Folgende medizinische Maßnahmen sind empfohlen:

Vigilanzprüfung: Die initiale Therapie beginnt damit, die Vigilanz des Patienten zu überprüfen. Dies geschieht durch Steigern der Reizintensität:

  • Ansprechen
  • Berühren
  • Setzen eines Schmerzreizes

Oberste Priorität hat die Sicherung der Vitalfunktionen. Bei Bewusstseinsminderung und Koma ist die Gefahr eines verlegten Atemweges und fehlenden Schutzreflexen mit erhöhter Aspirationsgefahr besonders groß. Vigilanzstörungen können auch andere Ursachen haben, lesen Sie mehr über wichtige Differenzialdiagnosen.

Bei vorhandener Spontanatmung kann der Patient in die stabile Seitenlage gebracht werden. Tief komatöse Patienten (Glasgow Coma Scale, GCS ≤ 8) müssen in der Regel wegen erhöhter Aspirationsgefahr und insuffizienter Atmung intubiert werden. Bei unklarer Bewusstlosigkeit muss stets eine Blutzuckerbestimmung erfolgen.

Messung der Vitalparameter und EKG: Nach der Vigilanzprüfung werden die Vitalparameter (Blutdruck, Puls, O2-Sättigung) gemessen und ein EKG abgeleitet. Dr. Blank empfiehlt, wenn möglich, einen venösen Zugang zu legen und eine Ringer-Acetat-Lösung (500 ml) zum Offenhalten anzuschließen. Da jedoch Aggressivität eine mögliche Nebenwirkung der Drogeneinnahme ist, wird dies das Legen eines i.v. Zugangs nicht immer gelingen. Im Zweifelsfall sollte der Versuch dann unterlassen werden. Anschließend sollte nach den ABC-Regeln untersucht und symptomatisch behandelt werden.

Lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags, zu welchen somatischen Begleiterscheinungen Partydrogen führen können und welche Therapiemaßnahmen indiziert sind.

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Rettungsdienst, 10.11.2017: Partydrogen erkennen, richtig behandeln

Bildquelle: istockphoto.com, Bildnachweis: sturti

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