20. Juli 2016

Chirurgische Knoten: Doppelt behandschuht knüpft schlechter

Doppelte Handschuhe sind für Chirurgen wohl ein stärkeres Handicap als bisher angenommen: In einer Studie hielten die Knoten, die doppelt geschützte Hände geknüpft hatten, deutlich schlechter.

Dieser Beitrag von Dr. Elke Oberhofer erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf
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Zum Schutz vor intraoperativen Verletzungen empfehlen Fachgesellschaften wie das American College of Surgeons dem Chirurgen, während der Op. zwei Handschuhpaare übereinander zu ziehen. Wie eine Cochrane-Analyse 2013 bestätigt hat, lässt sich dadurch zumindest das Risiko einer Verletzung des inneren Handschuhs deutlich senken. Auch das RKI sieht das Tragen von zwei Paar Handschuhen als sinnvolle Maßnahme gegen Perforationen, zumindest während „invasiver Eingriffe mit hoher Verletzungsgefahr“.

Weniger Gefühl in den Fingern

Die Maßnahme ist bei den Operateuren selbst wenig beliebt: Durch die doppelte Schicht, so argumentieren viele, habe man nicht nur weniger „Gefühl“ in den Fingern, sondern auch die Fingerfertigkeit werde beeinträchtigt. Daher wenden viele Kollegen die doppelte Behandschuhung nur in Ausnahmefällen an, etwa wenn der Patient im Verdacht steht, an einer durch Blut übertragbaren Krankheit zu leiden.

Dass die Aversion der Praktiker nicht ganz unbegründet ist, legt eine experimentelle Studie aus Großbritannien nahe: Darin war die Fähigkeit der Teilnehmer, simple chirurgische Knoten zu knüpfen, durch das Tragen von zwei Handschuhpaaren deutlich reduziert.

Kongressteilnehmer zum Knoten aufgefordert

Die Chirurgen um Christopher L. F. Battersby von der Mersey School of Surgery in Liverpool hatten die Probanden für ihr Experiment auf einer Fachtagung rekrutiert, dem Jahreskongress der „Association of Surgeons of Britain and Ireland“. Dort baten die Forscher 63 Kongressteilnehmer, Knoten zu knüpfen. Diese wurden dann mit einem speziell entwickelten Test, dem Knot Quality Score (KQS) auf ihre Haltbarkeit überprüft.

Jeder der Teilnehmer schlang insgesamt 24 Knoten mit unterschiedlichem Nahtmaterial: zunächst jeweils drei mit Vicryl 2-0, Vicryl 4-0, Prolene 2-0 und Prolene 4-0 bei doppelter Handschuhausstattung, danach alles noch einmal mit nur einem Handschuhpaar. Bei geflochtenem Nahtmaterial (Vicryl) mussten jeweils Dreifachknoten gebunden werden, bei Prolene (Monofilament) fünf. Die Knoten wurden auf Kunstgewebe geknüpft. Danach wurde jeder Knoten zwischen zwei Haken gespannt und durch Auseinanderziehen auf seine Festigkeit geprüft.

Deutlich schlechtere Knotenqualität

Nach Battersby und Kollegen war die Knotenqualität bei doppelt geschützten Händen deutlich schlechter, und zwar über alle Nahtmaterialen hinweg (p jeweils < 0,05). Der KQS-Wert lag für alle Nähte zusammengenommen bei 1,677 für die Einfachbehandschuhung und bei 1,460 für das doppelte Handschuhpaar. Am größten war die Differenz beim Monofilament der Stärke 4-0: Hier verminderte sich die Knotenqualität durch den Doppelschutz den Forschern zufolge um nahezu 50%.

Nur 21% der Probanden gaben an, bei Operationen regelmäßig doppelte Handschuhe zu tragen. 62% taten dies nur gelegentlich und 17% nie. Allerdings schnitten die Teilnehmer, die regelmäßig mit zwei Handschuhpaaren arbeiteten, nicht etwa besser ab als diejenigen, die auf diesen zusätzlichen Schutz in der Regel verzichteten.

Risiko für Nahtkomplikationen?Wenn Knoten nach der Op. aufgingen, erhöhe sich das Risiko für Nahtkomplikationen, warnen Battersby et al. Die Studie habe zumindest einen Hinweis darauf erbracht, dass die Qualität der Knoten beim Tragen von zwei Handschuhpaaren leide. Ob dadurch die Sicherheit von Patienten gefährdet sei, müsse in weiteren Studien, idealerweise am Tiermodell, gezeigt werden.

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