20. September 2018

Dengue-Fieber: Symptome, Warnsignale & Therapie

Dengue ist eine akut fieberhafte Erkrankung, die insbesondere bei Reisen in tropische Länder auftreten kann. Wie auch bei der Malaria sind eine schnelle Diagnosestellung und der frühe Therapiebeginn entscheidend. Erfahren Sie hier, welche Symptome auf Dengue-Fieber hinweisen und welche Zeichen auf einen schweren Verlauf deuten.

Lesedauer: 3 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einem Artikel aus der Fachzeitschrift Intensivmedizin Up2date. Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, fasst zentrale Punkte für Sie zusammen.1

Das Dengue-Fieber ist eine Arbovirose, die durch vorwiegend tagaktive Stechmücken (insbesondere Aedes aegypti) übertragen wird. Dengueviren gehören zu den Flaviviren mit vier verschiedenen Serotypen.

Insbesondere bei Reiserückkehrern aus Lateinamerika, der Karibik und Südostasien mit akuter hochfieberhaften Erkrankung sollte die Diagnose Dengue-Fieber in Erwägung gezogen werden. Einen Monat nach Rückkehr aus einem Risikogebiet ist nicht mehr mit Dengue-Fieber zu rechnen. In Deutschland wurden 2016 laut Robert-Koch-Institut 956 Dengue-Fälle gemeldet. Die häufigsten Betroffenen waren Fernreisende aus Thailand (25%) und Indonesien (23%). Schwere Verläufe waren dabei kaum zu verzeichnen.

Klassischer Verlauf: In den meisten Fällen komplikationslos

Bei drei Viertel aller Dengue-Infektionen treten keine Beschwerden auf. Symptomatisches Dengue-Fieber reicht von einer milden fieberhaften Erkrankung bis hin zum Schock. Bis zu 5 Prozent aller Infektionen verlaufen schwer bis lebensbedrohlich.

Insbesondere zu Beginn der Erkrankung muss differentialdiagnostisch, oft auch wegen überlappender Risikogebiete, immer eine Malaria ausgeschlossen werden.

Frühe klinische Zeichen einer Denguevirus-Infektion sind meistens unspezifisch und ähneln manchmal einer Grippe. So beginnt die Erkrankung nach einer Inkubationszeit von 5-7 Tagen mit

  • hohem Fieber,
  • Arthralgien und Myalgien („Knochenbrecherfieber“),
  • Kopfschmerzen,
  • retroorbitalen Schmerzen,
  • Übelkeit und Erbrechen sowie
  • Leukopenie.

Auch können Betroffene ein Exanthem aufweisen. Die Beschwerden halten etwa 2-7 Tage lang an, danach kommt es meist zur Erholung, die sich jedoch noch über Tage und Wochen hinziehen kann, begleitet von Schwäche und Müdigkeit.

Diagnostik: Die Autoren empfehlen bei Patienten, die sich innerhalb der ersten Woche nach Fieberbeginn vorstellen, eine gezielte Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Dengue-Viren (NS1-Antigen) oder eine PCR, sowie eine IgM-Testung durchzuführen.

Schweres Dengue-Fieber: Warnsignale rasch erkennen

Die genannten Symptome lassen noch keine Unterscheidung zwischen klassischem und schwerem Dengue-Fieber zu, das bei etwa 5 % der Betroffenen auftritt und eine rasche stationäre bzw. intensivmedizinische Betreuung notwendig machen kann. Insbesondere Personen mit einer zweiten Dengue-Virusinfektion, durch einen anderen Serotyp, haben ein gering erhöhtes Risiko, an schwerem Dengue-Fieber zu erkranken. Zu den Warnsignalen zählen folgende zusätzliche Symptome:

  • Abdominelle Schmerzen,
  • Persistierendes Erbrechen,
  • Aszites, Pleuraerguss,
  • Petechiale Einblutungen und Mukosaeinblutungen,
  • Hepatomegalie <2 cm unter dem Rippenbogen,
  • Hämatokritanstieg und gleichzeitige Thrombopenie.

Dengue-Schocksyndrom

Nach Rückgang des Fiebers entwickelt eine geringe Anzahl an Patienten ein systematisches Capillary-Leak-Syndrom, das zu einer intravaskulären Volumendepletion führt und so Schock, Flüssigkeitsretention mit Atemnot, schwere Blutungen und Organmanifestationen verursachen kann.

Therapie & Prophylaxe

Bisher existiert keine antivirale Therapie gegen eine Dengue-Virusinfektion. Das klinische Management umfasst daher eine zeitnahe symptomatische Behandlung, dabei spielt die bedarfsangepasste Volumengabe eine wichtige Rolle.

Cave: Die Gabe von antikoagulativen Medikamenten (ASS, nicht steroidale Antiphlogistika) ist kontraindiziert, da an sich schon eine erhöhte Blutungsneigung besteht! Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen in Endemiegebieten kann z.B. auf Paracetamol zurückgegriffen werden.

Die Behandlung von Patienten mit klassischem Dengue-Fieber ohne Warnsignale kann in der Regel ambulant erfolgen (Ausnahmen: z.B. Schwangerschaft, Niereninsuffizienz etc.) Voraussetzung: Die Patienten sollten trinken können und mindestens alle 6 Stunden Wasser lassen.

Kein Impfstoff in Deutschland bislang zugelassen

Derzeit steht kein zugelassener Impfstoff für Dengue-Fieber zur Verfügung. Umso wichter ist daher eine gute Expositionsprophylaxe, wie das Tragen langer Kleidung, das Verwenden von Repellentien, sowie die Nutzung von Moskitonetzen und Fliegengittern.

Hinweis: Dengue-Fieber zählt in Deutschland zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Das bedeutet, der behandelnde Arzt muss dem Gesundheitsamt jeden Fall mitteilen. Diese Maßnahme soll helfen, größere Ausbrüche möglichst schnell erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

1. Eder, B., Bissinger, A., Riessen, R., & Haap, M. (2018). Malaria tropica und Dengue-Fieber – eine Herausforderung der Intensivmedizin. Intensivmed.up2date 2018; 14(03): 263-278. DOI: 10.1055/s-0043-122729

Bildquelle: © iStock,com/doug4537

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