29. Juni 2015

Coxib verhindert postoperatives Zittern

Der selektive COX-2-Hemmer Parecoxib könnte bei Operationen in Allgemeinanästhesie doppelt nützlich sein: zur Vermeidung von Schmerzen und von postoperativem Zittern.

Dieser Beitrag von Dr. Beate Schumacher erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf Springer Medizin – AINS.

Postoperatives Zittern ist nicht nur subjektiv unangenehm, es verstärkt auch die Schmer­zen, steigert den Sauerstoffbedarf und kann Augen- und Schädelinnendruck erhöhen. Zur Prävention des „Shivering“ kommen perioperativ zahlreiche Maßnahmen zum Einsatz, die den Wärmeverlust reduzieren sollen. Chinesische Anästhesisten haben nun zusätzlich eine pharmakologische Prophylaxe getestet: Nach ihren Daten lassen sich Inzidenz und Schweregrad dieser Komplikation signifikant vermindern, wenn die Patienten intraoperativ Parecoxib erhalten.

An der placebokontrollierten Doppelblindstudie waren 80 Patienten beteiligt, die sich kleineren urologischen Operationen unterziehen mussten, die alle in Vollnarkose ausgeführt wurden. Nach dem Zufallsprinzip erhielten jeweils 40 Patienten nach Einleitung der Anästhesie einen I.v.-Bolus mit 40 mg Parecoxib bzw. mit physiologischer Kochsalzlösung.

Gegenregulation fällt aus

In der ersten Stunde nach der Extubation wurde in der Placebogruppe bei 22 Patienten (55%), in der Parecoxibgruppe nur bei neun Patienten (23%) postoperatives Zittern dokumentiert – ein signifikanter Unterschied (p = 0,003). Starkes Zittern, also sichtbare Aktivität von mehr als einer Muskelgruppe (Grad 2/3), betraf elf Placebo- gegenüber zwei Verumpatienten. Mit dem Coxib waren außerdem in keinem Fall Muskeln im ganzen Körper involviert (Grad 3), mit Placebo war dies bei sechs Patienten der Fall.

Der COX-2-Hemmer hatte jedoch keinen Einfluss auf die Körperkerntemperatur. Sie ging in beiden Gruppen intraoperativ im gleichen Maß zurück – um etwa 1 °C in den ersten 20–30 Minuten –, gefolgt von einem ebenfalls identischen Temperaturanstieg in der Peripherie. Dass die Patienten unter dem Coxib trotzdem weniger zitterten, scheint demnach damit zusammenzuhängen, dass die Gegenregulation im Hypothalamus unterdrückt wird. Es gibt Hinweise, dass die über COX-2 vermittelte Synthese von Prostaglandinen bei der Thermoregulation eine wichtige Funktion hat.

Patienten ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren

Die intraoperative Coxibgabe wirkte sich außerdem günstig auf die Schmerzen unmittelbar nach dem Eingriff aus: Auf einer visuellen Analogskala waren sie signifikant niedriger als in der Placebogruppe, dementsprechend wurden auch weniger Opioide gegeben (null vs. sechs Patienten).

Keine Unterschiede zwischen den Gruppen gab es bei Übelkeit und Erbrechen. Auch die Hämodynamik – Herzfrequenz und mittlerer arterieller Druck – wurde durch das Coxib nicht beeinflusst. Bei keinem Patienten kam es zu schweren Nebenwirkungen. In diesem Zusammenhang ist allerdings zu betonen, dass alle Patienten in guter Verfassung (ASA 1–2) waren und weder Bluthochdruck noch kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen durften.

  1. Dr. Beate Schumacher: springermedizin.de
  2. Shen H et al.; J Surg Res 2015, online 27. März; doi: 10.1016/j.jss.2015.03.011 : „Parecoxib for the prevention of shivering after general anesthesia“

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