18. Januar 2016

Bewusstlosigkeit ist ein schlechtes Omen

Selbst eine kurze Bewusstlosigkeit als Symptom einer Subarachnoidalblutung ist ein Indikator für einen frühen Hirnschaden und ein schlechtes Langzeitergebnis.

Dieser Beitrag von Dr. Beate Schumacher erscheint mit freundlicher Genehmigung von Springer Medizin. Weitere Beiträge aus dem Fachgebiet AINS finden Sie auf
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Als Ursache für Bewusstlosigkeit zu Beginn einer Subarachnoidalblutung (SAB) gilt eine Minderung oder vorübergehende Unterbrechung des zerebralen Blutflusses. Dass dies nichts Gutes verheißt, wird nun durch eine US-amerikanische Studie bestätigt. Danach haben die betroffenen Patienten ein fast dreimal so hohes Risiko wie Patienten ohne Bewusstseinsstörung, das nächste Jahr nicht oder nur mit schweren Behinderungen zu überleben.In der Studie wurden retrospektiv die Daten von 1460 konsekutiven Patienten ausgewertet, die zwischen 1996 und 2012 wegen einer spontanen SAB in der Columbia University behandelt worden waren. 590 Patienten (40,4%) hatten nach eigenen Angaben oder Auskunft von Zeugen innerhalb der ersten sechs Stunden zeitweise das Bewusstsein verloren. Bei jeweils etwa 40% hatte die Bewusstlosigkeit weniger als zehn bzw. länger als 60 Minuten bestanden.

Unabhängiger Prädiktor

Generell waren Patienten, die einen Bewusstseinsverlust erlitten, bei der Aufnahme in einem schlechteren Zustand. 55,4% von ihnen hatten gemäß der Hunt-Hess-Klassifikation einen Schweregrad von 4 oder 5 (Stupor oder Koma) – gegenüber 13,4% bei den übrigen Studienteilnehmern. Die CT detektierte bei ihnen zudem ausgedehntere subarachnoidale und intraventrikuläre Einblutungen. Die Rate an generalisierten Hirnödemen war ebenfalls erhöht (32,2% vs. 11,6%), ebenso die Häufigkeit von parenchymalen Hämatomen, Hydrozephalus, akuten Infarkten und Aneurysmen mit mehr als 10 mm Durchmesser.Zwölf Monate nach der SAB waren von den Patienten, die das Bewusstsein verloren hatten, 51,2% schwer behindert oder tot (modifizierte Rankin-Skala 4–6). In der Ver­gleichsgruppe traf dies nur auf 17,7% zu. Bewusstlosigkeit erwies sich auch dann noch als ein Prädiktor für eine schlechte Prognose, wenn andere Einflüsse wie Alter, klinischer SAB-Schweregrad bei der Aufnahme und Aneurysmagröße berücksichtigt wurden. Der Zusammenhang blieb selbst dann erhalten, wenn Patienten mit Herzstillstand, tonisch-klonischen Krämpfen zu Beginn der SAB und mit Hess-Hunt-Grad 4 oder 5 von der Analyse ausgeschlossen wurden (Odds Ratio 2,0).

Schon Synkopen prognostisch ungünstig

„Bewusstlosigkeit bei Einsetzen einer SAB ist ein einfacher und zuverlässiger Indikator für ein schweres Blutungsereignis“, fassen die Ärzte um Sureerat Suwatcharangkoon von der New Yorker Columbia University die Ergebnisse ihrer Studie zusammen. Das Risiko, das Jahr nach der SAB nicht oder nur schwer behindert zu überleben, sei damit 2,8-fach erhöht. Dabei sei eine Risikosteigerung keineswegs nur nach längerer Bewusstlosigkeit zu erwarten. „Selbst eine einzelne Synkope zu Beginn der SAB zieht eine schlechtere Prognose nach sich.“

  1. Dr. Beate Schumacher: springermedizin.de
  2. Suwatcharangkoon S et al.; JAMA Neurol 2015, online 9. November; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.3188 : „Loss of Consciousness at Onset of Subarachnoid Hemorrhage as an Important Marker of Early Brain Injury“

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