25. Juli 2017

19-Jähriger überlebt Beinahe-Ertrinken nach 20 Minuten unter Wasser

Der Patient wird weiter mit einem ECMO-System versorgt und nach mehreren Infusionen stabilisiert sich die Gerinnung langsam. Seine Körpertemperatur wird therapeutisch bei 33°C gehalten. Im Laufe des Tages bessert sich das Kapillarlecksyndrom. (Lesezeit: 2 Minuten)

In mehreren Schritten zum Überleben

Die venovenöse ECMO wird nach vier Tagen explantiert, weitere fünf Tage später erfolgt die Extubation. Der Patient kann wieder ohne Sauerstoffgabe atmen. Die neurologische Untersuchung ist unauffällig und der junge Mann ansprechbar. 18 Tage nach dem Unfall wird er in eine neurologische Frührehabilitation überwiesen. Dort erholt er sich gut und wird nach zwei Monaten gesund entlassen, es bleiben keine Schäden zurück.

Zum guten neurologischen Zustand des Patienten hat vermutlich auch die Wassertemperatur beigetragen. Während der Zeit unter Wasser kühlte sein Körper auf 32°C ab, was zum Schutz der zerebralen Funktionen vor hypoxischen Sekundärschäden beitrug. Jedoch war die Körperkerntemperatur noch nicht zu niedrig (<28°C), so dass die Reanimation nach Asystolie erfolgreich war.

Schlechte Prognose bei langer Submersionszeit

Im Jahr 2014 ertranken in Deutschland 389 Menschen. Bleiben bei einem Badeunfall Personen länger als zehn Minuten unter Wasser, ist das mit einer hohen Letalität (>90%) und schweren neurologischen Schäden verbunden. 1 Eine Submersionszeit mit Anoxie von mehr als 25 Minuten ist fast immer tödlich. Auch bei einer erfolgreichen Reanimation nach einem Beinahe-Ertrinken kann es noch einige Stunden später zu schweren Komplikationen kommen (acute respiratory distress syndrome, ARDS).

Eine häufige Komplikation, wie auch im beschriebenen Fall, ist eine disseminierte intravasala Koagulopathie (DIC) mit Hämolyse. Die pathophysiolgischen Mechanismen sind hierbei noch unklar. Weitere Symptome, die nach einem Beinahe-Ertrinken auftreten können sind:

  • Kapillarlecksyndrom
  • Abbau des pulmonalen Surfactant
  • Lungenödeme

ECMO kann Leben retten

Die extrakorporale Membranoxygenierung kann bei Patienten nach längerer Submersionszeit ein wichtiges Verfahren sein, da die Sauerstoffversorgung sichergestellt wird. In einem Fallbericht konnte auch Dank der ECMO ein siebenjähriges Mädchen nach mehr als 80 Minuten unter Wasser gerettet werden. 2

Eine Übersicht über ECMO-Zentren in Deutschland und deren Kapazitäten finden Sie auf der Seite des ARDS Netzwerks. Ist ein Transport des Patienten in ein ECMO-Zentrum nicht möglich, können spezielle Teams die Implantation in einer Zuweiserklinik übernehmen.

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