20. Juni 2018

Die Addison-Krise: Wichtige Fakten im Kurzüberblick

Die Addison-Krise ist eine seltene, aber akut lebensbedrohende Komplikation der Nebenniereninsuffizienz. Sie kann einfach diagnostiziert und therapiert werden, doch der akute Kortisolmangel wird oft unterschätzt und verzögert behandelt. Lesen Sie hier, bei welchen Anzeichen Sie eine Addison-Krise in Erwägung ziehen sollten.  

Lesedauer: 4 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einem Beitrag aus der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 2018; 143: 392-396.1 Dr. Nina Mörsch fasst zentrale Aspekte in einer Kurzübersicht zusammen.

Ursachen der Nebenniereninsuffizienz

Primäre Nebenniereninsuffizienz: Die häufigste Ursache einer primären Nebenniereninsuffizienz ist der autoimmunbedingte Morbus Addison, bei dem die gesamte Nebennierenrinde zerstört ist und so die Hormonsekretion aller Nebennierenrindenzonen (Kortisol, Aldosteron und adrenale Androgene) fehlt. Als weitere Ursachen nennen die Endokrinologen Dr. Gesinde Meyer und Prof. Dr. Klaus Badenhoop unter anderem

  • Infektionskrankheiten (früher häufiger Tuberkulose),
  • operative Entfernung der Nebennieren,
  • Einblutungen und/oder Infarzierung.

Sekundäre Nebenniereninsuffizienz: Bei der sekundären Nebenniereninsuffizienz ist die Kortisolsekretion noch vorhanden, allerdingt besteht ein Mangel an ACTH (adrenokortikotropes Hormon), wodurch die Dynamik der physiologischen Stimulation unzureichend ist, erläutern die Autoren.

Die häufigste Ursache hierfür ist eine chronische Medikation mit Glukokortikoiden. Daneben spielen Hypophysenerkrankungen durch Tumore, Einblutungen, Operationen oder Bestrahlungen eine Rolle. Eine Hyperkaliämie, wie bei einer primären Nebenniereninsuffizienz, tritt hier nicht auf.

Addison-Krise: Symptome

Die Addison-Krise wird durch Kortisolmangel ausgelöst, meist infolge von Stress, schweren körperlichen Belastungen, akuten Infektionen oder Traumata. Die Symptome sind eher unspezifisch, die Diagnose ist deshalb nicht leicht zu stellen. Folgende Symptome können Anzeichen einer Addison-Krise sein:

  • Deutliches Krankheitsgefühl mit Schwäche,
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • starke Bauchschmerzen, teilweise mit Zeichen einer peritonealen Reizung,
  • Muskelschmerzen,
  • Krämpfe und Zittern.

Der plötzlich auftretende Hormonmangel führt zu einem ausgeprägtem Flüssigkeitsmangel, der zu einer Exsikkose mit Hypotension oder gar mit Schocksymptomen einhergeht. Es können Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma auftreten. Nicht wenige Patienten mit einer nur zum Teil eingeschränkten Funktion der Nebennieren sind unter normalen Lebensumständen völlig unauffällig. Häufig wird Morbus Addison daher erst durch die akut auftretende Addison-Krise entdeckt.

Wichtig: Die Addison-Krise ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der auf einer Intensivstation behandelt werden muss.

Typische laborchemische Befunde: Wichtig für die Verdachtsdiagnose

Die Mehrheit der Patienten mit Addison-Krise weist eine Serumhyponatriämie auf. Weitere typische Befunde sind:

  • Hyperkaliämie,
  • ansteigende Nierenretentionsparameter mit Zeichen des prärenalen Nierenversagens,
  • spontan auftretende Hypoglykämie,
  • milde bis mäßig Hyperkalzämie,
  • Blutbildveränderungen mit Lymphozytose, Eosinophilie, milder Anämie und erhöhter TSH-Spiegel.

Ausschlaggebend zur Sicherung der Diagnose sind die Hormone ACTH und Kortisol. Bei primärer Nebenniereninsuffizienz ist die Konzentration von ACTH erhöht, die von Kortisol erniedrigt. Bei sekundärer Niereninsuffizienz sind sowohl die ACTH- als auch die Kortisol-Werte erniedrigt.

Cave: Bei Verdacht auf eine Addison-Krise unverzüglich mit der Therapie beginnen! Es sollte nicht der Abschluss der Diagnostik abgewartet werden, da eine Verzögerung den Tod des Patienten zur Folge haben kann.

Therapie: Die 2 wichtigsten Maßnahmen

1. Rasche Substitution von Hydrokortison
Bei Verdacht auf eine Addison-Krise muss unverzüglich eine intravenöse Gabe von

  • 100 mg Hydrokortison im Bolus erfolgen, gefolgt von 100 – 300 mg/Tag als Dauerinfusion oder regelmäßige Gabe eines Bolus von 100 mg alle 6 Stunden.
  • Alternative: Intravenöse Gabe von 25 mg Prednisolon oder 4 mg Dexamethason im Bolus, gefolgt von regelmäßigen Boli, plus die tägliche Gabe von 0,05 – 0,1 mg Fludrokortison.

Wenn der Patient stabil ist: Orale Gabe von Hydrokortison, schrittweise über 1-3 Tage auf eine Erhaltungsdosis von 15 – 25 mg/Tag in 2-3 Tagesdosen (2/3 morgens, 1/3 6-8 Stunden später) reduzieren.

2. Intravenöse Flüssigkeitsgabe
Die rasche Einleitung einer intravenösen Flüssigkeitszufuhr mit isotonischer Kochsalzlösung oder 5 %iger Glukoselösung in isotonischer Kochsalzlösung ist das zweite wichtige Standbein der Behandlung.

Wichtig für die Vermeidung von Addison-Krisen

Um weitere Addison-Krisen im Verlauf der Krankheit zu verhindern, ist die Sensibilisierung und Schulung von Patienten und Angehörigen für die Erkennung typischer Kortisolmangelsymptome zentral. Damit kann frühzeitig die Hydrokortisondosis adaptiert werden. Dies ist laut den Endokrinologen Dr. Meyer und Prof. Dr. Badenhoop notwendig in folgenden Fällen:

  • Infektionen, insbesondere gastrointestinalen Infekten mit Durchfall und Erbrechen (häufigste Ursachen für Addison-Krisen!),
  • psychische Belastungen wie Prüfung oder Tod eines nahestehenen Menschens,
  • Operationen,
  • während der Entbindung.

Alle Patienten mit Nebenniereninsuffizienz benötigen einen Notfallausweis und/oder eine Notfallkarte und sollte diese immer mit sich führen.

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1. Meyer G et a.: Addison-Krise – Risiko erkennen und rasch behandeln. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018; 143: 392-396.

Bildnachweis: © iStock.com/jarun011

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