Muvalaplin senkt Lp(a)-Cholesterinspiegel deutlich
Bei den Scientific Sessions 2024 der American Heart Association (AHA) wurden die Ergebnisse der Phase-2-Studie KRAKEN vorgestellt, in der die Sicherheit und Wirksamkeit des neuartigen oralen Wirkstoffs Muvalaplin untersucht wurde.1 Die Ergebnisse lassen hoffen, doch es bleiben auch noch Fragen.
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Autor: Brian Owens | Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter
Muvalaplin bislang einzige orale Therapie bei hohem Lp(a)-Spiegel
Die Konzentrationen von Lp(a)-Cholesterin sind genetisch determiniert und bleiben das ganze Leben lang konstant. Werte von 125 nmol/l oder mehr erhöhen die Thromboseneigung und fördern Entzündungen. Lipoprotein(a) ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen; hohe Werte stehen mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen, Aortenstenosen und peripheren Arterienerkrankungen in Zusammenhang. Etwa 20 % aller Menschen haben erhöhte Lp(a)-Cholesterin-Werte, speziell Menschen schwarzafrikanischer und südasiatischer Abstammung.
Derzeit gebe es keine zugelassenen Therapien zur Senkung der Lp(a)-Werte, erklärte der Studienautor Prof. Dr. Stephen Nicholls, Direktor des Victorian Heart Institute an der Monash University in Melbourne, Australien, als er die Ergebnisse der KRAKEN-Studie bei den AHA Scientific Sessions 2024 vorstellte; gleichzeitig wurden sie online im Fachjournal JAMA veröffentlicht.2 Mehrere injizierbare Therapien seien derzeit in der klinischen Erprobung, aber Muvalaplin sei die einzige orale Option.
Prof. Nicholls erklärte, das neue Medikament senke den Lp(a)-Spiegel, indem es die Verbindung zwischen beiden Teilen des Lp(a)-Partikels unterbreche. Lipoprotein(a)-Partikel bestehen aus Cholesterin und Apolipoprotein B (ApoB) sowie aus einem zusätzlichen, kovalent gebundenen Protein namens Apolipoprotein(a).
Deutliche Lp(a)-Senkung in der KRAKEN-Studie
In die KRAKEN-Studie wurden 233 Erwachsene aus der ganzen Welt mit sehr hohen Lp(a)-Spiegeln (> 175 nmol/l) eingeschlossen. Sie erhielten randomisiert 12 Wochen lang entweder verschiedenen Tagesdosen Muvalaplin (10, 60 bzw. 240 mg) oder ein Placebo. Die Forschenden bestimmten die Lp(a)-Spiegel mit einem Standard-Bluttest sowie mit einem neuartigen Test, der speziell zur Messung intakter Lp(a)-Partikel im Blut entwickelt wurde. Der Standardtest erfasst neben Lp(a) auch einen seiner Bestandteile, das Apolipoprotein-A. Damit wird die Lp(a)-Reduktion tendenziell zu gering eingeschätzt.
Die Lp(a)-Werte waren in der Muvalaplin-Gruppe um bis zu 70,0 % niedriger als in der Placebo-Gruppe, wenn sie mit dem herkömmlichen Bluttest gemessen wurden, und um bis zu 85,5 % niedriger, wenn sie mit dem neuen Test bestimmt wurden. Etwa 82 % der Teilnehmenden erreichten beim herkömmlichen Bluttest einen Lp(a)-Wert von < 125 nmol/l. Unter dem neuen Test waren es sogar 97 %. Bei Personen, die 60 oder 240 mg Muvalaplin erhielten, sanken die Lp(a)-Werte in ähnlicher Weise, und zwar stärker als in der Gruppe mit 10 mg. Das Arzneimittel war sicher und wurde meist gut vertragen.
„Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis der Phase-2-Studie“, sagte Prof. Nicholls. „Das ermutigt uns, die Entwicklung dieses Wirkstoffs fortzusetzen.“
Führt die Lp(a)-Senkung auch zu weniger kardiovaskulären Ereignissen?
Dr. Erin Michos sagte, der Lp(a)-Spiegel werde weder durch Änderungen des Lebensstils oder der Ernährung noch durch herkömmliche lipidsenkende Behandlungen wie Statine beeinflusst. Sie forscht an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, die nicht an der Studie beteiligt war. Die Kardiologin wies darauf hin, dass Patientinnen und Patienten mit hohen Lp(a)-Werte ein erhebliches kardiovaskuläres Risiko hätten, selbst wenn andere Risiken verringert worden seien. Muvalaplin sei also „ein vielversprechender Ansatz zur Therapie einer bisher nicht behandelbaren Erkrankung“, so Dr. Michos.
Um die Ergebnisse zu bestätigen und um festzustellen, ob die Senkung des Lp(a)-Werts auch das kardiovaskuläre Outcome verbessere, seien umfangreichere und längerfristige Studien mit unterschiedlichen Personengruppen erforderlich, sagte die Expertin. Das sieht Prof. Nicholls ähnlich: „Muvalaplin scheint ein wirksamer Ansatz zur Senkung des Lp(a)-Spiegels zu sein. Wir müssen aber noch untersuchen, ob diese Strategie zu weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen führt.“
Fazit für die Praxis
Die Ergebnisse der Phase-2-Studie KRAKEN zeigen, dass der neuartige, oral einzunehmende Wirkstoff Muvalaplin hohe Lipoprotein(a)-Spiegel senken kann. Den beim AHA-Kongress präsentierten Daten zufolge ist die Therapie sicher und wirksam.
Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

