Verbessert SMS-Erinnerung die Compliance?
Adhärenz ist für den Therapieerfolg entscheidend, doch gerade bei chronischen kardiovaskulären Erkrankungen ist es um die langfristige Adhärenz meist eher schlecht bestellt. Eine US-amerikanische Studie hat nun untersucht, ob sich durch Textnachrichten wie SMS die Medikamenten-Einnahme über 12 Monate verbessern lässt.1
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Autorin: Dr. Doris Maugg | Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter
„Chronische Erkrankungen nehmen zu, und um sie in den Griff zu bekommen, müssen die Betroffenen oft über einen längeren Zeitraum Medikamente einnehmen. Es ist wichtig, Strategien zu finden, die den Menschen helfen, ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen, um eine Verschlechterung dieser Erkrankungen zu verhindern“, sagte der Erstautor der im Fachmagazin JAMA veröffentlichten Studie, Prof. Dr. Michael Ho, Kardiologe an der University of Colorado School of Medicine auf dem University of Colorado Anschutz Medical Campus (USA).2 Ob einfache Erinnerungen per Textnachricht über einen längeren Zeitraum effektiv seien, wurde bisher nicht ausreichend untersucht, ergänzte er.
Textnachrichten wie SMS sind eine Form der mobilen Gesundheitskommunikation und haben bereits Erfolge im Gesundheitsverhalten bei Menschen mit Diabetes und bei körperlicher Aktivität erzielt. In der Kombination mit Chatbots können sie Patientinnen und Patienten zu interaktiven Gesprächen anregen oder kurze verhaltensorientierte Interventionen darstellen, die die Personen zu einer verbesserten Therapietreue motivieren.
Randomisierte Studie mit über 9.000 Teilnehmenden
Die Teilnehmenden dieser randomisierten pragmatischen klinischen US-Studie erhielten eine Erinnerung per Textnachricht, wenn sie den Zeitpunkt des Nachfüllens ihrer Medikamente um 7 Tage überschritten und diese nicht aus der Apotheke abgeholt hatten.
Es nahmen über 9.500 Personen teil, die aufgrund einer Diagnose einer oder mehrerer kardiovaskulärer (CV) Erkrankungen eine verschreibungspflichtige Medikation erhielten, darunter wegen:
- Bluthochdruck
- Hyperlipidämie
- Diabetes
- koronarer Herzkrankheit (KHK)
- Vorhofflimmern (VHF)
Personen, die sich nicht abgemeldet hatten und eine 7-tägige Nachfülllücke aufwiesen, wurden randomisiert in 4 Gruppen aufgeteilt und erhielten die Erinnerung zum Auffüllen entweder in Form:
- einer generischen Textnachricht,
- einer Nachricht mit überzeugender Verhaltensanregung (behavioral nudges) oder
- einer Verhaltensanregung mit Chatbot.
Die Kontrollgruppe erhielt keine Textnachricht (Standardbehandlung). Primäres Ergebnis war die Einhaltung der Nachfüllpflicht, die anhand von Apothekendaten und des Anteils der abgedeckten Tage nach 12 Monaten berechnet wurde. Sekundäre Endpunkte waren klinische Ereignisse wie ein Aufenthalt in der Notaufnahme oder im Krankenhaus sowie die Sterblichkeit. Die Nachrichten wurden je nach Präferenz der Personen auf Englisch oder Spanisch verschickt.
Keine Verbesserung der Adhärenz & der klinischen Ereignissen nach 12 Monaten
Nach Abzug von Personen ohne Follow-up konnten die Daten von 9.269 Teilnehmenden ausgewertet werden. Sie waren zwischen 18 und 90 Jahren alt. 79 % der Personen hatte Bluthochdruck, 46 % eine Hyperlipidämie, 50 % einen Diabetes, 14 % eine KHK, und 6 % hatten Vorhofflimmern. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (51 %) erhielt mindestens 3 Klassen von CV-Medikamenten, und 70 % hatten eine Nachfülllücke für nur 1 Klasse.
Nach 12 Monaten betrug der durchschnittliche Anteil der abgedeckten Tage 62,0% für die generische Erinnerung, 62,3% für die Verhaltensanregung, 63,0% für die Verhaltensanregung plus Chatbot und 60,6% für die Standardbetreuung (p = 0,06).
Nach einer angepassten Analyse war zwar der Anteil der Nachfüllenden in den Gruppen, die eine Textnachricht erhielten, um 2,2% erhöht, jedoch nicht signifikant unterschiedlich zur Kontrolle. Auch konnten keine Unterschiede in der Zeit bis zur Einlieferung in eine Notaufnahme, bis zu einem Krankenhausaufenthalt oder bis zum Tod zwischen den Gruppen festgestellt werden. Es gab auch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern oder der ethnischen Zugehörigkeit für alle Formen der Benachrichtigungen.
Leichte Verbesserung in den ersten 3 Monaten
In einer Post-hoc-Analyse wertete das Forschungsteam die Daten der ersten 3 Monate im Detail aus, da die meisten Medikamente erst nach 30 oder 90 Tagen nachgefüllt werden mussten.
In den ersten 3 Monaten nach Beginn der Benachrichtigungen verbesserte sich die Einhaltung der Nachfüllpflicht um 5 %. Auch die durchschnittliche Dauer von anfänglichen Lücken wurde um etwa 5 Tage verkürzt, was bedeutet, dass die Teilnehmenden durch die Benachrichtigungen 5 Tage länger über einen Medikamentenvorrat verfügten als ohne die Erinnerung.
Die Ergebnisse nach 3 Monaten waren für alle Studiengruppen signifikant im Vergleich zur Kontrolle (p < 0,001).
Neue Strategien bei chronischen Erkrankungen gefragt
Trotz der negativen Studienergebnisse sehen die Autorinnen und Autoren in den Textnachrichten eine kostengünstige Alternative zu anderen Technologien wie Apps oder Interventionen wie einem persönlichen Gespräch, um die Therapietreue zu verbessern.
Für die Mehrheit der Teilnehmenden (91 %) waren Textnachrichten im Vergleich zu Apps, die installiert werden müssen, einfacher zu handhaben. Das Studienteam vermutet, dass ein adaptives Design der Benachrichtigungen die Ergebnisse verbessern könnte, bei dem die Patientinnen und Patienten intensivere Interventionen erhalten, wenn die anfänglichen Maßnahmen nicht wirksam sind.
Für eine schlechte Therapietreue gibt es unterschiedliche Gründe, weshalb künftige Maßnahmen die vielfältigen Faktoren berücksichtigen sollten, die die Adhärenz beeinflussen, so die Autorinnen und Autoren. „Unsere Studie zeigt, dass die Therapietreue bei chronischen kardiovaskulären Erkrankungen über einen Zeitraum von 12 Monaten gering ist. Daher müssen wir neue Strategien testen, um diese zu verbessern, insbesondere da immer mehr Menschen chronische Erkrankungen entwickeln“, fügte Prof. Ho hinzu.
Fazit
Einer aktuellen Studie zufolge verbessern Textnachrichten, die an die Einnahme der Medikamente erinnern, nach 12 Monaten weder die Therapietreue noch die Anzahl klinischer Ereignisse bei Personen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Anregungsintensität der Textnachricht hatte dabei keinen Einfluss auf die Ergebnisse. Eine Post-hoc-Analyse zeigte jedoch eine Verbesserung der Adhärenz durch die Textnachrichten um 5 % in den ersten 3 Monaten.
Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

