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Kardiologie

21. Jan. 2025
Hypertonie bei Kindern

Gesunder Schlaf schützt – selbst bei Lärm

Zum Zusammenhang zwischen Schlaf und Bluthochdruck gibt es zahlreiche Untersuchungen – allerdings hauptsächlich bei Erwachsenen. Eine US-amerikanische Studie hat nun untersucht, wie sich die Schlafqualität bei Kindern und Jugendlichen auf den Blutdruck auswirkt und ob Umgebungslärm dabei eine Rolle spielt.1

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Gesunder Schlaf schützt – selbst bei Lärm
Gesunder Schlaf scheint auch bei Kindern und Jugendlichen das Hypertonierisiko zu verringern. (Foto: Getty Images | Irina Belova)

Autorin: Nadine Eckert | Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter

Laut Angaben der Deutschen Hochdruckliga haben etwa 3 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland einen zu hohen Blutdruck. Das sind etwa 400.000 Betroffene. Bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht liegt die Hypertonie-Rate mit 25 % noch höher.

„Es gibt viele Faktoren, die das Blutdruckniveau beeinflussen. Das fängt schon mit dem Tag-Nacht-Rhythmus an, auch die Umgebungstemperatur, die Jahreszeit, Ernährung, Übergewicht und Stress spielen eine Rolle. Und es gibt einige Studien bei Erwachsenen, die einen deutlichen Zusammenhang mit der Lärmbelastung zeigen“, sagt die Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Prof. Dr. Elke Wühl, Oberärztin der Sektion für Pädiatrische Nephrologie an der Universitätskinderklinik Heidelberg und Mitglied im Vorstand der Deutschen Hochdruckliga.

„Wie sich Umgebungslärm auf die Gesundheit von Erwachsenen auswirkt, ist ausgiebig untersucht worden, aber es gibt kaum Forschungsarbeiten, die sich speziell den Effekt auf den Blutdruck in pädiatrischen Populationen anschauten“, schreibt das Team um Dr. Augusto César F. De Moraes vom University of Texas Health Science Center an der Houston School of Public Health in Austin (USA) in der Publikation, die nun im Fachmagazin Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurde.

Post-hoc-Analyse der ABCD-Studie

Das Team führte eine Post-hoc-Analyse der Daten von 3.320 Teilnehmenden der Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD)-Studie durch. Die zu Studienbeginn durchschnittlich 12 Jahre alten Kinder waren in 21 US-Städten rekrutiert worden. In 2 Evaluierungswellen (2018-2020 und 2020-2022) waren bei ihnen Daten zu Schlaf und Aktivität (getrackt mit einer Fitbit), Blutdruck, Größe, Lärmbelastung in der Nachbarschaft und Kovariablen wie Geschlecht, Ethnizität, Pubertätsstadium und Taillenumfang erhoben worden.

Die Diagnose von Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen erfolgt – anders als bei Erwachsenen – nicht über Grenzwerte, die in Endpunktstudien mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert waren. Prof. Wühl erklärt: „Der Blutdruck bei Kindern ist abhängig von Geschlecht, Alter und Körpergröße. Kleine Kinder haben ein wesentlich niedrigeres Blutdruckniveau als Jugendliche und Erwachsene. Deshalb gibt es ähnlich wie für Größe und Gewicht auch für den Blutdruck Perzentilen, die in der Normalbevölkerung ermittelt wurden.“

Blutdruckwerte bis zur 90. Perzentile gelten als normal, Werte zwischen der 90. und 95. Perzentile als hochnormal. „Das sind Kinder, die man mehr im Auge behalten sollte“, so Prof. Wühl. Ab der 95. Perzentile besteht ein Bluthochdruck. „Für die Diagnose reicht allerdings keine einzelne Messung aus. Dafür braucht man Wiederholungsmessungen und auch bei Kindern idealerweise eine 24-Stunden-Blutdruckmessung.“

Schlafdauer wurde per Fitbit getrackt

Auch Dr. De Moraes und sein Team definierten für ihre Analyse Bluthochdruck als Blutdruckwerte, die über der 95. Perzentile für Alter und Größe lagen. Die per Fitbit getrackte Schlafdauer der Kinder teilten sie ein in gesund (9-12 Stunden, je nach Alter), moderat gesund (±1 Stunde vom Optimum) und gering (≥1 Stunde Abweichung). Die nächtliche Lärmexposition wurde nach Postleitzahl ermittelt.

Für Prof. Wühl zeigt die Methodik der Studie Schwächen: Die Identifizierung der individuellen Lärmbelastung nach Postleitzahl sei ungenau. Und 2 Einzelmessungen des Blutdrucks, noch dazu in einem jeweils 4 bis 5-stündigen, sicherlich stressigen Evaluierungsparkour, seien nicht geeignet für die Diagnose einer Hypertonie. „Idealerweise hätte man ein Dezibelmessgerät im Schlafzimmer aufstellen und nächtliche Blutdruckmessungen durchführen müssen, aber da es sich um eine Post-hoc-Analyse eines bestehenden Datensatzes handelt, war dies nicht möglich.“

Die Fachärztin lobte dagegen das große Kollektiv mit mehr als 3.000 Kindern aus verschiedenen Städten und unterschiedlichen sozioökonomischen Schichten, auch die Messung von Schlaf und Aktivität mit Trackern seien Stärken. „Aber man hätte sich schon ein paar Blutdruckwerte mehr gewünscht, um festzulegen, ob eine Hypertonie vorliegt oder nicht“, betont sie.

Gesunder Schlaf nahm ab, Bluthochdruck zu

Die Auswertung der Fitbit-Daten zeigte, dass die Kinder zu Studienbeginn, als sie etwa 12 Jahre alt waren, zu knapp 30 % einen gesunden Schlaf hatten. Dieser Wert sank aber über 2 Jahre bis zu einem Alter von 14 Jahren auf 20 %.

In dieser Zeit nahm auch die Inzidenz von Bluthochdruck zu, von 1,7 % in 2018 bis 2020 auf 2,9 % in 2020 bis 2022. Aber Jugendliche mit gesünderem Schlaf entwickelten signifikant seltener eine Hypertonie. Ihr Risiko war relativ zu denjenigen mit nicht-optimaler Schlafdauer um 37 % reduziert.

Doch weder das Lärmniveau in der Umgebung für sich genommen noch das Lärmniveau in Kombination mit der Schlafgesundheit waren signifikant mit dem Risiko für Bluthochdruck assoziiert. „Wider Erwarten fanden wir keine signifikante Assoziation zwischen dem Umgebungslärm in der Nachbarschaft und der Inzidenz von Hypertonie bei den Heranwachsenden“, schreiben Dr. De Moraes und sein Team. „Es ist zwar bekannt, dass Umgebungslärm den Schlaf stört, sein direkter Effekt auf den Blutdruck ist in dieser Altersgruppe aber möglicherweise weniger ausgeprägt.“

Blutdruckmessung bei Kindern

In den U-Untersuchungen ist die Blutdruckmessung bei Kindern nicht verankert, dennoch wird empfohlen, bei Kindern ab einem Alter von 3 Jahren mindestens einmal den Blutdruck zu messen. Bei Kindern mit Risikofaktoren, etwa Frühgeborenen oder denjenigen mit Nieren- oder Herzkrankheiten, auch schon deutlich früher und bei jedem Arzttermin.2

Da der Blutdruck durch Stress beeinflusst wird, sollte man das Kind vor der Blutdruckmessung idealerweise 5 Minuten in ruhiger, entspannter Umgebung sitzen lassen und dann 3 Messungen in 1 bis 2 Minuten Abstand durchführen. Das Kind sollte bei der Messung sitzen, die Füße aufstellen, den Rücken anlehnen und nicht sprechen. Die Messungen sollten mit einem für Kinder geeigneten Messgerät mit passender Manschette erfolgen.

Bei Kindern liegt einem Bluthochdruck häufiger eine organische Ursache zugrunde als bei Erwachsenen, weshalb die weitere Abklärung wichtig ist. Ab der Pubertät ist die bei Erwachsenen verbreitete essenzielle Hypertonie häufiger, bei der man keine eindeutig organische Ursache findet. Ursachen sind oft Übergewicht, familiäre Vorbelastung, Ernährung und Inaktivität.

Bei einer essenziellen Hypertonie sollte zunächst versucht werden, mit einer Lebensstilumstellung – Ernährung, Sport, Gewichtsreduktion – eine Blutdruckeinstellung zu erreichen. Gelingt dies über 6 bis 12 Monate nicht, ist eine medikamentöse Behandlung angezeigt. Bei einer organischen Ursache für den Bluthochdruck wird dagegen empfohlen, sofort medikamentös zu behandeln.

Sind Heranwachsende resilienter gegenüber Lärm?

Das Studienteam spekuliert, „ob Heranwachsende möglicherweise resilienter gegenüber lärminduziertem Stress sind als Erwachsene. Oder ob andere Umweltfaktoren wie die Luftqualität im Zuhause oder das körperliche Aktivitätsniveau im Hinblick auf den Blutdruck eine dominantere Rolle spielen.“

Interessant ist den Studienautorinnen und -autoren zufolge auch, dass es keinen kombinierten Effekt von Lärm und Schlafgesundheit auf die Inzidenz von Hypertonie gab. „Das deutet darauf hin, dass der protektive Effekt von gesundem Schlaf auf das Hypertonierisiko robust ist, selbst in Anwesenheit von Umweltlärm.“

Ihr Fazit: Ausreichend Schlaf reduziere bei Jugendlichen signifikant das Risiko für Bluthochdruck, unabhängig von der Lärmbelastung. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei Heranwachsenden eine gute Schlafhygiene zu fördern, um ihr Hypertonierisiko zu senken“, betonen Dr. De Moraes und sein Team.

So schlafen Kinder und Jugendliche besser

Sie ergänzen, dass die Studie eine Reihe von Faktoren zu Tage gebracht habe, die mit einer schlechten Schlafqualität in Zusammenhang standen und adressiert werden können, um die Schlafgesundheit von Jugendlichen zu verbessern. Dazu zählten lange Bildschirmzeiten vor dem Zubettgehen, unregelmäßige Schlafenszeiten und eine ungünstige Schlafumgebung.

„Trotz einiger methodischer Schwächen der Studie kann ich diese Schlussfolgerung der Autoren voll und ganz unterschreiben“, bekräftigt Prof. Wühl. „Denn es ist ein Trend zu mehr Bluthochdruck bei Kindern zu beobachten und einen Bluthochdruck im Kindesalter nimmt man mit ins Erwachsenenalter.“

Fazit

Ausreichend Schlaf ist bei Heranwachsenden signifikant mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck assoziiert, wie eine im Journal of the American Heart Association publizierte Studie nun gezeigt hat. Anders als bei Erwachsenen scheint dieser Zusammenhang unabhängig vom Lärmniveau in der Umgebung zu sein.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.

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