Kann Finerenon das ereignisfreie Überleben langfristig verlängern?
In klinischen Studien senkte Finerenon über Beobachtungszeiträume von 2–3 Jahren das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Personen mit Herzinsuffizienz und erhaltener oder geringgradig reduzierter Ejektionsfraktion (HFmrEF/HFpEF). Doch wie ist es um den langfristigen Nutzen des Wirkstoffs bei lebenslanger Therapie bestellt? Eine aktuelle Studie gibt Antworten.1
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Autorin: Dr. Brit Neuhaus
Die Lebenserwartung von Personen mit Herzinsuffizienz und geringgradig reduzierter oder erhaltener Ejektionsfraktion (HFmrEF bzw. HFpEF) ist etwa 15 Jahre niedriger als die von gleichaltrigen Menschen ohne Herzinsuffizienz. Die erste evidenzbasierte Therapie für diese Personengruppe waren SGLT-2-Inhibitoren, für die eine definitive Reduktion klinisch relevanter kardiovaskulärer Ereignisse gezeigt werden konnte. Ähnliche Effekte wurden mittlerweile auch für den nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten Finerenon nachgewiesen. Allerdings betrug das Follow-Up entsprechender Studien im Mittel nur 2 bis 3 Jahre. Betroffene werden jedoch in der Regel langfristig, meist sogar lebenslang therapiert.
In einer präspezifizierten Analyse der FINEARTS-HF-Studie1 (Finerenone Trial to Investigate the Efficacy and Safety Superior to Placebo in Patients with Heart Failure) schätzten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer zuvor entwickelten und validierten altersbasierten Methode zur Extrapolation von Studiendaten2 den langfristigen Nutzen von Finerenon ab.1
Das Studiendesign im Überblick
FINEARTS-HF war eine weltweite, ereignisgesteuerte, placebokontrollierte, randomisierte Studie, die die Wirksamkeit von Finerenon bei Menschen mit Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (EF) ≥ 40 % untersuchte. Primärer Endpunkt war die Kombination aus kardiovaskulärem Tod und einer Dekompensation der Herzinsuffizienz.
Wichtige Einschlusskriterien
- Alter ≥ 40 Jahre
- NYHA-Klasse ≥ 2
- erhöhte natriuretische Peptide
- Hinweise auf eine strukturelle Herzerkrankung
- Diuretika-Einnahme
Wichtige Ausschlusskriterien
- geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) < 25 ml/min/1,73 m2 oder Serum-Kaliumspiegel > 5,0 mmol/l
- Wahrscheinlichkeit anderer Ursachen für die vorliegenden Symptome (außer einer Herzinsuffizienz)
- schwerwiegende Herzklappenerkrankungen mit Bedarf einer operativen Versorgung
- lebensbedrohliche oder unkontrollierte Arrhythmien
- andere Erkrankungen, die die Lebenserwartungen auf weniger als 12 Monate verringern (z. B. eine aktive maligne Erkrankung)
Randomisierung und Teilnehmendencharakteristika
Teilnehmende wurden 1:1 auf den Finerenon- und den Placebo-Arm randomisiert. Finerenon konnte in einer Dosierung von 20 mg (eGFR bei Studienbeginn ≤ 60 ml/min/1,73 m2) oder 40 mg (eGFR zu Studienbeginn > 60 ml/min/1,73 m2) verabreicht werden.
Insgesamt wurden von September 2020 bis Januar 2023 6.001 Personen aus 37 Ländern im Alter von 40 bis 97 Jahren (Median 73 Jahre; Interquartilsabstand [IQR] 66–79 Jahre) in die Studie eingeschlossen, darunter 2.732 (45,5 %) Frauen.
Mehr als 3 Jahre Zugewinn an ereignisfreier Lebenszeit
Über ein medianes Follow-Up von 2,6 Jahren (IQR: 1,9–3,0) traten 1.343 primäre Endpunktereignisse ein. Für 55-jährige Teilnehmende betrug die mittlere verbleibende Überlebenszeit ohne primäres Endpunktereignis unter Finerenon 13,6 Jahre (95 %-Konfidenzintervall [KI] 11,9–15,2 Jahre) im Vergleich zu 10,5 Jahren (95 %-KI 6,8–11,3 Jahre) unter Placebo. Dies entspricht einem Zugewinn an ereignisfreier Lebenszeit von 3,1 Jahren (95 %-KI 0,8–5,4 Jahre; p = 0,007).
Für 65-jährige Teilnehmende betrug die mittlere verbleibende Überlebenszeit ohne primäres Endpunktereignis unter Finerenon 11,0 Jahre (95 %-Konfidenzintervall [KI] 10,1–11,9 Jahre) gegenüber 8,9 Jahren (95 %-KI 8,1–9,8 Jahre) unter Placebo, entsprechend einem Zugewinn an ereignisfreier Lebenszeit von 2,0 Jahren (95 %-KI 0,8–3,3 Jahre; p = 0,001).
Nutzen in Abhängigkeit von SGLT-2-Anwendung
Insgesamt wurden zu Studienbeginn 817 (13,6 %) Teilnehmende mit SGLT-2-Inhibitoren behandelt. Für eine 65-jährige Person unter SGLT-2-Inhibition zu Studienbeginn betrug der Gewinn an Lebenszeit ohne primäres Endpunktereignis 3,1 Jahre (95 %-KI 0,1–6,0 Jahre; p = 0,04) im Vergleich zu 1,8 Jahren (95 %-KI 0,5–3,1 Jahre; p = 0,009) ohne SGLT-2-Inhibition.
Limitationen der Studie
Eine wichtige Limitation der Studie besteht darin, dass alle Projektionen auf der zentralen Annahme beruhen, dass die während der Studie beobachteten Behandlungseffekte über die gesamte Lebenszeit der Teilnehmenden anhalten. Unberücksichtigt bleiben dadurch Faktoren wie phasenweise Nicht-Adhärenz, temporäre Unterbrechungen oder vorzeitige Therapieabbrüche. Infolge der stringenten Einschlusskriterien der FINEARTS-HF-Studie sind die Ergebnisse zudem möglicherweise nicht auf alle Personengruppen übertragbar.
Fazit
Den Schätzungen der präspezifizierten Sekundäranalyse zufolge führt die langfristige Einnahme von Finerenon bei Personen mit HFmrEF oder HFpEF über einen breiten Altersbereich hinweg zu einem klinisch bedeutsamen Zugewinn an ereignisfreier Lebenszeit. Auch Patientinnen und Patienten, die mit SGLT-2-Inhibitoren behandelt werden, können von einer Finerenon-Behandlung profitieren. Den Autorinnen und Autoren zufolge können die erhobenen Schätzwerte hinsichtlich des zu erwartenden langfristigen therapeutischen Benefits die klinische Entscheidungsfindung unterstützen.

