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Kardiologie

21. Jan. 2025
Herzinsuffizienz

Welchen Nutzen hat Ausdauer- plus Krafttraining bei HFpEF?

Der Frage, welchen Einfluss ein strukturiertes Sportprogramm bei Menschen mit Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion hat, ist ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Edelmann von der Charité Berlin nachgegangen. Die Ergebnisse hat die Gruppe jetzt in der Fachzeitschrift Nature Medicine publiziert.1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Welchen Nutzen hat Ausdauer- plus Krafttraining bei HFpEF?
Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining verbessert die Belastbarkeit und Lebensqualität. (Foto: Getty Images | ferrantraite)

Autor: Christian Leopold

Rund 4 Millionen Menschen sind in Deutschland an Herzinsuffizienz erkrankt – in etwa die Hälfte davon an einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF). Welchen Einfluss kann ein Ausdauer- und Krafttraining auf den Verlauf dieser ernstzunehmenden und bisher wenig spezifisch behandelbaren Erkrankung nehmen? Auf diese Frage liefert die Ex-DHF-Studie, die unter der Leitung von Forschenden des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin, der Universitätsmedizin Leipzig, der Universitätsmedizin Rostock und der TUM Universitätsklinik München in Nature Medicine erschienen ist, nun Antworten. Im Ergebnis zeigte sich, dass ein strukturiertes Trainingsprogramm zwar keine Verbesserung des „modifizierten Packer-Scores“ erzielen, welcher als Sammelwert verschiedene klinisch relevante Parameter der Erkrankung wie Symptome, Belastbarkeit, Krankenhausaufenthalte und allgemeines Wohlbefinden kombiniert, dafür aber signifikant die Belastbarkeit und Lebensqualität der Betroffenen erhöhen kann.

Weltweit bisher umfangreichste Studie

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) geförderte Studie „Exercise training in Diastolic Heart Failure“ (Ex-DHF) untersuchte den Effekt von körperlichem Training auf klinisch relevante Parameter. Die multizentrische, randomisierte Studie schloss 322 Menschen mit HFpEF ein. Die Personen der Interventionsgruppe absolvierten ein1-jähriges strukturiertes Trainingsprogramm, bestehend aus einer Kombination von Ausdauer- und Krafttraining. Die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe bekamen in diesem Zeitraum die medizinische Standardtherapie.

Details zum Trainingsprogramm der Interventionsgruppe

Die Personen der Interventionsgruppe nahmen 12 Monate lang an einem überwachten Trainingsprogramm teil und wurden darüber hinaus ermutigt, ihre körperliche Aktivität in der Freizeit zu erhöhen. Das Training fand 3-mal wöchentlich unter Anleitung statt und bestand aus einer Ausdauer- und einer Kraftkomponente. Begonnen wurde das Training mit moderatem Fahrradfahren auf dem Ergometer für 30 Minuten, was über 3 Monate schrittweise auf 60 Minuten pro Einheit gesteigert wurde. 4 Wochen nach Trainingsbeginn kam ein Krafttraining für die großen Muskelgruppen hinzu.

Erfolgsmessung und Ergebnisse

Zur Erfolgsmessung der Intervention diente als primärer Endpunkt der modifizierte Packer-Score, der als Sammelwert verschiedene klinisch relevante Parameter wie Symptome, Belastbarkeit, Krankenhausaufenthalte und allgemeines Wohlbefinden kombiniert. Als sekundäre Endpunkte wurden unter anderem die NYHA-Klasse und die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂), erfasst.

Einen signifikanten Einfluss auf den modifizierten Packer-Score hatte das Training nicht. So kam es zwar bei 20,5 % der Personen in der Interventionsgruppe nach 12 Monaten zu einer Verbesserung des Scores gegenüber 8,1 % in der Kontrollgruppe; allerdings ergab sich auch eine Verschlechterung des Scores bei 42,9 % der Teilnehmenden der Interventionsgruppe gegenüber 44,1 % in der Kontrollgruppe (p = 0,17).

Klinisch relevante Unterschiede zugunsten der Interventionsgruppe gab es hingegen für einige sekundäre Endpunkte. Nach 12 Monaten war sowohl die NYHA-Klasse signifikant besser (Odds Ratio 7,77; 95 %-Konfidenzintervall 3,73–16,21) als auch die maximale Sauerstoffaufnahme, die sich in der Interventionsgruppe im Mittel um 1,3 ml O2/min/kg (95 %-Konfidenzintervall 0,4–2,1) signifikant verbesserte.

Limitationen der Studie

Bei der Bewertung der Studienergebnisse gibt es Limitationen zu berücksichtigen. Eine davon ist, dass die Studienteilnehmenden nicht für die Zuweisung des Behandlungsarms verblindet werden konnten, was eine generelle Einschränkung in derartigen Studien darstellt. Zudem bestand ein Problem in der Motivation der Teilnehmenden der Interventionsgruppe. Nur etwa die Hälfte der Personen nahm über die gesamte Studiendauer an mindestens 2 Trainings pro Woche teil, obwohl gerade diese Gruppe besonders davon profitiert hat. In der Interventionsgruppe wurden mehr Krankenhausaufenthalte registriert, von denen ein Großteil im Vorfeld einer Trainingseinheit durch überwachende Maßnahmen ausgelöst wurde. Es ist unklar, ob das gleiche Ereignis in der Kontrollgruppe erkannt worden wäre und ob die frühere Erkennung ein schädliches Ereignis verhindert hätte. Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass die Studie keine Differenzierung zwischen den Effekten von Ausdauertraining und Widerstandstraining zuließ, also beispielsweise keine spezifischen Ergebnisse des Krafttrainings, wie Veränderungen der Körperzusammensetzung, der Muskelkraft oder der körperlichen Funktion, berücksichtigt wurden.

Fazit: Körperliches Training „wertvolle Ergänzung“ zur HFpEF-Behandlung

Obwohl der primäre Endpunkt nicht erreicht wurde, zieht das Team ein positives Fazit: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein gezieltes Trainingsprogramm das Potenzial hat, die Belastbarkeit und Lebensqualität von HFpEF-Patientinnen und -Patienten zu verbessern. Da HFpEF eine systemische Erkrankung ist, die den gesamten Organismus betrifft, sind diese Ergebnisse ermutigend. Sie zeigen, dass Bewegung eine wertvolle Ergänzung zur Behandlung von HFpEF sein kann“, fasst Studienleiter Prof. Dr. Frank Edelmann, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Virchow-Klinikum des Deutschen Herzzentrums der Charité und Professor für kardiovaskuläre Prävention, die Ergebnisse der Ex-DHF-Studie zusammen.

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