12. März 2021

Zahl der Zwillingsgeburten weltweit auf Rekordstand

Weltweit werden einer Studie zufolge mehr Zwillinge geboren als je zuvor. Gründe für diesen deutlichen Anstieg könnte die Zunahme an künstlichen Befruchtungen und das immer höhere Alter der Mütter sein. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Zwillingsgeburten innerhalb von 30 Jahren um ein Drittel angestiegen

Zwischen der ersten Hälfte der 1980er Jahre und dem Beginn der 2010er Jahre sei die Zahl der Zwillingsgeburten um ein Drittel gestiegen, von gut neun auf zwölf je 1000 Geburten. Das berichtet ein internationales Forscher-Trio um den Soziologen Christiaan Monden von der Universität Oxford in der Fachzeitschrift „Human Reproduction“. Gründe für die deutliche Zunahme seien eine stärkere Verbreitung von künstlicher Befruchtung mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsgeburten sowie ein höheres Alter vieler Mütter und der höhere Einsatz von Verhütungsmitteln.

Ältere Frauen gebären häufiger Zwillinge, weil bei ihnen pro Zyklus mehr Eizellen heranreifen als bei jüngeren. Das liegt daran, dass ältere Frauen mehr Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) produzieren, das die Reifung der Eizelle auslöst.

In fast allen Ländern, mit Ausnahme Südamerikas, sei die Zahl der Zwillinge zwischen 2010 und 2015 im Vergleich zu 1980 bis 1985 zum Teil deutlich gestiegen. Zumeist handelt es sich dabei um zweieiige Zwillinge, der Anteil eineiiger Zwillingsgeburten blieb stabil bei 4 %.

Maßnahme bei künstlicher Befruchtung: Weniger Embryonen einsetzen

Nach Ansicht der Studienautoren ist aber unklar, ob die Zahl in wohlhabenderen Ländern weiter steigen wird. Das ist eine Folge von Gesundheitsproblemen bei Mehrlingsgeburten. Bei Zwillingen bestehen höhere Risiken während der Schwangerschaft sowie während der Geburt, etwa Früh- oder Totgeburten und höhere Sterblichkeit. Daraufhin wurden die Regeln für künstliche Befruchtung vielerorts geändert, nun werden weniger Embryonen eingesetzt. „Es ist daher möglich, dass in diesen Ländern die für den Zeitraum 2010 bis 2015 beobachteten Zwillingsraten ein Allzeithoch erreicht haben und im kommenden Jahrzehnt zu sinken beginnen.“

Lesen Sie auch: Neue Leitlinie erschienen: Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften
Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit besonderen Risiken verbunden. Im Jahr 2020 ist die erste deutschsprachige Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Schwangeren mit Zwillingen erschienen. Sie soll einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung sowohl der Mütter als auch der Feten bei Zwillingsschwangerschaften leisten. Zur Übersicht.

Deutschland: 3,7 % der Neugeborenen sind Mehrlingskinder

Die Studienautoren schätzen, dass weltweit jedes Jahr etwa 1,6 Millionen Zwillingspaare zur Welt kommen, eines von 42 Neugeborenen ist Zwilling. In Deutschland war 2019 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sogar jedes 27. Neugeborene ein Mehrlingskind, zumeist ein Zwilling. Das entsprach einem Anteil von 3,7 % – 1982 waren es noch 1,9 %.

  1. dpa, 12.03.2021, 08:44 Uhr

Bildquelle: © Getty Images/LPETTET

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