25. Februar 2020

Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung 2020

Was Frauenärzte jetzt wissen müssen

Das neue, organisierte Programm zur Früherkennung von Zervixkarzinomen (oKFE-RL) ist zum 1. Januar 2020 gestartet. Dabei gilt die bisherige Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, inhaltlich angepasst, parallel zur neuen Richtlinie weiter. Die Änderungen im Überblick.

Lesedauer: 3,5 Minuten

Die folgenden Informationen hat Dr. Nina Mörsch, coliquio-Redaktion, auf Basis von Informationen der KBV 1, der KV Baden-Württemberg 2 sowie des Bundesverbands der Frauenärzte 3 zusammengestellt.

Was bestehen bleibt: Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können weiterhin einmal jährlich eine zytologische Untersuchung mittels des Pap-Abstrichs und eine klinische Untersuchung wahrnehmen. Je nach Ergebnis sind weitere Untersuchungen vorgesehen. Ab 35 erfolgt dann das kombinierte Screening. Folgende Punkte sind nun neu:

Ab 20: Patientinnen werden alle 5 Jahre eingeladen

Gesetzlich krankenversicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren werden alle fünf Jahre von ihren Krankenkassen zur Früherkennungsuntersuchung eingeladen. Mit den Einladungen erhalten die Patientinnen zudem Informationen zum Programm und zu Nutzen und Risiken der Leistungen. Damit das Infomaterial auch für Beratungsgespräche verfügbar ist, bedarf es einiger Exemplare, die in den Praxen ausliegen. Ärzte werden gebeten, die Versicherteninformation vor dem Programmstart bei ihrer KV zu bestellen.

Ab 35: Ko-Test aus HPV-Test und Zytologie

Statt der jährlichen zytologischen Untersuchung haben Frauen ab 35 Jahren seit 1. Januar 2020 alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes Screening (Ko-Test) aus zytologischer Untersuchung und einem Test auf Humane Papillomviren. Die zytologische Untersuchung kann künftig auch mittels Dünnschichtverfahren durchgeführt werden – allerdings unter Wahrung des Wirtschaftlichkeitsgebots. Die Entscheidung, welches Verfahren Anwendung findet, trifft der Zytologe. Dies gilt auch für die Auswahl des HPV-Testverfahrens.

Hinweis: Patientinnen über 35 Jahre, die bereits 2019 eine zytologische Untersuchung erhalten hatten, können dieses Jahr auch bereits den Ko-Test in Anspruch nehmen.

Nach Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg

In den zwei dazwischen liegenden Jahren besteht für die Patientinnen weiterhin ein Anspruch auf eine gynäkologische Krebsfrüherkennungsuntersuchung – jedoch ohne Zytologie und HPV-Test. Dies gilt auch für Frauen, bei denen eine Früherkennung nach der Früherkennungsrichtliche nicht durchgeführt werden kann.

Auffällige Befunde: So werden diese abgeklärt

Bei auffälligen Screeningbefunden sieht das Programm für alle Patientinnen klare Algorithmen zur Abklärung vor. Gegebenfalls kommen der Abstrich und/oder der HPV-Test wiederholt zum Einsatz. Möglich ist auch eine Abklärungskolposkopie, die als neue Leistung im Rahmen der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eingeführt wird (s.u.). Die richtliniengemäße Abklärungsdiagnostik ist jetzt den präventiven Leistungen zugeordnet und damit extrabudgetär.

Eine Übersicht der Abklärungsdiagnostik für auffällige Befunde im Rahmen der organisierten Krebsfrüherkennungsrichtlinie bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung zum Herunterladen ein.

  • Bei Patientinnen mit einem bestehenden auffälligen Vorbefund, ist dieser anhand des aktuellen Abklärungsalgorithmus einzuordnen und entsprechend weiter auf die Zielläsion CIN 3+ abzuklären. Ist für die Entscheidung zum weiteren Vorgehen (bspw. Befund IIID1 ab 35 Jahren) das Ergebnis des Ko-Tests erforderlich, so ist kurzfristig ein Primärscreening durchzuführen.

  • Frauen nach zervixerhaltender Partialhysterektomie können an der Früherkennung des Zervixkarzinoms teilnehmen. Ist anatomisch kein Gewebe des Zielorgans des Zervixkarzinomscreenings mehr sichtbar, ist als präventive Leistung nur die Früherkennung ohne Zytologie und HPV-Test berechnungsfähig.

    Die Abrechnung erfolgt mit der Gebührenordnungsposition (GOP) 01760. Leistungen nach dem Früherkennungsprogramm Zervixkarzinom der oKFE-RL können nicht durchgeführt werden. Kontrolluntersuchungen zur Sicherung des Behandlungserfolges nach operativen Eingriffen an der Zervix uteri, beispielsweise einer Konisation, sind kurative Untersuchungen. Nach Abschluss der Behandlung kann die Patientin wieder regulär am Früherkennungsprogramm Zervixkarzinom teilnehmen.

  • Nach Angaben des Bundesverband der Frauenärzte e.V. kam es in den zurückliegenden Wochen bezüglich der Indikation zur zytologischen Kontrolle bei Zustand nach totaler Hysterektomie sehr häufig zu Nachfragen. Der Verband weist hier auf den relevanten Abschnitt aus der aktuellen Leitlinie zur Prävention des Zervixkarzinoms aus 2017: Wie soll das Screening nach Hysterektomie erfolgen.

Veranlassung Zytologie und HPV-Test

  • Wie bisher erfolgt der Auftrag des Gynäkologen an den Zytologen mit Muster 39, auch wenn der Überweisungsschein zur präventiven zytologischen Untersuchung entfallen ist. Das neue Muster 39 ist nur für die Untersuchungen im Rahmen des neuen Screenings (GOP 01761) anzuwenden.
  • Das überarbeitete Muster enthält jetzt Informationen zum HPV-Test und zur HPV-Impfung. Dafür entfallen die Angaben zum Inspektions-/Tastbefund der Haut, Mamma und axillären Lymphknoten sowie der rektalen Untersuchung und zum Blutdruck.
  • Für das neue Muster 39 ist die digitale Auftragserteilung und Befundübermittlung möglich.

Abklärungskolposkopie: Zentrale Rolle

Mit dem Programm tritt eine Qualitätssicherungsvereinbarung zur Abklärungskolposkopie in Kraft. Sie regelt, welche Anforderungen Gynäkologen erfüllen müssen, wenn sie diese ab 2020 als Leistung anbieten und abrechnen wollen.

Zu dieser Leistung gehört unter anderem die Untersuchung mit Kolposkop und die Entnahme von Biopsien sowie die entsprechende Beratung der Versicherten.

Anforderungen an den Arzt:

  • Erfolgreiche Teilnahme an ein einem Basis- sowie Fortgeschrittenen-Kolposkopiekurs
  • Nachweis über mindestens 100 bereits durchgeführte Kolposkopien. Davon müssen 30 oder mehr histologisch gesicherte Fälle intraepithelialer Neoplasien oder invasiver Karzinome sein, die nicht länger als zwölf Monate zurückliegen.

Anforderungen an die Apparate:

  • Das Kolposkop muss mindestens über zwei Vergrößerungsstufen zwischen 7- und 15-fach sowie über eine Lichtquelle verfügen.
  • Analoge Geräte müssen eine direkte binokulare Befundung/Beurteilung ermöglichen und digitale Kolposkope müssen in Bildqualität und Auflösung mindestens dem Standard der analogen Geräte entsprechen.

  • Ärzte, die bei einer Abklärungskolposkopie eine Histologie veranlassen, nutzen hierfür das Muster 6 mit der Kennzeichnung „präventiv“.

    Ist aufgrund des Befundes eine weitere (operative) Therapie erforderlich, gehört dies nicht mehr zum Programm und die Überweisung erfolgt dann mittels Muster 6 als kurative Leistung. Werden dabei weitere insbesondere histologische Befunde erhoben werden, sind diese dem Kolposkopiker für die Programmdokumentation zu übermitteln.

Vergütung: So wird das Zervixkarzinomscreening abgerechnet

Ein Patienteninformationsblatt zu den Neuerungen der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung ab Januar 2020 können Sie hier herunterladen.

Übrigens: Dokumentationsverpflichtung ausgesetzt

Grundsätzlich sind die am neuen Screening-Programm teilnehmenden Gynäkologen, Zytologen und Laborärzte verpflichtet, die durchgeführten Untersuchungen elektronisch zu dokumentieren und diese verschlüsselt an die jeweils zuständige Kassenärztliche Vereinigung zu übermitteln.

Allerdings wurde die Dokumentationsverpflichtung für die neuen organisierten Krebsfrüherkennungsprogramme vorläufig ausgesetzt. Dies betrifft sowohl das Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs als auch das Programm zur Früherkennung von Darmkrebs. Mehr dazu lesen Sie hier >>

Unbenommen von der Aussetzung der Dokumentations­pflichten löst ab Januar das überarbeitete Muster 39 die bislang geltende Version ab.

KBV, Praxisinformation, 23.01.2020: Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung

Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, 18.12.2019: Was Gynäkologen im neuen Jahr wissen müssen

Bundesverband der Frauenärzte e.V., 27.01.2020: Aktualisierte Erläuterungen zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung seit 1. Januar 2020

Bilder: © GettyImages/ OKrasyuk

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