18. Januar 2021

Fachgesellschaften

„Babykino” untersagt – medizinisch begründeter Ultraschall erlaubt

Das sogenannte Babykino ist seit 1. Januar 2021 offiziell verboten. Medizinisch indizierte Ultraschalluntersuchungen von Schwangeren bleiben weiterhin erlaubt – dies betonen Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Pressemitteilung 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie (DGGG), des Bundesverbands der Frauenärzte e.V. (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM)

Ultraschall für den Feten ungefährlich

Für Frauenärzte und – ärztinnen sei wichtig zu wissen: Die Anwendung von Ultraschall zur Untersuchung des Feten in der Schwangerschaft ist ungefährlich. Es handele sich bei diesem diagnostischen Ultraschall um natürliche und harmlose Schallwellen, die leider im Rahmen dieses Gesetzgebungsverfahrens als „nichtionisierende Strahlung“ klassifiziert wurden.

Thermischen Index TI < 0,7 einhalten

Maßgeblich ist dabei der Schwellenwert, der als thermischer Index (TI) auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes dargestellt wird und Rückschlüsse auf eventuelle Erwärmungen zulässt. Dieser sollte bei allen Anwendungen in der Schwangerschaft < 0,7 sein; theoretisch könnte man dann zeitlich unbegrenzt Ultraschall durchführen.

Die Einhaltung dieses Schwellenwerts ist technisch sehr einfach: Oft reicht eine einfache Reduktion des Acoustic Outputs, ohne Abstriche an der Bildqualität zu verzeichnen. Der mechanische Index (MI) spielt bei der Anwendung von Ultraschall in der Schwangerschaft keine Rolle, da dieser nur eine Bedeutung bei Verwendung von Kontrastmitteln sowie im Zusammenhang mit luftgefüllten Organen hat. Beides ist in der Schwangerschaft nicht gegeben.

Da die Neufassung der Strahlenschutzverordnung zu erheblicher Unsicherheit unter Frauenärzten und – ärztinnen geführt hat, wurde seitens der DEGUM neben einem Treffen im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) auch ein umfangreicher Briefwechsel mit dem BMU durchgeführt. Infolge dieses Briefwechsels kann man Folgendes zusammenfassen:

  • Die Anwendung aller Ultraschalluntersuchungen nach Mutterschaftsrichtlinien und alle feindiagnostischen Ultraschalluntersuchungen sind ärztliche Untersuchungen und unterliegen nicht der Strahlenschutzverordnung. In diesem Kontext dürfen auch Bilder und Filme erstellt werden.
  • Ultraschall zu Forschungszwecken unterliegt nicht der Strahlenschutzverordnung und ist erlaubt.
  • Ultraschall im Rahmen praktischer Übungen in Ultraschallkursen zur Aus- und Weiterbildung unterliegt nicht der Strahlenschutzverordnung und ist weiterhin erlaubt.
  • Ultraschall im Rahmen von KV-Prüfungen unterliegt nicht der Strahlenschutzverordnung und ist weiterhin erlaubt.
  • Ultraschall im Rahmen von Kongressen und wissenschaftlichen Veranstaltungen unterliegt nicht der Strahlenschutzverordnung und ist weiterhin erlaubt (Ultraschall zu Aus- und Weiterbildung, nicht jedoch im Rahmen einer ausschließlichen Produktpräsentation).
  • Ultraschalluntersuchungen mit dem alleinigen Zweck der Erstellung von Erinnerungsfilmen und -bildern sind nicht erlaubt.

Ultraschalluntersuchung als Selbstzahlerleistung nicht verboten

In einigen Portalen wird die Behauptung aufgestellt, mit der neuen Verordnung seien nun auch Ultraschalluntersuchungen als Selbstzahlerleistungen verboten. Dies ist eindeutig falsch. Die Entscheidung, ob eine Untersuchung im Sinne der Schwangeren und des Ungeborenen sinnvoll und indiziert ist, treffen die betreuenden Frauenärzte.

DEGUM, DGGG und der BVF möchten an dieser Stelle die Wertigkeit und Wichtigkeit der Durchführung von Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Überwachung der Schwangerschaft und zur Einschätzung des ungeborenen Kindes betonen.

Verbot des Babyfernsehens ab 2021: 8 Fragen und Antworten

Antworten auf drängende Fragen von Frauenärzten zur Modernisierung der Strahlenschutzverordnung gibt der Berufsverband der Frauenärzte e.V. in einem weiteren Beitrag.

  1. Medizinisch indizierter Ultraschall bei Schwangeren stellt keine Ordnungswidrigkeit dar; DGGG; 15.01.2021.

Bildquelle: © gettyImages/hilllander

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