21. Oktober 2021

Nutzen unklar

Toxoplasmosetest bei Schwangeren

Das Team des IGeL-Monitors hat den Toxoplasmose-Test bei Schwangeren mit „unklar“ bewertet. Es gäbe keine Studien, die auf einen Nutzen für Mutter und Kind hindeuten. Frauenärzte kritisieren indes diese Bewertung deutlich. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Bei dem Antikörpertest könne es zu falsch positiven und falsch negativen Ergebnissen sowie Überdiagnosen kommen, die unnötige Folgeuntersuchungen oder unnötige Behandlungen nach sich zögen. Das werten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IGeL-Monitors als Anhaltspunkte für einen Schaden. Allerdings fand das IGeL-Team schwache Hinweise, dass bei einer Erstinfektion mit Toxoplasmose während der Schwangerschaft eine früh einsetzende medikamentöse Therapie die gesundheitlichen Folgen für das Baby abmildern kann.

Eine zurückliegende Infektion mit Toxoplasmose wirkt sich nicht auf die Schwangerschaft aus. Infiziert sich eine Frau aber während einer Schwangerschaft das erste Mal mit Toxoplasmose, besteht die Gefahr, dass der Erreger auf das Ungeborene übergeht. Das Risiko der Übertragung steigt mit zunehmender Schwangerschaftsdauer. Bezogen auf die gesundheitlichen Folgen für das Baby verhält es sich entgegengesetzt: Eine Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft kann das Ungeborene gesundheitlich schwer schädigen. Sie kann zum Beispiel zu Behinderungen führen oder dazu, dass die Mutter ihr Kind verliert.

Der Toxoplasmose-Antikörpertest soll erkennen, ob die Schwangere bereits eine Infektion hatte oder aktuell eine Infektion hat oder die Gefahr besteht, dass es unter der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion kommen kann. Das Team des IGeL-Monitors wollte zum einen wissen, ob der Toxoplasmose-Antikörpertest und – bei positivem Test – die nachfolgende Behandlung wirklich verhindern können, dass es zu einer Übertragung des Erregers auf das Ungeborene und zu gesundheitlichen Folgen bei dem infizierten Baby kommt. Außerdem ging das IGeL-Monitor-Team der Frage nach, ob im Falle einer Erstinfektion eine medikamentöse Therapie die Übertragung des Erregers auf das Ungeborene verhindern, oder wenn es bereits infiziert ist, die gesundheitlichen Folgen bei dem Baby abmildern kann.

Die Toxoplasmose ist eine parasitäre Infektion. Rund die Hälfte aller erwachsenen Deutschen hat sich im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal mit dem Erreger infiziert. In der Regel muss die Toxoplasmose nicht behandelt werden. Der Körper bildet Abwehrstoffe gegen den Erreger und die Menschen sind in der Folge lebenslang immun. Ausgelöst wird die Toxoplasmose durch den Parasiten Toxoplasma gondii. Infizierte Katzen scheiden ihn mit ihrem Kot aus. Er kommt außer in Katzenstreu auch in Gartenerde, rohem Fleisch und auf ungewaschenem Obst und Gemüse vor.

Zur Bewertung der IGeL „Toxoplasmose-Test bei Schwangeren“ im IGeL-Monitor

Kritik von Frauenärzten

Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts hat der Berufs­verband der Frauenärzte (BVF) deutliche Kritik an der Bewertung des IGeL-Monitors geübt. Der BVF wies danach darauf hin, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) es für sinnvoll und wünschenswert halte, den Antikörperstatus von Frauen vor oder möglichst früh in der Schwangerschaft zu bestimmen. Der IGeL-Monitor habe die Argumente dieser staatlichen Behörde „unverständlicher Weise“ bisher ignoriert und die Toxoplasmosetestung als ‚negativ‘ bewertet. „Dass sich der IGel-Monitor als Sprachrohr der Krankenkassen jetzt dazu durchgerungen hat, den Nutzen der Testung zumindest als ‚unklar‘ zu bewerten, ist ein kleiner Fortschritt“, sagte BVF-Präsident Christian Albring laut DÄ. „Der IGel-Monitor sollte die überragende Kompetenz der Wissenschaftler des RKI akzeptieren“, forderte er.

  1. Toxoplasmose-Test bei Schwangeren: Nutzen unklar; mds-ev; 07.10.2021.
  2. Deutsches Ärzteblatt, 05.10.2021: Kontroverse um Toxoplasmosetest bei Schwangeren

Bildquelle: © gettyImages/WLADIMIR BULGAR/SCIENCE PHOTO LIBRARY

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